Die Green Economy verspricht, das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen: Ökonomie und Ökologie zu versöhnen und eine neue, gerechtere Weltwirtschaftsordnung zu etablieren. Die nationalen Volkswirtschaften sollen dabei nachhaltig weiter wachsen – nicht mehr wie in der Vergangenheit befeuert mit fossilen Energien wie Öl und Kohle. Denn wird die bisherige Form des Wirtschaftens fortgesetzt, drohen wir unseren Planeten buchstäblich zu verheizen.
Wir wissen bereits seit langem, dass wir Wirtschaftswachstum und den Verbrauch von Ressourcen voneinander entkoppeln müssen. Aber das reicht noch nicht aus. Der Verbrauch natürlicher Ressourcen muss auch absolut sinken. Gelingen kann das nur durch einen effizienteren Umgang mit endlichen Rohstoffen sowie deren Ersatz durch nachwachsende Rohstoffe und verstärktes Recycling.
Für die deutsche Wirtschaft bietet dieser Ansatz große Chancen: Zum einen kann sie große Rohstoff- und Energiekosten einsparen, zum anderen eröffnen sich neue Geschäftschancen für innovative und effiziente Technologien und Produkte. Die Green Economy stärkt damit strategische Zukunftsmärkte, auf denen deutsche Unternehmen heute schon führende Positionen inne haben. Die Energiewende folgt bereits diesem Gedanken. Bis 2050 sollen erneuerbare Energien, wie Wind und Sonne, die Stromversorgung in Deutschland überwiegend gewährleisten.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert viele Projekte zur effizienteren Nutzung von Ressourcen. Es ist „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA), die häufig direkt zu praktikablen Lösungen führt. Forschung, die zeigt, dass die Green Economy kein leeres Versprechen und der vermeintliche Gegensatz zwischen ökologischem und ökonomischem Denken längst überholt ist.
Interview mit Dr. Karl-Eugen Huthmacher: „Nachhaltigkeitspolitik ist für mich Innovationspolitik“
Dr. Karl-Eugen Huthmacher ist Leiter der Abteilung „Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit“ im BMBF.
Wie wichtig ist „Green Economy“ für unsere Wirtschaftsweise? Unsere wirtschaftliche Entwicklung darf nicht auf Kosten zukünftiger Generationen gehen. Wir müssen noch stärker auf nachhaltige Innovationen und saubere Technologien setzen und unsere Ressourcen effizient nutzen. Wir brauchen eine gerechtere Wirtschaftsordnung, die viel mehr Menschen an Wachstum und Wohlstand teilhaben lässt. Vom 4. bis 5. September werden wir mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Fachkongress nach Berlin einladen, um diese Ziele in eine nationale Agenda für Forschung und Entwicklung zu überführen.
Wie wird eine solche Agenda aussehen? Nachhaltigkeitspolitik ist für mich gesellschaftliche und technologische Innovationspolitik. Deutschland will seine Position als Vorreiter beim nachhaltigen Ressourcenmanagement und innovativen Umwelt- und Energietechnologien weiter ausbauen. Die deutsche Energiewende ist einer der Hebel dafür. Deshalb unterstützen wir die Entwicklung von Leitmärkten für nachhaltiges Wachstum. Klimaschutz „Made in Germany“ ist bereits heute in vielen Bereichen international führend und schafft neue Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen. Es geht aber nicht nur um Technik. Es geht auch um Lebensstile und Konsumverhalten.
Ungebremstes Wirtschaftswachstum – kann das immer so weitergehen? Die Frage ist nicht, ob die Wirtschaft wächst, sondern wo und wie. Auch eine erfolgreiche „grüne Wirtschaft“ schafft Wachstum und neuen gesellschaftlichen Wohlstand. Ich glaube daher nicht, dass ein Abschied vom Wirtschaftswachstum die richtige Antwort auf die Herausforderungen ist, vor denen wir stehen. Wichtig ist, dass unser Wachstum eine andere Qualität erfährt und wir so lernen die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu schützen.
Ist „Green Economy“ nicht nur ein grüner Etikettenschwindel? Das darf sie nicht sein! Das BMBF fördert seit Jahren Forschung zu Themen der Grünen Ökonomie und zeigt, dass „grünes Wirtschaften“ funktioniert. Gemeinsam mit Unternehmen entwickeln Wissenschaftler praktische Lösungen, die unseren Ausstoß von Treibhausgasen und den Ressourcenverbrauch verringern. Unsere Wirtschaft muss ihren Teil der Verantwortung für die Zukunft tragen und nachvollziehen können, dass das in ihrem Eigeninteresse ist. Sie muss dabei aber auch Werte und Wohlstand schaffen können. Dafür ist Forschung wichtig.