Kunststoffe in der Umwelt

Dr. Johanna Kramm erforscht mit ihrem Team Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme im Projekt PlastX.

Auf dem Weg zur Humangeographin

Johanna Kramm hat Geographie studiert, weil sie sich schon früh für Landkarten und Atlanten interessiert hat. Zudem fand sie die Kombination aus physischer Geographie und Humangeographie reizvoll. Auch fremde Länder und Kulturen faszinierten sie, insbesondere deren Kolonialgeschichte und wie über das „Andere" geschrieben wurde. „Das hat mich schon recht früh im Studium zu Fragen des gesellschaftlichen Wandels und Umweltproblemen in Afrika geführt. Daher habe ich dann auch Feldaufenthalte in Tansania und Kenia für meine Abschlussarbeiten zu Wasserkonflikten durchgeführt." Heute unterstützt sie immer noch eine alleinerziehende Frau, die in Kenia ihre Nachbarin war, bei der Schulausbildung ihrer Kinder.

Sozial-ökologische Forschung

Gemeinsam mit der Biologin Dr. Carolin Völker leitet sie die Nachwuchsgruppe „PlastX – Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme". Mit ihrem Team arbeiten die beiden Nachwuchsgruppenleiterinnen am ISOE-Institut für sozial-ökologische Forschung. Dessen theoretische Grundlagentexte waren für Johanna Kramm bereits während ihres Studiums zentral. „Zusammen mit meinen Kommiliton:innen habe ich die Lesegruppe ‚Soziale Ökologie' gegründet, in der wir uns mit Texten der Sozialen Ökologie beschäftigt haben. Diese Texte haben uns inspiriert, konzeptionell über die Beziehungen von Gesellschaft und Natur, Ressourcenverteilung und nachhaltiger Bedürfnisbefriedigung nachzudenken." Sie und ihre Kommiliton:innen waren alle im Bereich der Geographischen Entwicklungsforschung und der Mensch-Umwelt-Beziehungen aktiv und haben zu Transformationsproblemen wie Nachhaltiger Entwicklung, Umweltrisiken und Lebenssicherung im Globalen Süden gearbeitet. Daher fand Dr. Johanna Kramm das ISOE immer spannend, auch als potentiellen Arbeitsgeber. „Beim Bewerbungsgespräch habe ich dann gleich gemerkt, dass mir die kollegiale Arbeitsatmosphäre sehr zusagt und ich in internationalen Forschungsprojekten meine inhaltlichen Interessen weiterverfolgen könnte."

Die Idee, Plastik und seine Auswirkungen zu erforschen, kam als sie mit Carolin Völker nach einem Thema für die Nachwuchsgruppe gesucht hatte. „Plastik in der Umwelt eignet sich sehr gut als Thema, um sozial- und naturwissenschaftliche Fragestellungen zusammenzubringen", betont Johanna Kramm. Bei ihrem letzten größeren Auslandsaufenthalt waren sie und eine Mitarbeiterin mehrere Wochen in Asien für das Thema Meeresmüll unterwegs. „Meine Forschungserfahrung im interkulturellen Kontext kann ich heute bei den Arbeiten unserer Nachwuchsgruppe zu Meeresmüll gut einbringen."

Plastik ist überall

Kramms Nachwuchsgruppe verfolgt einen inter- und transdisziplinären Forschungsansatz. Gerahmt werden die disziplinären Arbeiten durch eine sozial-ökologische Risikoperspektive. Erforscht werden dabei sowohl ökotoxikologische Auswirkungen von Mikroplastik auf Fließgewässerökosysteme, als auch Risikodiskurse und -wahrnehmung von Mikroplastik. Außerdem werden die Synthese von Biopolymeren und deren potentielle Anwendung für Lebensmittelverpackungen untersucht.

Das Material Plastik beschäftigt sie aber auch privat. Plastik sei in der Gesellschaft allgegenwärtig und so versucht sie auf alternative Verpackungsmaterialien und deren Wiederverwendung sowie Verpackungsvermeidung zu setzen. „Auch bei Pflegeprodukten z. B. bei Shampoo gibt es inzwischen gute Seifen, die Shampoo in Plastikbehältnis ersetzen", so Kramm.

Ihr Rat an junge Forschende

„Macht etwas, das Euch wirklich Freude bereitet!" Es sei nicht gut, etwas zu verfolgen, um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Sie rät ihnen, ein spannendes Thema und ein gutes Team mit einer guten Betreuung zu finden.

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