Neuer Bericht zur Ozeanzirkulation: JPI Climate und JPI Oceans bündeln Expertise

Wie verändert sich die Atlantische Ozeanzirkulation – und welche Folgen hat das für Europa? Auf Initiative von JPI Climate und JPI Oceans entsteht, mitfinanziert vom BMFTR, ein neuer wissenschaftlicher Bericht, der aktuelle Erkenntnisse zusammenführt.

Die Atlantische Ozeanzirkulation (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) ist ein zentraler „Motor“ des globalen Klimas: Sie transportiert warmes Oberflächenwasser aus den Tropen nach Norden, wo es abkühlt, sich verdichtet und in die Tiefsee sinkt. Dieser Prozess reguliert das Klima in Europa und beeinflusst Wetter- und Meeresströmungen weltweit. Aufgrund dieser entscheidenden Rolle im Klimasystem steht die AMOC zunehmend im Fokus der Forschung – insbesondere, weil sie sich möglicherweise durch den Klimawandel abschwächt. 

Die beiden europäischen Initiativen JPI Climate und JPI Oceans verfolgen das Ziel, mit einem neuen AMOC-Bericht den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Atlantischen Ozeanzirkulation umfassend zusammenzuführen. Dieser Bericht soll Erkenntnisse zu physikalischen Prozessen, möglichen Kipppunkten sowie den erwarteten Auswirkungen auf Gesellschaft, Menschen und biologische Vielfalt in Meeres  und Landökosystemen integrieren. Darüber hinaus soll der Bericht die Risiken und die potenziellen Auswirkungen einer Veränderung von AMOC – insbesondere für Europa – liefern.

Die Joint Programming Initiative „Connecting Climate Knowledge for Europe" (JPI Climate) und die Joint Programming Initiative „Healthy and Productive Seas and Oceans" (JPI Oceans) werden dabei vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziell unterstützt. Über einen Zeitraum von 1,5 Jahren erstellen rund 60 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Irland, Belgien, Kanada, USA, Italien, Portugal, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und dem Vereinigten Königreich den Bericht. Die gemeinsame Veröffentlichung wird von Deutschland und Irland geleitet; die Ko-Vorsitzenden sind Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut und Gerard McCarthy von der Maynooth University. Im Frühjahr 2027 soll der Bericht veröffentlicht werden und die Ergebnisse in den nächsten IPCC Sachstandsbericht (AR7) einfließen. So leistet der AMOC-Bericht einen wichtigen Beitrag zur internationalen Bewertung des Klimasystems. 

Europäische und internationale Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beim Autorenworkshop

Vom 29. Juni bis 2. Juli 2026 trafen sich die Autorinnen und Autoren in Brüssel, Belgien. Alle an dem Bewertungsbericht Mitwirkenden kommen aus dem breiten Spektrum der Klimawissenschaften, der Atmosphärenchemie, der Klimatologie, der Meereswissenschaften, der Biologie und der Sozialwissenschaften. Der Workshop markierte einen wichtigen Schritt im Bewertungsprozess: Die Autorinnen und Autoren bündelten ihre bisherigen Erkenntnisse und arbeiteten den wissenschaftlichen Gesamtentwurf weiter aus.

Hintergrund zu JPI Climate und JPI Oceans

JPI Climate ist eine Initiative europäischer Mitgliedsstaaten und assoziierter Mitglieder, um nationale Forschungsförderprogramme zur Klimaforschung durch gemeinsame Koordinierung und Finanzierung neuer europäischer Forschungsaktivitäten aufeinander abzustimmen. Die länderübergreifende Zusammenarbeit zielt darauf ab, die öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsressourcen durch die Schaffung von Synergien besser zu nutzen und die Zusammenarbeit zwischen Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern über die nationalen Grenzen hinweg zu erleichtern. JPI Climate verbindet verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, ermöglicht grenzüberschreitende Forschung und verstärkt die Interaktion zwischen Wissenschaft und Praxis. Ziel der JPI Climate ist es, die europäischen Anstrengungen zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels maßgeblich zu unterstützen.

JPI Oceans ist eine zwischenstaatliche europäische Initiative von derzeit 16 europäischen Ländern. Seit 2011 werden durch die JPI Oceans Gemeinsame Aktivitäten (Joint Actions) zum Schutz der Meere und Ozeane koordiniert. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Meere und Ozeane zu fördern, um nachhaltiges Ressourcenmanagement, Umweltschutz und ökonomische Entwicklung voranzutreiben. JPI Oceans koordiniert Forschungsprogramme und vertritt ihre Mitglieder in strategischen Gremien sowie europäischen und internationalen Initiativen. Ein zentraler Aspekt ist die Förderung der "blauen Wirtschaft" im Einklang mit ökologischen Zielen. Ein wesentlicher Bestandteil des strategischen Portfolios ist auch das frühzeitige Fördern von neuen Themen. Initiativen der JPI Oceans umfassen Themen wie Mikro-Plastik, Unterwasserlärm, Lichtverschmutzung, Munition im Meer und Auswirkungen des Tiefseebergbaus. Mit allen ihren Aktivitäten liefert die JPI Oceans wichtige Beiträge zu nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen der marinen Umwelt und die europäische und internationale Meerespolitik.

Gemeinsam unterhalten die beiden JPIs einen Knowledge Hub „Sea Level Rise“, der 2024 den ersten umfassenden Europäischen Sachstandsbericht zum Meeresspiegelanstieg herausgebracht hat.