„Die unterschiedlichen Mechanismen, die zum Absterben einer Pflanze oder einer ganzen Pflanzenpopulation führen sind jedoch nicht unabhängig voneinander, sondern eng miteinander verflochten“ erklärt Mark Stitt, der mit Kollegen aus Großbritannien und den USA die tödlichen Wechselwirkungen besser untersucht haben möchte.
Beispielsweise hat ein milder Winter zur Folge, dass die Larven von Insekten nicht erfrieren und im nächsten Frühjahr ein ganzes Bataillon zur Attacke auf die Zielorganismen bereit steht. Wenn dann noch ein übermäßig heißer und trockener Sommer dazu führt, dass die Pflanze nur wenig Photosynthese betreiben kann und deshalb geschwächt ist, haben die Schädlinge leichtes Spiel. Zwar stellt die Pflanze zuerst das Wachstum ein und konzentriert sich auf ihre „teuren“ – sprich mit hohem Kohlenstoff- und Energieeinsatz verbundenen - Verteidigungsmechanismen, doch irgendwann kann sie auch die nicht mehr aufrechterhalten. Davon profitiert zum Beispiel der Borkenkäfer, der schlimmste Schädling der nördlichen Hemisphäre. Gesunde Bäume halten seinen Angriffen leicht stand und wehren sich mit Harzabsonderungen, aber bei bereits gestressten Organismen haben die Käfer leichtes Spiel. Sie können sich dann in den geschwächten Individuen so stark vermehren, dass kurze Zeit später auch gesunde Bäume zum Opfer ihrer Angriffe werden.
Auch geringe Niederschlagsmengen und große Hitze sind im Duett schädlicher als ihr Soloauftritt es vermuten lässt. Bei Trockenheit schließt die Pflanze ihre Spaltöffnungen um der Wasserverdunstung entgegenzuwirken. Dadurch wird aber gleichzeitig die Photosynthese behindert und es kann nur wenig Zucker gebildet werden. Zunächst reagiert die Pflanze darauf mit einem verlangsamten Stoffwechsel und einer erhöhten Speicherung der noch vorhandenen Zuckerbausteine in Form von Stärke. Die Pflanze stellt also ihr Wachstum ein und spart für harte Zeiten. Wenn jedoch außerdem zu wenig Wasser im Boden vorhanden ist, dann füllen sich die Leitungsbahnen in der Pflanze mit Luft. Folglich können weder Nährstoffe aus dem Boden in die Pflanze noch die restlichen Kohlenhydrate vom Ort der Entstehung an die Orte des Verbrauchs transportiert werden. Die Photosynthese wird weiter reduziert und am Ende dieses Teufelskreises sterben die Pflanzen entweder an Austrocknung oder Schädlingsbefall.
„Zukünftige Experiment müssen unbedingt diese und andere Wechselwirkungen betrachten um die Reaktionen der Pflanzen auf neue Umweltbedingungen richtig vorhersagen zu können“, betont Stitt. Außerdem brauche man flächendeckende Beobachtungen um bisherige Hypothesen überprüfen zu können. Wenn man die Modellaussagen nicht mit realen Daten verifiziert ist ein wahrer Erkenntnisgewinn nicht möglich.
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