Zugang zu Wasser auch ohne Wasserhähne

Prof. Antje Bruns von der Universität Trier will den Zugang zu sauberem Wasser erleichtern. Die Geographin forscht mit ihrem Team zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen und der Wasserkrise in Accra, Ghana.

Wasserkrise in Accra?

Häufig wird gesagt, Wasser wird knapp. Die Geographin Antje Bruns stellt mit ihrer Nachwuchsgruppe in Ghana aber fest, dass es dort ausreichend Wasser gibt. „Es gibt jede Menge Wasser, aber das Wasser liegt nicht in ausreichender Qualität vor, und das ist das, was die Wasserkrise eigentlich ausmacht." Water-Power heißt das im BMBF-Förderprogramm „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel - 4+1" des Referats 724 angesiedelte Projekt. Accra, die Hauptstadt Ghanas ist das Untersuchungsgebiet von Bruns' Team. In den schnell wachsenden Siedlungen an den Stadträndern Accras müssen Menschen Wasser in Eimern oder Flaschen kaufen. Und das ist teuer und oft von minderer Qualität. Dagegen verfügen die BewohnerInnen in den Siedlungen der ehemaligen britischen Kolonialherren über notwendige Wasserinfrastrukturen. Im periurbanen Gebiet, also da, wo Accra rasant wächst, gibt es jenseits netzgebundener Infrastruktur andere Formen, um an Wasser zu kommen. Da spielen z. B. Wassertanker eine sehr große Rolle. „WaterPower" analysiert dort das Zusammenspiel lokaler und globaler Krisenphänomene am Beispiel des Wassermangels, wie gesellschaftliche Verwerfungen, Bevölkerungswachstum, steigender Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Sonja Oberbeckmann freut sich über die große Aufmerksamkeit, die die Verschmutzung durch Mikroplastik erfährt: „Es ist gut, dass die Leute wissen, dass Mikroplastik den Meeren höchstwahrscheinlich schadet." Oft sei es schwierig, überhaupt zu erkennen, ob ein Produkt die winzigen Plastikpartikel enthält: „Kaum ein Verbraucher weiß, dass sich hinter dem Zusatzstoff Acrylate Crosspolymer in Körperpflegeprodukten Mikroplastik verbirgt", so Oberbeckmann. „Ich würde mir wünschen, dass die Benennung von Inhaltsstoffen deutlicher ist." Außerdem würden die Deutschen zu viel Plastik verbrauchen. „Viel zu viele Menschen denken, dass Plastik in Deutschland komplett recycelt wird." Doch das sei ein Irrglaube. Laut dem deutschen Rat für Nachhaltige Entwicklung werden nur etwa zwölf Prozent des Plastikmülls verwertet. Der Rest wird exportiert, verbrannt, landet auf Deponien oder eben im Meer.

Zusammenarbeit mit afrikanischen WissenschaftlerInnen

Antje Bruns und ihr Team arbeiten bei der Feldforschung sowie der Erhebung von Daten eng mit WissenschaftlerInnen der Universität Ghana und der lokalen Verwaltung zusammen. Es geht bei der Forschung vor Ort auch darum, Realitäten und Praktiken der Menschen zu verstehen. Deshalb wurden bspw. Wassertankerfahrer von Rossella Alba aus dem WaterPower-Team begleitet, um nachzuvollziehen, wie dieses System funktioniert. „So sah unsere Forschung dann in der Praxis aus, um Wasserflüsse in der Stadt jenseits von Infrastrukturen aufdecken zu können. Mit unserem Mitarbeiter John Akubia haben wir z. B. die Urbanisierungsmuster kartiert. Wir sind also durch die Straßen gegangen und haben kartiert, wo wird begonnen, ein Haus zu bauen und wo ist ein Hausbau schon weit fortgeschritten, weil uns auch eben dieses Zusammenspiel von Urbanisierung und Zugang zu Wasser sehr interessiert."

Reformerische Einstellung

Sollen komplexe Krisenphänomene wie in Accra verstanden werden, muss Nachhaltigkeitswissenschaft bestehende Grundkonzepte kritisch hinterfragen", sagt Antje Bruns und gibt zu bedenken, „dass dafür die herkömmlichen universitären Strukturen verändert werden müssen. Diese reformerische Einstellung hat ihr nicht geschadet. Im Gegenteil, zu Beginn dieser Nachwuchsgruppe wurde sie als Juniorprofessorin berufen und hat 2015 den Ruf auf eine W3-Professur an die Uni Trier bekommen.
Es sei zwar nicht immer zur Freude innerhalb von Universitäten, wenn man sich nicht einfach und schnell zufrieden gibt mit Antworten und Strukturen. Antje Bruns legt ihren Finger auch mal in Wunden, dort, wo vielleicht auch Prozesse besser gemanagt werden könnten. Dabei bemüht sie sich um konstruktive Kritik und macht entsprechende Verbesserungsvorschläge.

Köpfe der Zukunft - Prof. Dr. Antje Bruns im Interview
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