20.06.2012

Forschungsprojekt IGNIS - Mit Abfall aus der Armut?

Forschungsprojekt IGNIS - Mit Abfall aus der Armut? - Teaserfoto

AT-Verband
IGNIS: Frauengruppe beim Kompostierungstraining in Addis Abeba


Es ist ein kleiner Anfang, der die Müllverwertung in Addis Abeba und anderen wachsenden Megacities verändern könnte. Rund 35 Arbeiterinnen und Arbeiter recyceln derzeit unter Anleitung eines Wissenschaftsteams in der Hauptstadt Äthiopiens Papier und legen neue Kompostierungsanlagen an.

Die Entwicklung der Städte, speziell der Megacities, ist eine zentrale Zukunftsfrage der Menschheit. Besonders Ballungszentren in Entwicklungsländern stehen vor großen Problemen. Das betrifft nicht nur lokale Phänomene wie marode Infrastruktur, Slumbildung und Armut, sondern hat in Fragen der Energienutzung und des Klimaschutzes globale Auswirkungen. Obwohl Städte lediglich zwei Prozent der Erdoberfläche bedecken, sind sie für drei Viertel des Energieverbrauchs und für bis zu 70 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Forschungskonzepte zur effizienten Energienutzung und zum Klimaschutz müssen daher die Entwicklung der Megastädte berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der BMBF-Förderschwerpunkt „Future Megacities“ in seiner Hauptphase auf „energie- und klimaeffiziente Strukturen in urbanen Wachstumszentren“. Derzeit arbeiten neun bilaterale Projektteams an ihren spezifischen Forschungsthemen.

Das Future-Megacities-Projekt IGNIS in Addis Abeba beispielsweise widmet sich der Abfallproblematik. Die städtische Müllabfuhr ist unzureichend, es gibt unzählige wilde Deponien, deren Giftstoffe die Wasserquellen verschmutzen und gesundheitliche Probleme aufwerfen. Da die Bevölkerung um sechs Prozent jährlich wächst – 2015 dürften bis zu sieben Millionen Menschen in der Region leben –, braucht Addis Abeba dringend ein funktionierendes Abfallmanagement.

Ziel des Projektes ist es, aufzuzeigen, dass eine bessere Abfallverwertung den Ausstoß von Treibhausgasen und anderen Umweltgiften verringern kann. Gleichzeitig können dabei Arbeitsplätze geschaffen und der lokalen Wirtschaft wichtige Impulse gegeben werden.

Das Potential ist groß: Derzeit verrotten organische Abfälle (unter anderem Lebensmittelreste), die mehr als 50 Prozent des Abfalls ausmachen, meist ungenutzt und setzen dabei Treibhausgase frei. Metalle und Kunststoffe werden wenig effizient recycelt.

Projektleiter Dieter Steinbach vom ATVerband untersucht mit seinem deutschäthiopischen Team, welche Recycling und Kompostierungsmethoden Erfolg versprechen. Sollte die Pilotphase erfolgreich sein, dürften weitere Jobs entstehen. Das Prinzip macht bereits Schule und wird z. B. schon in Nairobi umgesetzt.

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    Rio+20: Mit Forschung zum Ziel

    VDI TZ / PT DLR, 8 Seiten
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