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14.05.2012

Weltklimarat legt Sonderbericht vor

Der Weltklimarat IPCC hat einen ausführlichen Sonderbericht zum Thema „Management des Risikos von Extremereignissen und Katastrophen zur Förderung der Anpassung an den Klimawandel“ veröffentlicht. Daran waren 220 Wissenschaftler aus aller Welt beteiligt, darunter auch zwei Professoren und ein Privatdozent des Geographischen Instituts der Universität Bonn.

Quelle: (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Die Intensität und Häufigkeit von Extremwetterereignissen haben in den vergangenen Jahren zugenommen - dieser Trend wird sich in vielen Regionen der Erde sogar noch verstärken. Der 594-seitige Bericht des Weltklimarats (IPCC) geht allerdings deutlich über die neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Klima- und Wetterereignisse hinaus und thematisiert auch insbesondere soziale und ökonomische Faktoren der Katastrophen- und Risikobewältigung sowie der nachhaltigen Entwicklung. Mehr als 18.000 Review-Kommentare wurden in den verschiedenen Phasen des Berichts eingebracht und von den Autoren berücksichtigt. Der Spezialbericht bietet eine sehr fundierte Übersicht über den aktuellen Stand des Wissens und ist gleichzeitig ein Portal für zukünftige Forschung.

Die Auswirkungen hängen von der Verwundbarkeit der Gesellschaft ab

„Die Schwere der Auswirkungen von Wetterereignissen und Klimaveränderungen hängt erheblich von dem Grad der Verwundbarkeit und der Exposition der Gesellschaft gegenüber diesen Ereignissen ab“, sagt Dr.-Ing. Jörn Birkmann, Privatdozent am Geographischen Institut der Universität Bonn und Sektionsleiter an der UN-Universität Bonn. Zusammen mit Prof. Dr. Jürgen Pohl vom Geographischen Institut der Universität Bonn bearbeitete er als Leitautor das Kapitel „Determinanten des Risikos“. Das Ausmaß der Schäden, die etwa durch Hitzestress, Überflutungen und Stürme verursacht werden, hänge auch immer von der Besiedlung riskanter Gebiete, der vorhandenen Infrastruktur und den wirtschaftlichen Möglichkeiten der gefährdeten Menschen sowie den privaten sowie staatlichen Vorsorgemaßnahmen ab.

Wie wird aus einem Extremereignis eine Katastrophe?

Folglich sind die Risiken und Auswirkungen nicht allein aus der Intensität oder Häufigkeit von extremen Wettern abzuleiten, sondern insbesondere von der Verwundbarkeit der Gesellschaft. „Diese kann man beeinflussen“, sagt Dr. Birkmann. „Eine geeignete und frühzeitige Risikokommunikation ist zentral für effektive Anpassungs- und Risikominderungsmaßnahmen.“ So seien der Hitzewelle 2003 zahlreiche ältere Menschen zum Opfer gefallen. Diese gegenüber Hitzestress besonders verwundbare Gruppe wird in Zukunft durch die demografische Entwicklung in Deutschland weiter zunehmen. Der Spezialbericht folgert aus den Klimadaten und -modellen, dass eine Zunahme von Hitzestress global und auch in Europa sehr wahrscheinlich ist. „Wir brauchen deshalb unter anderem geeignete Warnsysteme und Vorsorgestrategien“, führt Dr. Birkmann aus. Im Kern gehe es um die Frage, wie verhindert werden kann, dass aus einem Extremereignis eine Katastrophe entsteht.

Bevölkerung in den Entwicklungsländern ist besonders bedroht

„Zu den durch den Klimawandel besonders bedrohten Menschen gehören unter anderem die arme Bevölkerung in Entwicklungsländern, Kinder, Frauen und ältere Personen sowie die Gruppe der Kleinbauern“, sagt Prof. Dr. Hans-Georg Bohle vom Geographischen Institut der Universität Bonn, der zum Kapitel „Managing the Risks from Climate Extremes at the Local Level“ beigetragen hat. Wichtig für die Risikobewältigung und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels auf lokaler Ebene seien soziale Lernprozesse sowie eine aktive Teilhabe der Betroffenen an den erforderlichen Entscheidungsprozessen. „Auch der Schutz fragiler Ökosysteme in besonders kritischen Regionen ist von grundlegender Bedeutung“, sagt Prof. Bohle.

Die Druckfassung des Sonderberichts kann nun über das IPCC-Sekretariat unter www.ipcc.ch bezogen werden. Dr. Birkmann stellte beim 3. Global Forum on Urban Resilience & Adaptation am Sonntag, 13. Mai, im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn Ergebnisse vor (http://resilient-cities.iclei.org/).

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