Deutsch-Chinesisches "Forschungs- und Innovationsprogramm Sauberes Wasser"

Die gemeinsame Erklärung zum bilateralen Programm "Sauberes Wasser", die anlässlich der ersten Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen im Juni 2011 in Berlin unterzeichnet wurde, wird konsequent umgesetzt und weiterentwickelt.
Die Abb. zeigt die Struktur des deutsch-chinesischen  "Forschungs- und Innovationsprogramms Sauberes Wasser"  (Clean Water) und die Einbindung des Projektbüros (Project Coordinating Office). (The Sino-German Clean Water House)
Die Abb. zeigt die Struktur des deutsch-chinesischen "Forschungs- und Innovationsprogramms Sauberes Wasser" (Clean Water) und die Einbindung des Projektbüros (Project Coordinating Office).
Foto: The Sino-German Clean Water House

Vor dem Hintergrund einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung gekoppelt mit einem starken Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Urbanisierung, kämpft die Volksrepublik China mit den Folgen einer gravierenden Wasserverschmutzung, die zunehmend die Versorgungssicherheit der Bevölkerung gefährdet. Das Thema Wasser ist in China in das Zentrum gesellschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit gerückt.

Deutschland, welches in den 1970er Jahren und teilweise in den 1990er Jahren (neue Bundesländer) vor ähnliche Herausforderungen gestellt war, gehört mittlerweile weltweit zu den Marktführern im Bereich Wassertechnologie. Durch die ideale Verknüpfung von Management und Technologie konnte Deutschland Verschmutzungsprobleme großteils meistern und steht auch in Sachen Gewässerschutz und Trinkwasserqualität weltweit an führender Position. Somit ist Deutschland der ideale Partner für die Unterstützung Chinas bei der Bewältigung seiner Herausforderungen im Wasserbereich.

Besiegelt wurde die Partnerschaft beider Länder während der ersten Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen im Juni 2011 in Berlin mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung für ein deutsch-chinesischen „Forschungs- und Innovationsprogramms Sauberes Wasser“ durch das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST) der VR China und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Programm umfasst inhaltlich vor allem die Arbeitsbereiche Wasserversorgung, Abwasserbehandlung, Schutz der natürlichen Wasserressourcen und saubere industrielle Produktion. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Umsetzung bilden dabei bilaterale Forschungs- und Innovationsprojekte mit Beteiligung der gewerblichen Wirtschaft und Forschungseinrichtungen beider Länder sowie einschlägiger Behörden und für die Implementierung wichtiger Partner (siehe Link-Box). Dabei geht es in hohem Maße um die Anpassung von in Deutschland entwickelten Technologien und Konzepten für ein nachhaltiges Wassermanagement an die Rahmenbedingungen in China. Hinzu kommen Querschnittsmaßnahmen, beispielsweise im Bereich Aus- und Weiterbildung.

Die Umsetzung des Forschungs- und Innovationsprogramms wird durch ein Projektbüro unterstützt, das im Jahr 2012 an der Tongji Universität Shanghai eingerichtet wurde.

Ein weiterer Schritt zur Umsetzung des „Forschungs- und Innovationsprogramms Sauberes Wasser“ ist die Gründung eines deutsch-chinesischen „Innovationszentrums Sauberes Wasser“ im Zhangjiang Hi-Tech-Park in Shanghai. Dieses soll Unternehmen und Forschungseinrichtungen beider Länder als gemeinsame Plattform dienen und die Umsetzung von innovativen Lösungen im Wasserbereich beschleunigen. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung durch Minister WAN Gang (MoST) und den parlamentarischen Staatssekretär Thomas RACHEL (BMBF) in Berlin wurde am 28. März 2014 der politische Rahmen für die Gründung eines solchen Innovationszentrums gesetzt. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 30. April 2014 durch Vize-Minister Dr. CAO Jianlin (MoST) und Staatssekretär Dr. Georg SCHÜTTE (BMBF) sowie weitere hochrangige Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Industrie beider Länder.

Ein weiterer Meilenstein des Programms war die Einweihung des weltweit ersten semizentralen Wasserver- und –entsorgungszentrums durch Staatssekretär Dr. Georg SCHÜTTE und  Qingdaos Vize-Bürgermeister WANG Jianxiang am 27. April 2014 in Qingdao. Das semizentrale Wasserver- und –entsorgungszentrum ist Ergebnis der knapp 10-jährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Verbundprojekts SEMIZENTRAL mit dessen Umsetzung ein international sichtbarer Beitrag geleistet wird, der im Rahmen der Weltgartenbauausstellung 2014 umgesetzt wurde.

Die SEMIZENTRAL-Anlage ist modular aufgebaut und verfügt über Komponenten zur Behandlung von Grauwasser, Schwarzwasser, Schlamm und Bioabfällen. Ende 2015 gingen alle Teilbereiche der Anlage in Betrieb.

Vor dem grauen Gebäude der SEMIZENTRAL-Anlage in Qingdao, China stehen drei Tankwagen. Hinter der Anlage ist ein grasbewachsener Berghang mit vielen kleinen Leitungen zu sehen, die am Boden entlangführen.
SEMIZENTRAL-Anlage in Qingdao, China: Tankwagen holen aufbereitetes Abwasser ab.
Foto: P. Cornel, TU Darmstadt

Ein bisheriger Höhepunkt im Jahr 2015 war die gemeinsame Kick-off Veranstaltung zum offiziellen Start von drei neuen deutsch-chinesischen Verbundforschungsprojekten im BMBF-Förderschwerpunkt „Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und –dienstleistungen (CLIENT)“, die an das chinesische Megawasser-Programm anschließen. Die Veranstaltung wurde am 7. Mai 2015 in Peking durch Vize-Minister Dr. CAO Jianlin und Staatssekretär Dr. Georg SCHÜTTE eröffnet. Im Rahmen der Veranstaltung unterzeichneten beide eine gemeinsame Absichtserklärung über die “wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit im Megawasser-Programm zur Behandlung und Kontrolle der Wasserverschmutzung der VR China“. Die drei neu gestarteten Projekte SINOWATER, SIGN und UrbanCatchments konzentrieren sich auf die Seen Dianchi, Tai und Chao sowie den Liao-Fluss und sollen einen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität und Versorgungssicherheit leisten. Die genannten Gewässer sind bedeutende Wasserressourcen und wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung von Bevölkerung und Industrie. Zur Förderung des Austauschs und der Kommunikation zwischen den Projekten über einzelne Projektgrenzen hinaus wurde am 06. Mai  ein “Pre-Meeting” durchgeführt. In dessen Rahmen wurden Projekte und Projektpartner sowie projektübergreifende Themen, z.B. Wasseraufbereitung und –verteilung, vorgestellt. Durch einen künftig regelmäßigen Austausch sollen Synergien geschaffen werden, die der nachhaltigen Entwicklung und Umsetzung von Lösungen dienen soll.