Neuartige Präzisionstechnik auf Kopfsteinpflaster – Innovatives Simulations- und Schleifverfahren stärkt Radverkehr

Erst der feine Schliff macht aus einem Rohdiamanten einen Brillanten. Genauso ist es mit dem Kopfsteinpflaster in Eichwalde: Erst das Abschleifen machte aus einem holprigen und bei Nässe rutschigem Kopfsteinpflaster eine entspannt befahrbare Strecke für Radfahrende. Möglich ist dies durch ein neuartiges Simulations- und Schleifverfahren, das im Projekt NUDAFA-Reallabor erprobt wurde. Inzwischen wurde aus dem Pilotprojekt eine Blaupause für andere Kommunen.

Historisches Natursteinpflaster ist städtebaulich wertvoll, erschwert jedoch das Radfahren erheblich: Es rüttelt durch und zwingt zur langsamen Fahrweise. Oft weichen Radfahrende auf Gehwege aus, was zusätzliche Risiken und Konflikte mit Fußgängerinnen und Fußgängern mit sich bringt. Um diese Problematik zu lösen, erprobte das „NUDAFA-Reallabor für interkommunale Radverkehrsförderung“ in der Gemeinde Eichwalde seit 2020 unter anderem unterschiedliche Ansätze, mit denen Pflasterstraßen komfortabler und sicherer befahrbar werden können.

Durchschlagenden Erfolg hatte die Idee, das Kopfsteinpflaster abzuschleifen. Und dieser brillante Lösungsansatz wäre nichts ohne Diamanten! Denn die harten Edelsteine bilden das Kernstück der technologischen Innovation: eine Fräsmaschine, die – kombiniert mit digitaler 3D-Vermessung und Schleifsimulation – im Projekt NUDAFA-Reallabor erstmals zum Einsatz kam. Möglich machte das die Zusammenarbeit mit einer auf Fräsarbeiten spezialisierten Firma (Fräsdienst-Service E. Feind GmbH) und die maschinenseitige Entwicklung durch die Firma Wirtgen.

Ein Fazit aus dem NUDAFA-Reallabor für interkommunale Radverkehrsförderung: Nur durch Zusammenarbeit mehrerer Akteurinnen und Akteure innerhalb einer Kommune – zwischen Verwaltungen, Politik und Zivilgesellschaft – sowie im interkommunalen Austausch ist es kleinen und mittleren Kommunen möglich, wirksame Impulse zu setzen und mit den richtigen Partnern auch größere Projekte erfolgreich zu realisieren.

Präzisionstechnik - Innovation

Nach ersten Experimenten auf kleineren Flächen erfolgte im Sommer 2025 in Kooperation mit der Firma Fräsdienst-Service E. Feind GmbH die Umsetzung eines Pilotstreifens in der Straße „Am Graben“. Dabei kam ein bislang einzigartiges Verfahren zum Einsatz: das Schleifen des Kopfsteinpflasters mittels nebeneinander angeordneter Diamanttrennscheiben („Precision Grinding“) an einer Großfräse des Herstellers Wirtgen, kombiniert mit digitaler 3D-Vermessung und Schleifsimulation. Das Ergebnis ist eine deutlich geglättete, ebene und griffige Fahrbahnoberfläche.

Die Kombination aus 3D-Punktwolkenmessung, die CAD-basierte Simulation verschiedener Schleifprofile, ermöglicht es zudem, vorab exakt zu berechnen, wie tief geschliffen werden muss, wo Senken manuell ausgeglichen werden sollten und welche Kosten entstehen. Die präzise und lasergestützte automatisierte Schleiftiefensteuerung erleichtert den Einsatz der Großfräse auf unebenem Untergrund erheblich.

Quelle: BeNaMo-Nachricht zu NUDAFA

Rundum nachhaltig – die Vorteile des innovativen Verfahrens

Das Verfahren bietet mehrere Vorteile: Es erhält die natürliche Versickerungsfähigkeit des Kopfsteinpflasters, macht keine Asphaltüberdeckung erforderlich, bewahrt das historische Erscheinungsbild und kann zugleich innerhalb weniger Tage umgesetzt werden, bei deutlich geringeren Kosten als herkömmliche Verfahren. Radfahrende profitieren vom neu gewonnenen Komfort, der Fußverkehr von sicherer Trennung, Anwohnende von reduzierter Lärmbelastung, das Mikroklima von der Regenwasserversickerung und auch der Autoverkehr fährt ruhiger. Es lässt sich gut darauf radeln und stärkt somit die aktive Mobilität der Menschen vor Ort.

Das Abschleifen von Kopfsteinpflaster ist somit eine umweltschonende und schnelle Möglichkeit, die Befahrbarkeit für Radnutzende zu verbessern, bisher gemiedene Straßen zu erschließen und durchgehende Radverkehrsverbindungen zu schaffen. Das technologische Verfahren ermöglicht eine nachhaltige Lösung, insbesondere für kleinere und mittlere Kommunen: kostengünstiger als ein kompletter Umbau oder eine neue Asphaltierung der Straße.

NUDAFA-Reallabor – vielfältig den interkommunalen Radverkehr fördern

Das Projekt NUDAFA-Reallabor für interkommunale Radverkehrsförderung hat darüber hinaus zahlreiche weitere nachahmenswerte Maßnahmen erprobt, um den Radverkehr insbesondere in kleineren und mittleren Kommunen zu stärken. Ein Fazit: Nur durch Zusammenarbeit mehrerer Akteurinnen und Akteure innerhalb einer Kommune – zwischen Verwaltungen, Politik und Zivilgesellschaft – sowie im interkommunalen Austausch ist es kleinen und mittleren Kommunen möglich, wirksame Impulse zu setzen und mit den richtigen Partnern auch größere Projekte erfolgreich zu realisieren.

 

Rezepte für die kommunale Verkehrswende

Nach sechs Jahren gemeinsamer Forschung, Erprobung und Umsetzung im Forschungsprojekt NUDAFA-Reallabor für interkommunale Radverkehrsförderung haben die Gemeinde Eichwalde, die Technische Universität Berlin und die Technische Hochschule Wildau zum Projektabschluss ihre Erkenntnisse in einem praxisorientierten Buch zusammengefasst. Das Buch "Gemeinsam Radverkehr fördern – Rezepte für die kommunale Verkehrswende“ zeigt anhand konkreter Projekte beziehungsweise Maßnahmen, welche Hürden auftreten und wie kommunale Akteurinnen und Akteure mit praktischen Lösungen die Verkehrswende vor Ort gemeinsam voranbringen können. Dazu gehören nicht nur das Abschleifen von Kopfsteinpflaster, sondern beispielsweise auch die Planung und Durchführung schulischer Projektwochen oder der Bau eines modularen Fahrradparkhauses. Darüber hinaus finden sich viele ergänzende Informationen zu den Erkenntnissen aus der Begleitforschung, zur Konzeption von Radverkehrskonzepten, zu Aufgabenfeldern der Radverkehrsförderung oder Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Damit werden praktische Hintergrundinformationen sowie Erfahrungswissen für andere Kommunen sowie für Praktikerinnen und Praktiker bereitgestellt.

 

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