Nachhaltige Zukunft nur bei CO2-Rückgang schon in nächsten Jahren
Source: Pressetext
Zwei Grad darf die Globalerwärmung gegenüber dem Niveau vor der
Industrialisierung maximal betragen, lautet das im Vorjahr in Cancun
von allen 194 Staaten verabschiedete Ziel. Dass dieses noch zu
erreichen ist, bestätigt nun ein internationales Forscherteam in der
Zeitschrift "Nature Climate Change". Die Auswahl der Optionen dafür ist
allerdings sehr beschränkt: "Die CO2-Emissionen müssen schon in den
nächsten beiden Jahrzehnten zurückgehen und auf Null absinken",
berichtet Studienautor Reto Knutti von der ETH Zürich.
Jährlich drei Prozent weniger
Eine Woche vor der diesjährigen Klimakonferenz im südafrikanischen
Durban aktualisieren die Klimaforscher Szenarien, die auf Basis
mathematischer Modelle Möglichkeiten des Erreichens der
Zwei-Grad-Vorgabe prüfen. "Die Grundannahme ist, dass die Menschheit
noch eine beschränkte Menge CO2 ausstoßen kann und aufteilen muss, wer
dies tun darf und wie. Die Variablen dafür sind vor allem, wann die
Reduktion der Emissionen beginnt, wie steil sie verläuft und auf
welchem Niveau sich der Ausstoß langfristig einpendelt", erklärt Knutti.
Jedes Jahr um drei Prozent CO2-Ausstöße weniger, so lautet das von den
Forschern als "durchführbar" bezeichnete Ergebnis. "Wenn man die Kurve
auf diesen Kurs bereits in den kommenden fünf bis zehn Jahren schafft,
so dürften die zwei Grad erreichbar sein. Auch ökonomischen Modellen
zufolge wäre dies noch zu tolerieren", so der Klimaforscher. Die Zeit
eile jedoch - denn jedes Jahr Verspätung erhöht die zu reduzierende
CO2-Menge, bringt zusätzliche Kosten und erhöht die Abhängigkeit der
schnellen Verfügbarkeit von noch nicht existierenden, technischen
Lösungen des Problems.
Gefährliche Trägheit der Politik
Fragwürdig ist angesichts dieser Ergebnisse der Reduktions-Fahrplan der
Industriestaaten, die für den Löwenanteil der Emissionen zuständig
sind. In den Absichtserklärungen nimmt sich etwa die USA bis 2020 eine
CO2-Verringerung um 17 Prozent und die EU um 20 bis 30 Prozent vor.
"Schon heute kann man sagen, dass damit nicht einmal die Hälfte des
Ziels gelingt. Bei pessimistischer Betrachtung nur ein Viertel oder gar
nur zehn Prozent, da viele ihre Politik vom Verhalten anderer abhängig
machen", betont Knutti. Verschiedene NGOs haben hier bereits eingehakt
und zu mehr Ehrgeiz aufgerufen.
Nicht übersehen darf man zudem die immense Bedeutung der Klimapolitik
über das Jahr 2020 hinaus, wozu es jedoch derzeit noch kaum konkrete
Angaben gibt. Der Züricher Klimaexperte betont, dass es langfristig
keine Alternative zur CO2-Reduktion auf einen Wert nahe Null oder sogar
auf negative Emissionen gebe. "Auch finanziell dürfte es künftig
günstiger werden, Emissionen durch erneuerbare Energien völlig zu
vermeiden. Wo dies wie etwa in der Flugfahrt unmöglich ist, wird man
dann auf Techniken wie die CO2-Sequestrierung angewiesen sein", urteilt
der Experte.