Der Wasserspezialist Amidou Tiemtore von der Elfenbeinküste

Der 26-jährige Amidou Tiemtore ist jetzt im vierten und letzten Semester des IMP-EGH und beschreibt eindrucksvoll, wie er sich durch das Stipendienprogramm weiterentwickelt hat. Er kommt aus Abidjan an der Cote d'Ivoire und beschäftigt sich in seiner Forschung mit Grundwasserneubildungsschätzungen in Afrika.

1. Beschreiben Sie Ihre Masterarbeit in fünf Sätzen.

Meine Forschung konzentriert sich auf die Analyse von Grundwasseranreicherungsschätzungen in Afrika durch den Vergleich von Landoberflächenmodellsimulationen auf der Grundlage historischer und prognostizierter Antriebsdaten. Ziel ist es, zu verstehen, wie diese Datensätze die Variabilität der Grundwasserneubildung beeinflussen und welche Gründe für mögliche Diskrepanzen verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse werden dazu beitragen, die Zuverlässigkeit von Grundwassersimulationen zu bewerten und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen zu unterstützen. Darüber hinaus steht meine Studie in Verbindung mit dem H2-Atlas-Projekt, das die Verfügbarkeit von Grundwasser für die Wasserstoffproduktion in Afrika bewertet. Die Ergebnisse werden auch dazu beitragen, die Bewertung der Wasserressourcen für die Entwicklung von grünem Wasserstoff in Afrika zu verfeinern.

2. Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Verwendung von grünem Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff entwickelt sich zu einem wichtigen Energieträger und spielt eine zentrale Rolle bei der globalen Energiewende. Seine Bedeutung lässt sich in vielen Sektoren und Anwendungen erkennen.
Eine der wichtigsten Anwendungen ist meines Erachtens die Dekarbonisierung schwer abbaubarer Industrien wie der Stahl- und Zementproduktion. Durch den Ersatz von Kohle und Erdgas durch grünen Wasserstoff können die CO₂-Emissionen in diesen Industrien erheblich reduziert werden. Das Potenzial des grünen Wasserstoffs geht jedoch über die Industrie hinaus. Er spielt auch eine wichtige Rolle bei der Energiespeicherung, da er für Netzstabilität sorgt, indem er überschüssige Sonnen- oder Windenergie speichert und bei Bedarfsspitzen abgibt. Grüner Wasserstoff unterstützt zudem die Produktion von grünem Ammoniak für eine nachhaltige Landwirtschaft und trägt zur Dekarbonisierung des Verkehrs bei, wie die wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge in Deutschland zeigen.

 

3. Was war bisher deine prägendste Erfahrung, die du während des International Master „Program in Energy and Green Hydrogen" gemacht hast?

Mein denkwürdigstes Erlebnis in diesem Masterprogramm ist die Gelegenheit, Englisch zu lernen. Diese vier Monate Unterricht haben mir geholfen, die Sprachbarriere zu überwinden und eine Verbindung zur englischsprachigen Welt herzustellen. Während des Programms habe ich wertvolles Wissen durch verschiedene Module gewonnen, insbesondere in den Bereichen Energiesicherheit, Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologien. Ein Höhepunkt war meine Spezialisierung an der Cheikh Anta Diop Universität in Dakar, wo ich von erfahrenen afrikanischen und europäischen Professoren gelernt habe und mein Verständnis für Energiemanagement und Systemmodellierung vertiefen konnte. Diese Erfahrung hat mich auf den Arbeitsmarkt und zukünftige Forschungsprojekte vorbereitet. Insgesamt hat mich das Programm kulturell bereichert, Teamarbeit gefördert und meine Vielseitigkeit gestärkt, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

4. Welchen Ratschlag würden Sie einem zukünftigen Studierenden des Studiengangs „Grüner Wasserstoff" mit auf den Weg geben?

Ich würde jedem raten, neugierig und aufgeschlossen zu bleiben und sich für seine Ziele einzusetzen. Dieser Bereich ist voller spannender Herausforderungen. Daher ist es wichtig, Schwierigkeiten als Lernchancen zu begreifen. Zögern Sie nie, Fragen zu stellen, denn kontinuierliches Lernen ist der Schlüssel zum Wachstum. Bauen Sie starke Netzwerke auf, denn der Kontakt zu Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund kann Türen öffnen, von denen Sie bisher nichts wussten. Am wichtigsten ist, dass Sie an sich selbst und Ihren Beitrag glauben. Denken Sie immer daran, dass Sie nicht nur ein Thema studieren, sondern Teil einer globalen Bewegung werden, die sich für eine saubere und nachhaltige Zukunft kommender Generationen einsetzt.

5. Was sind Ihre beruflichen Pläne oder Ideen für die Zukunft?

Kurzfristig wird mein beruflicher Werdegang von den sich bietenden Möglichkeiten abhängen. Idealerweise würde ich gerne einen Doktortitel in Forschung und Entwicklung erwerben und gleichzeitig praktische Erfahrungen in einem Unternehmen oder Forschungszentrum sammeln, das sich mit erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff, Wasserressourcen oder dem Klimawandel beschäftigt. Alternativ bin ich offen für eine Tätigkeit als Ingenieur in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Nutzung, Projektmanagement oder Datenanalyse in denselben Bereichen. Langfristig strebe ich an, ein anerkannter Experte zu werden – nicht unbedingt ein ordentlicher Professor –, der sich intensiv mit der Förderung von Lösungen für eine nachhaltige Zukunft beschäftigt.

6. Bonusfrage: Gibt es noch etwas, das Sie uns mitteilen möchten (z. B. eine nette Anekdote darüber, wie Sie schlechte Erfahrungen überwunden haben, oder Ähnliches)?
Anekdote:

Eine Anekdote: „Eine Nation, die ihre Zukunft meistern will, muss zuerst lernen, mit ihrer Energie umzugehen."

Für unser Projekt im Dorf Bogol Mamar im Niger haben wir die Bevölkerung befragt, um ihren Wasserbedarf und die Quellen ihres Wasserverbrauchs zu ermitteln. Dabei stellten wir fest, dass die Menschen weite Wege zurücklegen mussten, um sauberes Wasser zu finden, und dass die meisten für ihre täglichen Bedürfnisse wie Kochen, Trinken und Baden auf unsauberes Wasser angewiesen waren. In diesem Moment wurde mir klar, dass es bei der Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie Energie und Wasser nicht nur um Technologie geht, sondern auch darum, den Menschen Zeit zu geben, um ihre Gesundheit zu verbessern und ihre Würde wiederherzustellen. Diese Erkenntnis ist zu meiner Hauptmotivation im wissenschaftlichen Bereich geworden.
Persönliche Erfahrung bei der Überwindung negativer Erfahrungen:
Situation: Innerhalb einer Woche nach dem Kurs musste ich eine Projektpräsentation mit der Software RETScreen halten, die ich zum ersten Mal benutzte.
Aufgabe: Innerhalb von zwei Tagen den Umgang mit der Software lernen und die Abschlusspräsentation vorbereiten.
Maßnahme: Ich verbrachte zwei Nächte damit, die ganze Nacht durchzumachen, um mich mit der Software vertraut zu machen. Dazu sah ich mir YouTube-Tutorials an und arbeitete gleichzeitig an dem Projekt.
Ergebnis: Mein Team und ich haben die Präsentation mithilfe der Software pünktlich fertiggestellt – mit roten Augen.
Die Erkenntnis: Wenn man ein Ziel erreichen will, ist kein Opfer zu groß. Hingabe und Ausdauer zahlen sich immer aus.

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