Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation

Prof. Dr. Tilman Santarius forscht mit seinem Team zu Rebound-Risiken und Suffizienz-Chancen digitaler Dienstleistungen im Projekt R2D2.

Überzeugungstäter

Tilman Santarius hat Soziologie, Ethnologie und Volkswirtschaft studiert und in Sozial- und Gesellschaftswissenschaften promoviert. Schon während seines Studiums arbeitete er freiberuflich für Greenpeace und die Unternehmensberatung Kienbaum. Er war Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und danach leitete er die Internationale Klima- und Energiepolitik bei der Heinrich Böll Stiftung. Seit 2016 leitet der Tausendsassa die Nachwuchsgruppe „R2D2 - Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation. Rebound-Risiken und Suffizienz-Chancen digitaler Dienstleistungen." in der sozial-ökologischen Forschung.

Digitale Revolution – Chancen und Risiken

Digitale Lösungen gelten häufig als besonders umweltverträglich. Ob dies zutrifft, ist einer der vielen Aspekte, die Prof. Santarius mit seinem Team erforscht. Ein Großteil der Forschung von R2D2 bezieht sich auf konsumbezogene Fragestellungen. Damit wollen sie auch konstruktive Vorschläge für ein Umdenken und ein Umhandeln im Bereich Konsum geben. Als inter- und transdisziplinäre Forschungsgruppe integriert R2D2 über den Forschungsprozess fünf verschiedene Wissenschaftsdisziplinen: Psychologie, Marketing, Ingenieurswissenschaften, Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre sowie Praxiswissen und Praxisakteure. „Wir wollen Vorschläge erarbeiten, die zur Lebenswirklichkeit von Menschen passen", so Santarius. „Dazu gehört zum Beispiel, wie digitale Tools für Zwecke der Nachhaltigkeit genutzt werden können." Hinzu käme auch eine genügsamere Lebensweise, in der weniger konsumiert und mehr geteilt wird.

R2D2

Die digitale‚ sogenannte vierte Industrielle Revolution, wird mit zahlreichen ökonomischen, sozialen und ökologischen Chancen und Risiken verbunden. Tilman Santarius erforscht mit seinem Team die ökologische Dimension der Digitalisierung. „Diese wird bisher am wenigsten betrachtet. So mangelt es beispielsweise an Untersuchungen zu Rebound-Effekten und Suffizienz-Chancen", so Santarius.

Die Nachwuchsgruppe fokussiert sich auf die Digitalisierung von Dienstleistungen in den Bedarfsfeldern Konsum (E-Commerce), Wohnen (Smarthome) sowie bezüglich Makroverschiebungen bei Visionen (imagineries) und Chancen und Risiken der Entkopplung von Wachstum und Naturverbrauch. Auf der Grundlage der herausgearbeiteten Implikationen aus der Digitalisierung sollen Gestaltungsoptionen und Steuerungsinstrumente entwickelt werden, um sozial-ökologische Transformationsprozesse zu stärken.

Familie und Arbeit

Tilman Santarius sagt, Karriere und Familie ließen sich in der Wissenschaft gut vereinbaren, „wenn man in der in Lage ist, nein zu sagen." Das größte Problem sei aber, dass er und sein Team nicht noch mehr Anfragen für Veröffentlichungen, Stellungnahmen und Vorträgen in diesem aufstrebenden Themenfeld annehmen könnten. Denn, „das Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit hat inzwischen ein so starkes Echo erzeugt", so Santarius. Ansonsten gebe es tolle Möglichkeiten, die Forschung mit dem Familienleben zu vereinbaren. „Meine vier Kinder fordern mich zu den Nachmittags- und frühen Abendsstunden relativ viel und dann arbeite ich ab und zu am späten Abend und hole Fehlzeiten wieder rein. Diese Flexibilität ist natürlich großartig und dient der Work-Life-Balance."

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