Modulare Technologie für Leder-Industrie

Im BMBF-Projekt „ReeL" entstehen aus Leder-Abfällen ökologische Gerbstoffe für neues Leder. Die Technologie ist modular aufgebaut und direkt in Gerberei-Betrieben einsetzbar. Ihre Weltpremiere erlebt die Innovation auf der Hannover Messe 2017.

Eine modulare Anlage für die Leder-Aufarbeitung. (LANXESS)
Eine modulare Anlage für das Recycling von Lederresten zu neuen Nachgerbstoffen präsentiert das BMBF-Projekt "ReeL" auf der Hannover Messe.
Foto: LANXESS

Die Technologie des Forschungsprojektes „ReeL" (Ressourceneffiziente Herstellung von Lederchemikalien) ist eine Innovation in Sachen Nachhaltigkeit und in Sachen Logistik. Aus den Resten der Lederproduktion entstehen Nachgerbstoffe für neues Leder. Deren Zutaten bestehen aus Schnittabfällen, Falzspänen und pflanzlicher Biomasse. Recycling und Neu-Produktion finden direkt vor Ort in Gerbereibetrieben statt. Der Kreislauf vom Abfall zum neuen Produkt schließt sich dort, wo er gebraucht wird.

Die drei Partner, das Forschungsinstitut INVITE, das Chemieunternehmen LANXESS Deutschland und die Gerberei HELLER LEDER, arbeiten seit Anfang 2016 an dem innovativen Verfahren. Ihre Pilotanlage ist nun fertig gestellt und wird auf der Hannover Messe präsentiert. In der Sonderschau „Modulare Produktion" ist sie als Beispiel für die technische Umsetzung von Ideen modularer Automation zu sehen. Anschließend geht die Anlage zur Produktion ins Unternehmen HELLER LEDER. Bis zum Jahresende 2018 erfolgt dort ein Testlauf, bei dem das Verfahren auf industrielle Machbarkeit und auf Wirtschaftlichkeit geprüft wird. Das Projekt wird im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „r+ Impuls" gefördert. Die Maßnahme unterstützt Projekte, die innovative Technologien und Produkte aus dem Labor auf den Markt bringen.

Bedarf und Markt sind für das „ReeL"-Verfahren vorhanden: Bei einer Gerberei mittlerer Größe fallen etwa ein bis zwei Tonnen Falzspäne pro Tag an. Daraus lässt sich eine vergleichbare Menge an flüssigem Nachgerb-Mittel herstellen. Die Abfälle werden dabei zu hundert Prozent verwertet, es bleiben keinerlei Rückstände übrig und es werden keine Emissionen erzeugt. So kann eine Gerberei einen Teil ihres Eigenbedarfs an Nachgerbstoffen vollautomatisch und weitgehend selbstständig herstellen. „Ich halte diesen Ansatz für einen vielversprechenden Schritt in Richtung eines noch nachhaltigeren Produktionskonzeptes", sagt Dr. Dietrich Tegtmeyer, Leiter des Projekts bei LANXESS. „Auf der einen Seite werden enorme Ressourcen in Logistik und Verpackung gespart, auf der anderen Seite muss ein Zwangsanfallprodukt wie Falzspäne nicht entsorgt werden, sondern dient als Rohstoff für die benötigte Nachgerbchemie."

Das BMBF-Forschungsprojekt „ReeL" ist vom 24. bis 28. April auf der Hannover Messe, Halle 11, Stand D44 zu finden. ⇒Einblicke.