Forschungsprojekt Carbiocial - Wie wichtig ist der Regenwald?
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Dass der brasilianische Regenwald eine herausragende Bedeutung für das Weltklima hat, ist unbestritten. Unklar ist jedoch, wie sich Abholzung und Umwandlung der Waldflächen in Ackerland konkret auswirken. Das Forschungsprojekt Carbiocial in den brasilianischen Bundesstaaten Pará und Mato Grosso soll Verantwortlichen vor Ort zuverlässige Entscheidungsgrundlagen liefern, damit die Bewirtschaftung des Landes nicht auf Kosten des Klimas und der Umwelt geschieht.
Das Amazonasgebiet in Brasilien ist nicht nur paradiesisch schön, sondern auch ökologisch von unschätzbarem Wert. Der Regenwald ist eines der artenreichsten Gebiete der Erde und gleichzeitig ein unentbehrlicher Dienstleister für das Weltklima.
Die Regenwaldpflanzen und -böden speichern enorme Mengen an CO2. Dem entsprechend gilt der Amazonasregenwald als einer der größten CO2-Speicher der Welt. Wird der Wald zerstört, dann wird auch das gespeicherte Kohlenstoffdioxid wieder freigegeben. Das Treibhausgas gelangt in die Atmosphäre und beschleunigt den Klimawandel. Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) sind bereits jetzt bis zu 20 Prozent der weltweit gemessenen CO2-Emissionen auf die Abholzung von Wäldern zurückzuführen.
Die Regierung Brasiliens weiß um den immensen Wert dieses Ökosystems und hat knapp die Hälfte der gesamten Landesfläche unter Naturschutz gestellt. Gleichzeitig stehen die Politiker aber vor der Aufgabe, die Wirtschaft ihres Landes weiterzuentwickeln. Brasilien ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.
Bereits 2015 könnte es die fünftgrößte Volkswirtschaft sein. Die Agrarindustrie fordert, größere Flächen zur Nahrungsmittelproduktion freizugeben. Derzeit werden laut Regierungsangaben nicht einmal 30 Prozent der Landfläche für Ackerbau und Viehzucht genutzt – in Deutschland sind es 47 Prozent.
In Südamazonien, im Bundesstaat Mato Grosso, wird dieser Zielkonflikt wie unter dem Brennglas sichtbar. Allein in den Jahren 2001 bis 2004 wuchs dort die Ackerfläche um 87 Prozent, die Abholzung nahm um 40 Prozent zu. Die betroffenen Regenwälder und Savannen sind jedoch als Ökosysteme für die Kohlenstoffspeicherung sowie die Wasser- und Treibhausgaskreisläufe von immenser Bedeutung.
Noch fehlen indes präzise Modellberechnungen, wie sich Waldrodung und verstärkte Bodennutzung konkret vor Ort und auf das Weltklima auswirken. Die Entscheidungsträger benötigen Instrumente, mit deren Hilfe sich die Landnutzung und ihre Folgen für Mensch, Klima und Umwelt optimieren lassen. Das BMBF unterstützt daher „Carbiocial“ im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltiges Landmanagement“.
„Carbiocial soll die nötigen Daten liefern und darüber hinaus Lösungen aufzeigen, wie ein nachhaltiges Landmanagement die Emission von Treibhausgasen mindert und trotzdem gleichzeitig Profitmöglichkeiten für die lokalen Farmer bietet“, so Wilfried Kraus, Leiter der BMBF-Unterabteilung „Nachhaltigkeit, Klima, Energie“.
Das Projekt startete im Juni vergangenen Jahres und läuft bis Mitte 2016. Rund 6,7 Millionen Euro beträgt die Förderung durch das BMBF. Zehn deutsche Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Gerhard Gerold von der Georg-August-Universität Göttingen arbeiten mit ebenso vielen brasilianischen Kollegen vor Ort zusammen. Sie richten derzeit rund 45 Messstationen ein.
Drei Modellregionen haben sich die Forscher ausgesucht: im Süden des Bundesstaats Pará, in dem die Rodung des Regenwaldes besonders intensiv ist, im Norden Mato Grossos, wo erst seit kurzer Zeit Sojabohnen-Plantagen stehen und im Zentrum Mato Grossos, dort werden bereits seit mehr als 20 Jahren Baumwolle und Sojabohnen kultiviert.
Die Wissenschaftler stehen dabei nicht nur in engem Kontakt mit den örtlichen Umwelt- und Planungsbehörden sondern auch mit den Farmer-Organisationen. Denn schließlich müssen die lokalen Bauern von den Modellberechnungen überzeugt sein, die am Ende des Prozesses zur Verfügung stehen sollen.
„Ziel ist es, Planern und Farmern ein einfach zu bedienendes Instrument an die Hand zu geben“, beschreibt Gisela Helbig, Leiterin des Referats „Globaler Wandel“, den grundsätzlichen Ansatz. „Die Menschen vor Ort müssen abschätzen können, welche Folgen eine Entscheidung für eine bestimmte Art der Landnutzung für die lokalen klimatischen Verhältnisse hat.“ Im konkreten Fall stellt sich beispielsweise die Frage, was die Abholzung des Regenwaldes und der verstärkte Anbau von Sojabohnen tatsächlich bewirken.
Das computerbasierte Simulationsmodell liefert ihnen nach Abschluss des Projekts im Idealfall auch Daten dazu, wie die Böden der Plantagen mehr CO2 speichern können, ohne dass die ökonomische Rendite geschmälert wird.
So gelingt am Ende hoffentlich die Quadratur des Kreises: den Regenwald weitestgehend erhalten, und wo das nicht möglich ist, den Außstoß von Treibhausgasen trotzdem reduzieren und gleichzeitig eine wirtschaftliche Landnutzung ermöglichen.
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