Der Direktor und Berater Mohamadu Saido Balde aus Guinea-Bissau
Mohamadu Saido Balde aus Guinea-Bissau hat das International Master's Program in Energy and Green Hydrogen (IMP-EGH) erfolgreich abgeschlossen. Der 31-Jährige studierte in Aachen und Niamey, der Hauptstadt Nigers. Er berichtet nun über seine Erfahrungen während des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Zusammenarbeit mit dem West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use (WASCAL) geförderten Programms.
1. Sie haben Ihr Studium im Oktober 2023 abgeschlossen. Erzählen Sie, für wen und in welchem Bereich Sie derzeit arbeiten.
Ich bin Direktor für strategische Planung, Studien und internationale Beziehungen im Ministerium für Energie von Guinea-Bissau. Außerdem arbeite ich als Berater für nachhaltige Energie, Klima- und Agrarwirtschaft bei der Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO) BASE .
2. Bitte beschreiben Sie in 5 Sätzen, worum es in Ihrer Masterarbeit ging.
In meiner Diplomarbeit habe ich das Potenzial Afrikas für die Beteiligung am Globalen Grünen Wasserstoffmarkt untersucht, denn die Produktionskapazität von 900 Millionen Tonnen pro Jahr ist vielversprechend. Trotz eines derzeitigen Wasserstoffbedarfs von „nur" 3 Millionen Tonnen (zum Zeitpunkt meiner Arbeit, 2023), der hauptsächlich für die Düngemittelproduktion unter Verwendung fossiler Brennstoffe benötigt wird und 630 Millionen Tonnen CO2 ausstößt, bietet Afrika strategische Chancen. Prognosen zufolge könnte der Bedarf bis 2050 auf 20 Millionen Tonnen ansteigen, doch nur sechs afrikanische Länder verfügen derzeit über Wasserstoffstrategien.
Ich habe festgestellt, dass mehr als 90 % der afrikanischen Projekte für grünen Wasserstoff exportorientiert sind und die Möglichkeiten zur Dekarbonisierung in Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft und Stromerzeugung nicht nutzen. Ich empfahl die Einführung nachhaltiger politischer Maßnahmen, rechtlicher Rahmenbedingungen, den Aufbau von Kapazitäten und Technologietransfer, den Aufbau strategischer Partnerschaften und die Förderung der regionalen Marktintegration, um das Potenzial von grünem Wasserstoff in Afrika, insbesondere in Westafrika, zu erschließen.
3. Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Anwendung für grünen Wasserstoff?
Meiner Meinung nach ist die wichtigste Anwendung von grünem Wasserstoff im afrikanischen Kontext die Dekarbonisierung der Düngemittelindustrie, die derzeit stark von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Düngemittel sind ein strategischer Pfeiler für die afrikanische Wirtschaft und wesentlich für die Nahrungsmittelproduktion und Importunabhängigkeit.
4. Was war das Einprägsamste für Sie im "International Master Program in Energy and Green Hydrogen"?
Wie man mit Unterschieden zwischen Kulturen umgeht. Andere Menschen, Länder und Kulturen kennenzulernen, hat mir geholfen. Ich kann jetzt in verschiedenen Umgebungen arbeiten.
5. Was würden Sie einem/einer Studierenden in diesem Studiengang empfehlen?
- Nutze deine Zeit und Energie für die Weiterentwicklung deiner Qualifikationen und beruflichen Fähigkeiten (Persönliche Entwicklung) und teile diese mit deinen Kollegen, damit auch diese dein Potenzial erkennen und anerkennen
- Sei offen für jeden, baue Beziehungen auf und begrüße die Vielfalt. Diese neue Familie ist deine beste Ressource für viele zukünftige Möglichkeiten, die du heute noch nicht sehen kannst.
- Sei ein wertvoller Teil deines Teams – die größte Ehre ist, wenn man dich vermisst, wenn du fortgehst.
- Nutze Networking-Gelegenheiten und entwickle eine kritische Denkweise. Nimm Herausforderungen an, erkenne Chancen und lerne, nach jedem Sturz wieder aufzustehen. Sei vor allem dankbar für jeden Moment, jede Gelegenheit und jede Herausforderung, der du begegnest.
6. Bonusfrage: Gibt es noch etwas, das Sie uns mitteilen möchten?
Während meines ersten Jahres des Masterstudiums in Niger hatte ich Schwierigkeiten, mich an das neue Bildung- und Lehrsystem anzupassen, besonders an die wöchentlichen Kurse und Tests. Es gab Zeiten, da habe ich mich überfordert gefühlt und mich gefragt, warum ich mir das antue. Es kam mir so vor, als käme ich aus einer anderen Welt. Aber ich wollte gute Arbeit abliefern.
Also habe ich akzeptiert, wie die Dinge sind. Ich habe Chancen genutzt und ein neues System für mich eingeführt. Ich habe mir realistische Tagesziele gesetzt. Ich habe gelernt, stark zu sein, mich gut zu konzentrieren und gut zu planen. Außerdem habe ich gelernt, dass man in einer Gruppe besser arbeiten kann. All das war sehr wichtig für mein Studium und meine Karriere.
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