Dem fortschreitenden Klimawandel, insbesondere aber den sich abzeichnenden Lücken bei der Energieversorgung ist der neue bayerische Forschungsverbund "Energieeffiziente Technologien und Anwendungen", kurz FORETA, gewidmet. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen in ausgewählten Branchen energetische Wirkzusammenhänge, um neue Lösungsansätze zur Senkung des Energiebedarfs in Unternehmen zu entwickeln.
Der Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik der Universität
Erlangen-Nürnberg ist mit einem Projekt von Prof. Dr. Wilhelm Schwieger im
Klimaforschungsverbund vertreten, in dem sich neun Universitäten und Hochschulen
sowie zahlreiche mittelständische Unternehmen als Partner zusammengefunden
haben. Der Freistaat Bayern zahlt über eine Laufzeit von drei Jahren
Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro aus dem "Klimaprogramm Bayern
2020".
Effizientere und umweltschonendere Verfahren zur Energienutzung
können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, von Menschen verursachte
Klimaveränderungen einzudämmen und knappe Energieressourcen nachhaltig
einzusetzen. Ein möglicher Weg dazu ist die Verwendung von Abwärme, deren
Temperatur unter 100° C liegt. Diese Niedertemperaturabwärme fällt bei
verschiedenen Prozessen in erheblichen Mengen an, etwa in Motoren, vor allem
aber durch die Sonneneinstrahlung. Sie bleibt jedoch nahezu ungenutzt, weil sie
für einen Wärmeaustausch meist nicht direkt geeignet ist oder zur falschen Zeit
am falschen Ort entsteht.
Überschüssige Abwärme muss also umgewandelt und
gespeichert werden, um nutzbar zu sein. Bei den Forschungen am Erlanger
Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik geht es um Prozesse zur Transformation
von Niedertemperaturwärme und die Entwicklung von Speichermaterialien für Wärme
oder Kälte. Wärmetransformatoren, wie sie bisher im Einsatz sind, sind für die
meisten Anwendungsfelder nicht leistungsfähig genug und damit zu groß oder zu
schwer. Zum Speichern sind Adsorptionsmittel in Gebrauch, Substanzen, auf deren
Grenzflächen Moleküle eines anderen Stoffes haften bleiben, sich dort anreichern
und dabei Wärme erzeugen. Derzeit werden Wärmetransformationsprozesse vor allem
durch durch die Verwendung von ineffizienten Adsorbentien limitiert.
"Den Fokus unseres Projektes haben wir auf das Sorptionssystem
Wasser/Zeolith ausgerichtet, weil dafür ein hohes Potential zur Transformation
von Niedertemperaturabwärme bereits nachgewiesen ist", erklärt Prof. Schwieger.
Zeolithe sind natürlich vorkommende oder synthetisierte Kristalle auf der Basis
von Aluminium und Silicium. Sie sind von mikroskopisch kleinen Poren und Kanälen
durchzogen und können darin beispielsweise Wasser aufnehmen und beim Erhitzen
wieder abgeben, ohne dass ihre Kristallstruktur dabei zerstört wird.
Im
FORETA-Verbund führen die Erlanger Wissenschaftler grundlegende Untersuchungen
mit zeolithischen Materialien der Aluminiumphosphat-(ALPO)-Familie durch.
Insbesondere soll der Einfluss unterschiedlicher Porengrößen im Hinblick auf
ihre Affinitäten zu Wasser systematisch analysiert werden. Ausgehend von der
Entwicklung optimaler Syntheseverfahren ist ein Brückenschlag bis hin zu
Anwendungstests vorgesehen. Vor allem sollen die
Struktur-Eigenschaft-Wirk-Beziehungen der zeolithischen Aluminiumphosphate für
die Wasserdampfsorption erarbeitet werden, um neue Materialien für effektive
Wärmepumpen vorschlagen zu können. Kooperationspartner ist die Sortech AG in
Halle an der Saale.
In den bayerischen Forschungsverbünden arbeiten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Hochschulen und
Unternehmen interdisziplinär zusammen, um komplexe Fragestellungen in
zukunftsrelevanten Bereichen zu beantworten. Am Klimaforschungsverbund FORETA
sind auf Seiten der Wissenschaft die Universitäten Bayreuth, Erlangen-Nürnberg
und die TU München sowie die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Ansbach,
Aschaffenburg, Ingolstadt, Kempten, Nürnberg und Weihenstephan beteiligt.
Sprecher ist Professor Dr. Martin Faulstich, Leiter des Lehrstuhls für Rohstoff-
und Energietechnologie der Technischen Universität München.