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22.07.2011

Naturschutz ohne Grenzen

Länderübergreifende Zusammenarbeit beim Naturschutz lässt Europa zusammenrücken

Quelle: (idw) Bundesamt für Naturschutz
Bonn, 21. Juli 2011: Gemeinsame Schutzmaßnahmen mehrerer Länder kommen der Natur in besonderem Maße zugute und unterstützen darüber hinaus oft die Lösung sozialer und politischer Konflikte. Das zeigt die neue Publikation der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature).

Das Buch „Crossing Borders for Nature: European examples of transboundary conservation” stellt den grenzüberschreitenden Naturschutz in Europa vor, beleuchtet seine Herausforderungen und seinen Nutzen. Die Veröffentlichung ist Teil eines Beratungshilfeprojekts der IUCN und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Es hat sich zum Ziel gesetzt, die grenzüberschreitende Naturschutzzusammenarbeit im Grenzgebirge zwischen Albanien, Mazedonien und dem Kosovo zu verbessern.

„Aufgrund der Isolation dieser Region in der Vergangenheit und ihrer bisherigen politischen Instabilität war die Grenze zwischen diesen Ländern für Jahrzehnte unzugänglich“, so Tomasz Pezold, Projektleiter der IUCN und Herausgeber der Publikation. „Dadurch zählt sie mittlerweile zu den letzten intakten Naturgebieten Europas mit den teilweise größten Populationen von Bär, Wolf und Luchs. Grenzüberschreitender Naturschutz in dieser Region ermöglicht die Bewahrung dieses einzigartigen Naturerbes in seiner Integrität und bringt Länder zusammen, die jahrelang voneinander isoliert waren.“

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Naturschutz hat eine hohe ökologische Bedeu-tung, denn mit dem Schutz ausgedehnter Naturgebiete wird die Wanderung von Tierarten ermöglicht und der Verlust der biologischen Vielfalt eingedämmt. Diese Art der Kooperation bietet auch ehemals verfeindeten Parteien die Chance, den Dialog wieder aufzugreifen, schafft zusätzliche Einkommensmöglichkeiten und hilft politische Konflikte zu lösen.

„Viele Beispiele verdeutlichen die Vorteile, die die internationale Zusammenarbeit für den Erhalt des Natur- und Kulturerbes, die Verbesserung der Lebensbedingungen von Anrainergemeinden, den Abbau von Spannungen und die Wiederherstellung freundschaftlicher nachbarschaftlicher Beziehungen hat“, so BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. „Dass ein effektiver grenzüber-schreitender Naturschutz hilft, politische, ökonomische und soziale Unterschiede über Grenzen hinweg zu überwinden, lässt staatliche Akteure und Schutzgebietsmanager zunehmend sein Potential erkennen.“

So ist es im Gebiet der Prespaseen, einer Grenzregion zwischen Albanien, Mazedonien und Griechenland mit besonderer Artenvielfalt und einzigartigen geologischen Strukturen, durch trilaterale Zusammenarbeit im Naturschutz gelungen, das politische Konfliktpotenzial zwischen diesen drei Ländern zu entschärfen.

Im Biosphärenreservat Ostkarpaten, das sich im Drei-Länder-Eck von Polen, Slowakei und Ukraine befindet, hat die länderübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz der Natur dazu geführt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen wieder aufzubauen, nachdem dort im Zweiten Weltkrieg Zehntausende ihr Leben gelassen und viele jahrelang unter der Isolation durch das kommunistische Regime gelitten hatten.

Seit der Einrichtung der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava (im tschechischen Teil des Böhmerwalds) hat sich dort der Tourismus zu einem wesentlichen Faktor der regionalen Wirtschaft entwickelt, der zusätzliche Arbeitsplätze und Einkommen schafft.

„Natur macht nicht an menschengemachten Grenzen halt. Unsere Bemühungen, sie zu bewah-ren, sollten dies auch nicht tun“, so Maja Vasilijević, Vorsitzende der Transboundary Conservation Specialist Group der Weltschutzgebietskommission der IUCN und Mitherausgeberin der Publikation. „Grenzüberschreitender Naturschutz gewinnt zunehmend an Bedeutung beim Schutz und Erhalt großer Ökosysteme und bei der Verbesserung der sozioökonomischen Entwicklung in diesen Gebieten.“

Die Publikation wurde mit Finanzierung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA) mit Mitteln des Beratungshilfeprogramms für den Umweltschutz in den Staaten Mittel- und Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens ermöglicht.

Weitere Informationen:

http://www.bfn.de

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