Vom 09.-11. September 2013 findet das 10. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit im KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig statt. Im Fokus der Konferenz stehen die Umsetzung aktueller Ergebnisse der Nachhaltigkeitsforschung, die Stärkung der Zusammenarbeit der Forschergemeinschaft sowie die Diskussion über zukünftige Forschungsprioritäten.
Eröffnung des 10. BMBF-Forums für Nachhaltigkeit. Von links: Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), Wilfried Kraus, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE)
© FONA

BMBF startet Agendaprozess FONA³


10. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit
09.-11. September 2013, KUBUS des UFZ, Leipzig

Neueste Ergebnisse aus Energie-, Klima-, Meeres-, Küsten- und Polarforschung sowie die Forschung zur Rohstoffeffizienz, Wasser- und Landmanagement, Biodiversität und sozialen Fragen der Nachhaltigkeit standen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Forums für Nachhaltigkeit (FONA) in Leipzig. Vom 09.-11. September 2013 tauschten sich über 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die Trends der Nachhaltigkeitsforschung aus, beispielsweise wie Frischhalteboxen und Spielzeug ohne Erdöl produziert werden können.

Am dritten Konferenztag diskutierten die Teilnehmer über zukünftige Aufgaben und Herausforderungen für die Nachhaltigkeitsforschung. Dies war der Auftakt zu einem Agendaprozess, an dessen Ende die Veröffentlichung eines weiterentwickelten Rahmenprogramms (Arbeitstitel FONA³) in 2015 stehen wird.

Was sind neue und zentrale Forschungsfragen zur nachhaltigen Entwicklung? Welche gesellschaftspolitischen Herausforderungen und Bedarfe gibt es? Welche Innovationen können die nachhaltige Entwicklung besonders vorantreiben?

Gerne nehmen wir Ihre Anmerkungen und Ideen mit in den FONA-Agendaprozess auf. Dafür steht Ihnen ab sofort folgende Emailadresse zur Verfügung: fona3@fona.de

Das diesjährige FONA-Forum war eine Leistungsschau der Wissenschaft für Nachhaltigkeit und betrachtete neueste Forschungsergebnisse wie beispielsweise:

Biostoffe ersetzen Erdöl
Das in Kunststoffen enthaltene Erdöl soll durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Forschern der mittelständischen Firma Tecnaro aus dem württembergischen Ilsfeld ist es gelungen, bei wichtigen Kunststoffen bis zu 90 Prozent des Erdöls zu sparen. Sie ersetzen sie durch Biomaterialien, die aus Holzabfällen gewonnen werden. Erste Produkte sind Frischhalteboxen und Spielzeug. Künftig sollen auch Zahnbürsten, Kniepolster, Handschuhe und Schuheinlagen nachhaltiger produziert werden können.
http://www.fona.de/de/16587

http://www.fona.de/mediathek/fotos/reihe/16859

Küstenstädte machen sich fit für den Klimawandel
Städte bereiten sich mit Hilfe der Wissenschaft besser auf Hitzewellen, Starkregen, Hochwasser und Stürme vor. Das Team plan:Baltic aus Nachwuchswissenschaftlern der HafenCity Universität Hamburg entwickelt gemeinsam mit lokalen Akteuren langfristig angelegte Gegenstrategien. Ein Beispiel ist die Wiederherstellung der Fließgewässerdurchgängigkeit für die küstennahe Stadtregion Rostock an der Ostsee als Maßnahme gegen Hochwasser.
http://www.fona.de/soef/planbaltic

http://www.fona.de/mediathek/fotos/reihe/16859

Sachsen nutzt Rohstoffe aus Bergbauhalden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des neu eingerichteten Helmholtz Instituts für Ressourcentechnologie in Freiberg wollen wertvolle Rohstoffe aus Abraumhalden von Bergwerken gewinnen. Derzeit werden zwanzig Standorte in Sachsen auf das Vorhandensein von Silber, Indium, Zink, Lithium, Zinn und Wolfram untersucht. Die Nutzung von Metallen aus Abraum ermöglicht Umweltschutz vor Ort und schafft zudem neue Arbeitsplätze.
http://www.r3-innovation.de/de/15499

http://www.fona.de/mediathek/fotos/reihe/16859

Die soziale Dimension des Rebound-Effekts
Neue Technologien können den Verbrauch von Energie dramatisch senken. Oft werden diese Gewinne aber durch stärkeren Konsum wieder aufgezehrt. Forscher sprechen dann von einem Rebound-Effekt. Eine wirksame Energie- und Klimapolitik muss darauf reagieren. Ein Forscherteam unter Leitung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat errechnet, dass die Rebound Effekte für Heizung und Licht am geringsten und für den Verkehr am höchsten sind.
So werden die Heizungen nach einer Modernisierung durchschnittlich 40 Minuten länger genutzt. Auch beim Licht wird die mögliche Einsparung durch neue Leuchten teilweise wieder aufgebraucht. So war die Hälfte der neuen, effizienteren Lampen heller als die alten und ein Drittel der Lampen brannte auch rund 10% länger. Am wirkungslosesten ist die gestiegene Effizienz bei Autos. Die Fahrer verbrauchen gleich über die Hälfte des gesparten Sprits – bis zu 60 Prozent. Sie fahren einfach länger, schneller und häufiger als früher. Kein Wunder, dass die Wissenschaftler zum Energiesparen hier nicht auf neue Motortechnologien sondern auf einen Mix aus Maut, Steuererhöhung und Spritsparkursen für Autofahrer setzen. Übrigens muss ein Rebound-Effekt nicht zwangsläufig eintreten: So wirkt sich eine bessere Dämmung von Wänden, Fenstern und Türen vollständig als Heizersparnis aus. Basis der Studie ist eine repräsentative Befragung mit rund 6.400 Interviews.
http://www.fona.de/soef/rebound

EMIGMA-Studie: Migranten für den Umweltschutz gewinnen
Ehrgeizige Umweltziele können in Deutschland nur mit den Migranten verwirklicht werden. Sie machen 20 Prozent der Bevölkerung aus. Um sie zu motivieren, sind neue Strategien notwendig. Das zeigt das Projekt EMIGMA unter Leitung von Wissenschaftlern der Fachhochschule Dortmund in einer repräsentativen Umfrage. Sie werteten die Antworten von 2000 Befragten aus, darunter jeweils 800 türkischstämmige und 800 russischsprachige Migranten sowie 400 Deutsche. Demnach verursachen Migranten zwar weniger Treibhausgase als die Deutschstämmigen. Bioprodukte und Ökostrom beziehen sie aber gerade noch halb so oft. Deutsche engagieren sich auch fast doppelt so häufig ehrenamtlich für den Umweltschutz (22%) als türkisch- oder russischstämmige Einwohner (14%). Hier setzen die Forscher an. Sie empfehlen, die Selbstwirksamkeit der Migranten zu stärken und insbesondere türkischstämmige Migranten als Gruppe anzusprechen". Die gemeinsame Aktion für die Umwelt biete die willkommene Chance zu positiven Erfahrungen und einem neuen Gemeinschaftsgefühl. Nach den Erkenntnissen reagieren Migranten auch positiver auf informierende Hausbesuche. Wichtig ist demnach vor allem die Ansprache der Männer: Sie sind im Bereich des Klima- und Umweltschutzes noch deutlich unterrepräsentiert.
http://www.fona.de/soef/emigma

Die Bedeutung von Gerechtigkeitsprinzipien für erfolgreiche Kooperation
Eine Forschergruppe unter der Leitung des ZEW zeigt neue Wege zu einem internationalen Klimaschutzabkommen. Dadurch sollen die weltweiten Treibhausgasemissionen unter heterogenen Staaten verbindlich reguliert und deutlich verringert werden. Die Forscher raten, die unterschiedlichen Bedingungen der beteiligten Akteure, wie etwa ihre ökonomische Leistungsfähigkeit, bei der Verteilung der Lasten der Treibhausgasvermeidung stärker zu berücksichtigen. Bei Ihrer Untersuchung zeigte sich zudem, dass Verhandlungen zu kombinierten Gerechtigkeitsregeln dem derzeit streng eigennützigen Einsatz von Fairnessaspekten entgegen wirken können. Dabei wird aus verschiedenen Aspekten einer von den heterogenen Akteuren als gerecht empfundenen Lastenverteilung wie etwa dem augenblicklichen und historischen CO2 Ausstoß, der Bevölkerung oder der ökonomischen Leistungsfähigkeit ein Gesamtpaket geschnürt und verhandelt. Die Experten gehen zudem davon aus, dass ein striktes Beharren auf bestimmten Regeln schädlich für den Verhandlungsverlauf ist. Darüber hinaus wurde deutlich, dass eine Diskussion von Gerechtigkeitsansprüchen auf Basis von Bedürfnissen, also dem Stand der ökonomischen Entwicklung, anstelle von Schuld, verstanden als historische Verantwortung für vorangegangene Emissionen, den Prozess befruchten kann. Datengrundlage für die Studie sind rund 500 Antworten aus 120 Ländern von Teilnehmern der internationalen Klimagipfel in Cancun (2010) und Durban (2011).
http://www.fona.de/win/gerechtigkeitsprinzipien

Die soziale Dimension von Klimaschutz und Klimawandel
Während auf internationaler Ebene noch darum gerungen wird, wie der Ausstoß des Klimaschädlings Kohlendioxid vermindert werden kann, müssen regional mancherorts schon heute die Folgen des Klimawandels bewältigt werden. Das Projekt „Klima regional“ untersuchte Strategien des Umgangs mit dem Klimawandel in Bayern und Südtirol. Beteiligt waren Sozialwissenschaftler des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg, der Hochschule München sowie der LMU München. Demnach wird Klimaschutz dort verwirklicht, wo er sich mit Zielen der lokal ansässigen Bevölkerung verknüpft, wie etwa dem, ein Dorf für kommende Generation zu bewahren. Genauso schaffen Erfahrungen aus Naturkatastrophen, wie sie in der Alpenregion gemeinsam bewältigt wurden, Chancen für Pionierprojekte im Klimaschutz. Die Forscher raten deshalb, Umweltprobleme nicht zu sehr auf das Klimathema zuzuspitzen. Das Klima-Thema sei für die Menschen vor Ort vielfach ein „Nichtthema“. Vielfach kranke die Lösung gesellschaftlicher Umweltprobleme an einer vorschnellen Fokussierung auf einzelne Handlungsoptionen und der Vernachlässigung lokaler Mobilisierungschancen. Die Wissenschaftler schlagen vor, unterschiedliche Handlungsoptionen zunächst lokal zu erproben und so die Legitimität und Effizienz von Handlungsstrategien zu steigern.
http://www.fona.de/soef/klimaregional

Im Klimaalltag die Gewohnheiten ändern
Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu mindern, müssen sich Gewohnheiten des Alltags tiefgreifend verändern. Im Forschungsprojekt KlimaAlltag zeigten Wissenschaftler unter Leitung des ISOE )Institut für sozial-ökologische Forschung), dass die Chancen dafür vom sozialen Status der Betroffenen abhängen und weniger vom Wissen um Umweltschäden. Das zeigt sich etwa beim Ausstoß von Treibhausgasen. Während sich ärmere Haushalte allein aus Kostengründen bei Flugreisen einschränken und eher auf das eigene Auto verzichten, verbrauchen die Wohlhabenden hier deutlich mehr Ressourcen, obwohl sie im Vergleich besser über die negativen Klimafolgen ihres Tuns informiert sind. Hier entwickelten die Forscher Strategien, die sie in einem Feldversuch mit rund 80 Haushalten in Köln in der Praxis erprobten. Die Haushalte wurden in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen intensiv beraten. Nachher waren die Teilnehmer vor allem bereit, ihre Ernährung anzupassen und etwa weniger Fleisch zu essen. Viele der Autobesitzer schränkten ihre Fahrten ein. Hinweise zum Stromsparen und zum effizienten Heizen und Lüften waren ebenfalls beliebt - allerdings konnten sich sozial schwache Haushalte oft keine neuen sparsamen Haushaltsgeräte leisten. Im Projekt konnte der Ausstoß des Klimakillers nennenswert vermindert werden. Die Forscher heben hervor, dass Erfolge nur mit einer individuell angepassten Beratung möglich sind.
http://www.fona.de/soef/klimawandelundalltagshandeln

Zu den Workshopergebnissen, Vorträgen und Fotos des FONA-Forums gelangen Sie hier:
http://www.fona.de/de/forum/2013/programm.php