Ökologie und Energiewende

Jun.-Prof. Dr. Paul Lehmann erforscht mit seinem Team Politikstrategien zur Bewältigung ökologischer Zielkonflikte bei der Energiewende im Projekt MultiplEE.

Bewegte Jugend

Paul Lehmann hatte schon früh ein starkes Bewusstsein für ökologische und gesellschaftliche Probleme. In seiner Heimatstadt Greifswald engagierte er sich in sozialen Jugendprojekten und demonstrierte gegen Castortransporte und das Zwischenlager im Kernkraftwerk Lubmin. Mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre wollte er ökonomische Zusammenhänge hinter gesellschaftlichen Problemen besser verstehen. Auch während seines Studiums und der Doktorarbeit war er noch bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC aktiv sowie bei einem Mehrgenerationenprojekt in Leipzig und engagierte sich bei der Entwicklung von neuen Ideen für die Nutzung von Brachflächen.

Begeisterung für Wissenschaft

Ursprünglich wollte Paul Lehmann nach seinem BWL-Studium als Wirtschaftsjournalist über die Ursachen von ökologischen und sozialen Problemen berichten. „Während des Studiums habe ich dann aber festgestellt, dass ich lieber selbst an der Entwicklung von Lösungen mitwirken wollte", erzählt Lehmann. Durch seine Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und seine Diplomarbeit hat er dann aber seine Begeisterung für die Wissenschaft entdeckt.

MultiplEE

Seit 2017 leitet der Juniorprofessor die Nachwuchsgruppe „MultiplEE – Nachhaltiger Ausbau erneuerbarer Energien mit multiplen Umweltwirkungen – Politikstrategien zur Bewältigung ökologischer Zielkonflikte bei der Energiewende". Mit dem staatlich geförderten Ausbau erneuerbarer Energien sollen die negativen Umweltwirkungen der konventionellen Stromerzeugung, vor allem der Klimawandel, reduziert werden. „Aber auch die Nutzung erneuerbarer Energien beeinträchtigt die Umwelt, etwa durch die Zerstörung natürlicher Habitate, Lärmemissionen und Veränderungen des Landschaftsbildes", sagt Lehmann. Mit seinem Team entwickelt er Steuerungsinstrumente, die das Potential haben, die Zielkonflikte zu minimieren. Zum einen zwischen verschiedenen Umweltwirkungen der Nutzung erneuerbarer Energien, zum anderen zwischen Umweltschutz und den energiepolitischen Zielen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Sozialverträglichkeit. „Wir wollen mit unserer Forschung Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Energie- und Umweltpolitik entwickeln, damit der Ausbau erneuerbarer Energien in Zukunft in nachhaltigerer Weise gesteuert wird", erklärt Lehmann.

Arbeit und Familie

Seine Arbeit prägt auch den privaten Lebensalltag. „Ich versuche, meinen Kindern ein Bewusstsein für die ökologischen und sozialen Folgen unseres Handels zu vermitteln. Und ich versuche natürlich darauf hinzuwirken, dass wir unser Verhalten als Familie auch entsprechend verändern", erzählt Paul Lehman. Es gebe ja viele kleine Dinge, die man tun könne: „Nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region kaufen, selber Lebensmittel im Garten anbauen, Fahrrad fahren, Müll vermeiden und den Konsum reduzieren."

Rat an junge Forschende

Paul Lehmann weiß, dass eine zentrale Herausforderung für Wissenschaftler:Innen ist, wie sie mit den oft unsicheren Zukunfts- und Karriereaussichten umgehen sollen. Seiner Ansicht nach sind dabei Karriereplanung und strategische Überlegungen in gewissem Umfang sicherlich sinnvoll. „Sie sollten aber nicht allein unser Handeln und Entscheiden als Forschende bestimmen. Vieles ist auch einfach Glück und Zufall", so Lehmann. Insofern ist für ihn die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten in der Wissenschaft, „dass man gut ist in dem, was man tut – und noch wichtiger, seid begeistert für das, was Ihr tut!"

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