73 Prozent der Tiefseefische im Nordwestlichen Atlantik haben Plastik im Bauch

Forscherinnen und Forscher aus Irland und Großbritannien haben 233 Fische untersucht, von denen knapp drei Viertel winzige Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik, im Magen hatten. Die Studie erschien nun im Fachjournal Frontiers in Marine Science.

Plastiktüten treiben im Ozean (richcarey/iStock/thinkstock)
Plastikteile, die bis zu neunzig Prozent des Mülls in Meeren und an Stränden ausmachen, belasten die marine Flora und Fauna.
Foto: richcarey/iStock/thinkstock

Auf einer Expedition mit dem irischen Forschungsschiff Celtic Explorer sammelten die Forschenden Tiefseefische mit einem Schleppnetz, darunter verschiedene Laternenfischarten. Im Labor an Land sezierten die Forscherinnen und Forscher die Fische und untersuchten den Mageninhalt auf Mikroplastik. Insgesamt nahmen sie Proben von 233 Fischen aus einer Tiefe von 300 bis 600 Metern. Von den untersuchten 233 Tiefseefischen hatten 73 Prozent Plastik verschluckt. Dieser hohe Anteil von Fischen mit Mikroplastik im Magen ist einer der weltweit größten Befunde. Bei einer Fischart aus der Familie der Borstenmäuler (Gonostoma denudatum) wurde sogar in allen untersuchten Fischen Mikroplastik im Magen gefunden.

Den sehr hohen Anteil an Fischen, die Plastik im Magen hatten, erklären die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit, dass die Fische einem Ozeanwirbel im Nordatlantik entnommen wurden, in dem sich besonders viel Plastik ansammelt.

„Fische aus mittleren Meerestiefen schwimmen nachts zur Oberfläche, um Plankton zu fressen und tauchen tagsüber wieder ab“, sagte die Doktorandin Alina Wieczorek von der NUI Galway. Deshalb tragen diese Fische maßgeblich zum schnellen Transport von Nährstoffen in größere Tiefen bei. Wieczorek vermutet darum, dass die Fische das Mikroplastik wahrscheinlich mit der Nahrung an der Gewässeroberfläche aufnehmen und es dann in größere Tiefen tragen. Die Fische verwechseln das Mikroplastik entweder mit Beutetieren oder sie fressen kleinere Tiere, die selbst Plastik vertilgt haben, schreibt das Autorenteam.

Wie voll der Fischmagen zum Zeitpunkt der Probennahme war, welcher Art der Fisch angehörte oder in welcher Tiefe er lebt, hat der Studie zufolge keinen Einfluss darauf, wie viel Plastik ein Fisch im Magen hat. Im Schnitt enthielt jeder untersuchte Fischmagen 1,8 Mikroplastikfragmente. Bei 99 Prozent der Plastikfragmente handelte es sich um Kunststofffasern. Im Schnitt waren die Fasern etwa einen Millimeter lang.

Welche Auswirkungen die Aufnahme der Mikroplastikpartikel für die untersuchten Fischarten haben und wie es zur zu einer möglichen Anreicherung in der Nahrungsketten kommt, wollen die Forschenden in weiteren Untersuchungen herausfinden.

Originalpublikation:
Alina M. Wieczorek, Liam Morrison, Peter L. Croot, A Louise Allcock, Eoin Macloughlin, Olivier Savard, Hannah Brownlow and Thomas K. Doyle. Frequency of Microplastics in Mesopelagic Fishes from the Northwest Atlantic. Frontiers in Marine Science, 2018 DOI: https://doi.org/10.3389/fmars.2018.00039
Das Projekt PLASTOX wird im Rahmen der zwischenstaatlichen Forschungsinitiative JPI Oceans zu Mikroplastik gefördert. Die Initiative hat das Ziel, die Auswirkungen von Mikroplastik im Meer zu erforschen. Das Projekt PLASTOX befasst sich mit den ökotoxikologischen Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Ökosysteme. Untersucht wird beispielsweise, wie viel Mikroplastik von Tieren aufgenommen wird und ob es giftige Stoffe in den Körper der Tiere abgibt. Erhoben wird auch, ob Rückstände von Plastik im Körper verbleiben und in der Nahrungskette aufsteigen, wenn die Tiere gefressen werden. JPI Oceans mit seinen momentan 21 Mitgliedsstaaten zielt auf einen gemeinsamen, integrierten Ansatz bei der marinen und maritimen Forschung und Technologieentwicklung in Europa.