Kommunale Energiewende: Projekt zur regionalen Energieflächenpolitik gestartet

Ob Solarenergie, Windkraft oder Biomasse – Erneuerbare Energien brauchen Platz. Energiewende und Erneuerbare Energien-Gesetz haben daher die Nachfrage nach Flächen spürbar erhöht. Nun gilt es für die Kommunen zu überprüfen, welche Erneuerbaren Energien am besten auf welchen Flächen realisiert werden können. Die erforderlichen Instrumente werden bis 2016 in dem jetzt gestarteten BMBF-Forschungsprojekt „W³ - Regionale Energieflächenpolitik“ erarbeitet und im Internet unter w3-energieflächenpolitik.de vorgestellt. Zum Forschungsteam unter Leitung des inter 3 Instituts für Ressourcenmanagement gehören die TU Berlin, BTU Cottbus und die Hochschule Anhalt sowie Praxispartner in drei Regionen.
Sonne, Wind, Biomasse – was gehört auf welche Fläche?

In der Stadt Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg sowie den Landkreisen Wittenberg in Sachsen-Anhalt und Tirschenreuth in Bayern forscht das Team zu der Frage, wie geeignete Flächen für Erneuerbare Energien optimal genutzt werden können und welcher politischen Prozesse und Reformen es dafür bedarf. Die drei Kommunen wollen Flächen in Wert setzen, zur Energiewende beitragen und Wertschöpfung für ihre Region erreichen.

„Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Praxispartnern verspricht spannend zu werden“, sagt Dr. Susanne Schön, Gesamtprojektleiterin von inter 3. „Die Kommunen sind echte Vorreiter der kommunalen Energiewende. Sie wissen, wie wichtig der sorgfältige Umgang mit der knappen Ressource Fläche ist. Und wie man die Bürger mitnimmt auf den Weg. Wir helfen, diesen Prozess mit Daten, Entscheidungshilfen und guten Argumenten zu strukturieren.“

Ab 2016 sollen die Kommunen mit einer GIS-gestützten Energieberatung für Kommunen, kurz GISEK, die Energiewende vor Ort vorantreiben, Energieverbrauch, Flächenpotenziale und Umweltrisiken regional abwägen, Interessen- und Nutzungskonflikte behandeln und akzeptable Lösungen für Umwelt, Bürger und Investoren finden können.

Erneuerbare Energien zwischen Widerstand und Wohlstand

Die Partnerregionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern sind ländliche Regionen, die die demografischen, energie- und klimapolitischen Herausforderungen der Zukunft aktiv gestalten wollen. Den Ausbau Erneuerbarer Energien möchten sie vor Ort transparent und umweltverträglich so gestalten, dass Bürger/innen und regionale (Land)Wirtschaft davon profitieren.
 
Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg ist als innovativer Energieort ausgezeichnet und gerade deutschlandweit zur Erneuerbare-Energiekommune des Monats Juli gekürt worden. Die Stadt setzt seit 2009 gezielt auf den Ausbau Erneuerbarer Energien, beispielsweise mit Nahwärmeprojekten auf der Basis von Waldrestholz und Biogas-Abwärme, dem Windpark Uebigau, Photovoltaikanlagen und der Energieholzplantage im Ortsteil Winkel. Eine Erneuerbare-Energie-Messe bringt regionale Anbieter, Betreiber und Kunden regelmäßig zusammen.

Der Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt versteht sich als Bioenergieregion und verfolgt das ambitionierte Ziel, gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen Nordsachsen (Freistaat Sachsen) und Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) sowie dem strategischen Partner Dessau-Rosslau (Sachsen-Anhalt) bis zum Jahr 2030 100 Prozent der Energie auf Basis erneuerbarer Energien zu erzeugen.

Der Landkreis Tirschenreuth in Bayern treibt den Ausbau der Erneuerbaren Energien auf Grundlage des 2010 verabschiedeten Klimaschutzkonzepts aktiv voran. Davon zeugen 42 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 13.000 Kilowattstunden, mehrere Nahwärmenetze auf Restholzbasis bzw. mit Biogas-Abwärmenutzung sowie die Reststoffdeponie Steinmühle, wo bereits seit 1996 aus Deponiegas und seit 2012 mit einer PV-Freiflächenanlage Strom produziert wird. Mit seinen regionalen Akteuren setzt der Landkreis auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen erfolgreich Impulse für eine kommunale Energiewende mit regionaler Wertschöpfung.

Dr. Susanne Schön: „Die Energiewende muss von den Bürgern gewollt, von regionalen Betrieben gemacht und von den Kommunen gemanagt werden. Dafür wollen wir das Handwerkszeug liefern.“

Energiewende sozial und umweltgerecht gestalten

Ziel des Projekts „W³ - Regionale Energieflächenpolitik“ ist die Erarbeitung von Instrumenten, mit denen die Kommunen die Energiewende vor Ort sozial und umweltgerecht gestalten können. Hierzu gehören Energieszenario, Energie- und Ökobilanz sowie Akzeptanz- und Wohlstandsradar als Steuerungsansätze für regionale Energieflächenpolitik. Sie werden im GISEK zusammengefasst, der GIS-gestützten Energieberatung für Kommunen.
 
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ bis 2016 mit knapp 1,3 Millionen Euro gefördert.

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