Mittelständische Spitzenforscher der Rohstoffbranche

Eisenbahnschwellen aus recyceltem Kunststoff; Autoteile aus dem 3-D-Drucker oder Aluminium aus Müll – Mittelständler sorgen mit Spitzenforschung für Ressourceneffizienz. Auf der Berliner Rohstoff-Konferenz stellen sie Erfindungen vor, die den globalen Markt erobern.

Mann hält Maskotchen in den Händen. Im Hintergrund Teil eines Kampangenplakates mit zwei Maskotchen. (Wolfgang Weber)
Innovativer Mittelstand: Unternehmer Frank Giesel erfand Recycling-Schwellen für Bahnschienen.
Foto: Wolfgang Weber

„Flüsterleise" sei seine Bahnschwelle, bescheinigen Kunden dem Berliner Mittelständler Frank Giesel gern und häufig. Diese Geräuschlosigkeit der Schwelle ist ein angenehmer Nebeneffekt, den Bahnmitarbeiter und Fahrgäste in Zügen zu schätzen wissen. Ein weitaus größerer Gewinn steckt im Material: Die „RPT-Bahnschwelle" besteht komplett aus recycelten Kunststoff, der wiederum komplett recycelbar ist. Damit ist die Bahnschwelle eine nachhaltige und ressourceneffiziente Alternative zu bisher üblichen Schwellen. Diese bestehen entweder aus Beton oder aus Holz, das mit schädlichem Teeröl getränkt ist. Entwickelt hat das patentierte Produkt Giesels Firma „PAV Recyclate" gemeinsam mit dem Süddeutschen Kunststoffzentrum, gefördert hat die Innovation das Bundesforschungsministerium mit der Initiative „KMU innovativ". Dem deutschen Mittelstand war die Erfindung im Jahr 2016 den Recyclingpreis „Grüner Engel" wert.


Bisher fahren vor allem Züge in Berlin und Brandenburg auf den leisen, ökologischen Gleisen. Der Markt allein in Deutschland ist groß: rund 60.000 Kilometer Streckennetz mit rund 100 Millionen Bahnschwellen warten auf die ressourceneffiziente Alternative. Inzwischen haben Bahnunternehmen aus ganz Europa ihr Interesse an der Recycling-Schwelle angemeldet.


Ein ganz anderer Markt, nicht weniger bedürftig, harrt auf eine Forschung des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und des süddeutschen Unternehmens „Neidhardt GmbH". Die Partner entwickelten ein neues Recyclingverfahren, mit dem sich wertvolles Aluminium aus Tablettenverpackungen gewinnen lässt. Ihre Erfindung trennt das Aluminium erstmals so vollständig von anderen Stoffen, dass es komplett wieder verwendbar ist. Die dabei eingesetzten biologischen Lösungsmittel werden ebenfalls vollständig verwertet. Und aus den PVC-Reststoffen der Verpackungen entstehen neue Fensterprofile oder Folien. Aluminium aus jährlich etwa 100.000 Tonnen dieses Abfalls könnte so vor der Entsorgung bewahrt und genutzt werden.


Rund zehn neue mittelständische Forschungen fördert das BMBF mit der Initiative „KMU-innovativ" jährlich allein im Bereich der Rohstoffeffizienz. Wirtschaftlichkeit und Marktfähigkeit sind neben der Ökologie wesentliche Erfolgskriterien der Innovationen. Einige der erfolgreichen Mittelständler stellen ihre Erfindungen und deren Märkte am 6. und 7. März auf der Berliner Recycling- und Rohstoff-Konferenz vor. Darunter ist auch die Aachener „pbo Ingenieursgesellschaft", die derzeit ein neues Recycling-Verfahren für wertvolle Metalle entwickelt. Ihre „Klaro!"-Technologie siebt aus Hausmüllasche feinste Körnchen Kupfer, Zink und Messing heraus und führt sie neuen Nutzungen zu. Jährlich 65.000 Tonnen dieser Metalle könnte „Klaro!" aus deutschen Müllverbrennungsanlagen bergen.


Neben den Spitzenforschungen des Mittelstandes sind auch die neuesten Recycling-Forschungen von Forschungseinrichtungen zu Metallen, Fahrzeugen und Kunststoffen Thema der diesjährigen Recycling- und Rohstoffkonferenz. Rund 150 führende deutsche Rohstoffforschende treffen sich in Berlin zum Austausch über Recycling 4.0.


Mehr zur Recycling- und Rohstoff-Konferenz auf: www.vivis.de