Rebound-Effekte aus sozial-ökologischer Perspektive
Sozial-ökologische Forschung

Innerhalb des Rahmenprogramms "Forschung für Nachhaltige Entwicklung" (FONA) wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu Rebound-Effekten fördern. Die Fördermaßnahme verfolgt das Ziel, Wissen zum Umgang mit Rebound-Effekten zu generieren und daraus abzuleiten, welche Maßnahmen erforderlich sind, um diese Effekte einzudämmen und damit den Ressourcenverbrauch substantiell und nachhaltig zu reduzieren. Sie ist Teil der der Forschungsagenda „Green Economy“ der Bundesregierung.

Eine Person hält ein Handy in der Hand mit dem sie die Temperatur an der Heizung regelt. Unter der Hand mit dem Handy ist ein Heizkörper mit einer digitalen Temperaturanzeige zu sehen. (fotolia/Andrey Popov)
Adjusting Temperature On Thermostat Using Cellphone
Foto: fotolia/Andrey Popov

Eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung besteht darin, den Ressourcenverbrauch (inklusive Energie) zu beschränken. Daher wird die Steigerung der Ressourceneffizienz als Schlüsselfaktor für Nachhaltigkeit angesehen. Maßnahmen und Programme zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz bringen aber oft nicht den erwarteten Erfolg in Bezug auf die Verringerung des Ressourcenverbrauchs. Als Ursache hierfür wird oft der Rebound-Effekt angeführt. Beim Rebound-Effekt führt ein verändertes Nutzerverhalten dazu, dass Einspareffekte durch neue Technologien abgeschwächt werden oder es sogar zu einem Mehrverbrauch kommt („Backfire“). Dies bedeutet, dass sich der nachhaltige Umgang mit Ressourcen nicht allein durch effiziente Produktionsverfahren und neue ressourceneffiziente Technologien erreichen lässt.

Über die Existenz dieses Problems ist sich die Fachwelt heute weitgehend einig. Die Bedeutung des Rebound-Effektes wurde in jüngerer Zeit zunehmend betont. Insbesondere mit Bezug auf Energieeffizienz gibt es inzwischen auch eine Vielzahl von theoretischen wie empirischen Forschungsarbeiten.
Dennoch besteht weiterhin großer Forschungsbedarf. Denn relativ gut erforscht ist bisher lediglich der direkte Zusammenhang zwischen Energieeffizienzsteigerungen bei neuen Produkten und der erhöhten Energienachfrage auf der (Mikro-) Ebene von Haushalten bzw. Konsumenten (direkter Rebound-Effekt). Zu den unternehmensbezogenen, produktionsseitigen Rebound-Effekten gibt es bisher wenig Erkenntnisse. Ergebnisse zur makroökonomischen Auswirkung von Rebound-Effekten sind – sofern sie überhaupt veröffentlicht wurden – nur grob abgeschätzt. Auch fehlen Erkenntnisse darüber, welche indirekten Effekte durch Effizienzsteigerungen ausgelöst werden (indirekter Rebound-Effekt). Diese indirekten Effekte können sich sowohl auf die Mikro-Ebene beziehen, wenn Konsumenten die resultierenden Einkommensgewinne für andere Güter ausgeben, die ebenfalls Ressourcen beanspruchen, als auch auf die Makro-Ebene, wenn durch Effizienzsteigerungen zusätzliches ressourcenverbrauchendes Wirtschaftswachstum angeregt wird.

Zuwendungszweck der Forschungsvorhaben ist es, anwendungsorientierte Erkenntnisse zum Verstehen von Rebound-Effekten zu erzielen. Über das Verständnis des Effektes hinaus werden Empfehlungen für Maßnahmen zur Eindämmung dieser Effekte entwickelt. Aus der Perspektive einer gesellschaftsbezogenen Nachhaltigkeitsforschung werden somit Wege zu einer „ressourcenleichten“ Green Economy aufgezeigt . Die Forschungsergebnisse sollen insbesondere politischen Entscheidungsträgern Instrumente zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele an die Hand geben.

Neun Forschungsverbünde werden Ende 2017/Anfang 2018 ihre Forschungsprojekte zu Rebound-Effekten beginnen.

Zuletzt geändert: 02.05.2017