Digitale Entdeckungstour durch die Nordsee

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung, hat eine interaktive Webseite veröffentlicht, die über die Stoffkreisläufe im Küstenmeer informiert. Die coastMapApp erklärt die Prozesse, die in der Nordsee ablaufen und nimmt den Besucher auf eine virtuelle Tour über den Meeresboden mit.

Die Webseite zeigt die Küstenlinie der Nordsee aus der Vogelperspektive mit dem Schriftzug "Stoffkreisläufe im Küstenmeer". (Helmholtz-Zentrum Geesthacht)
Die coastmapApp des Helmholtz-Zentrums Geesthacht
Foto: Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Die Startseite der coastMapApp zeigt eine blau-grüne Satellitenaufnahme der Nordseeküste. Die Daten für die Aufnahme stammen von der European Space Agency und wurden am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) verarbeitet. Die Überschrift lautet „Biogeochemie des Küstenmeeres“.

"Natürlich fragt jeder: Biogeochemie im Küstenmeer - was soll das denn sein?“, erklärt Prof. Dr. Kay Emeis seine Motivation zur coastMapApp. Emeis ist Leiter des Instituts für Küstenforschung am HZG. Die Seite erklärt die chemischen, biologischen und physikalischen Prozesse, die in der Nordsee ablaufen.

Im Resonator-Podcast der Helmholtz-Gemeinschaft berichtet der Meeresgeologe Emeis weiter, dass sich die Seite insbesondere an Meeresbegeisterte richtet, die keine Experten sind: „Wir haben gedacht, dass wir unser Ziel erreicht haben, wenn meine Kinder und unsere Ehepartner verstehen, was wir in der eigentlich Nordsee erforschen.“

Von der Startseite gelangt der Besucher auf eine Seite, die ihn zu einem Streifzug durch die biogeochemischen Arbeiten des Instituts für Küstenforschung am HZG einlädt.

In der Rubrik „Von der Atmosphäre zum Meeresboden“ erklären Videos, kurze Texte und Grafiken die Prozesse, die in der Atmosphäre, im Wasser und am Meeresboden ablaufen. Die Rubrik greift die Funktionsweise eines Fahrstuhls auf, der durch die unterschiedlichen Schichten über dem Meer, unter der Meeresoberfläche bis auf den Meeresgrund führt: In der Atmosphäre spielt beispielsweise das hochgiftige Schwermetall Quecksilber eine wichtige Rolle. Es gelangt in die Luft, wenn Kohle, Müll und Treibstoff verbrannt werden. Auch Schiffsemissionen sind für Lebewesen schädlich. In der Wassersäule betreiben Algen in den lichtdurchfluteten oberen Schichten der Nordsee Photosynthese. Sie wandeln Nährstoffe wie Kohlendioxid und Nitrat in Sauerstoff und organisches Material um. Das organische Material sinkt dann auf den Meeresboden hinab und wird dort von Bakterien zersetzt.

Die „Entdeckungstour durch die Nordsee“ nimmt den Besucher schließlich auf eine animierte Tauchfahrt über den Meeresboden mit. Man taucht buchstäblich über den hügeligen animierten Meeresboden von Helgoland über das Sylter Außenriff bis in tiefere Gebiete der Nordsee hinein. In 39 Meter Wassertiefe kommen viel mehr Tierarten am Meeresboden vor als in den flacheren Küstenbereichen: Die Original-Kameraaufnahmen eines Unterwasserfahrzeugs zeigen Seesterne, Schlangensterne und Schnecken. Eine Krabbe rennt vor dem Tauchroboter weg.

Die Tour führt entlang der acht Forschungsgebiete des NOAH-Projekts (North Sea Observation and Assessment of Habitats). In dem Projekt erstellen Wissenschaftler den ersten Habitatatlas der Deutschen Bucht. Der Atlas führt Informationen über biologische, chemische und physikalische Eigenschaften des Meeresbodens in der Nordsee zusammen. Das Projekt NOAH ist eines von fünf Projekten der "Küstenforschungsagenda für Nord- und Ostsee (KüNO)" des BMBF-Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“. Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren (seit April 2013) und wird vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht koordiniert.