Auf dem Wege zu intakten Seeufern

An der Universität Konstanz wird ein interdisziplinäres Verbundprojekt zum nachhaltigen Gewässerschutz am Bodensee koordiniert.
Uferverbauungen und Hafenanlagen sind die offensichtlichsten Eingriffe des Menschen in die Uferzone des Bodensees. Aber auch Renaturierungsmaßnahmen und Erosionssicherungen der Denkmalbehörden beeinflussen Wellen, Strömungen und damit den Feststoffhaushalt, die Unterwasserfauna und Unterwasservegetation. Das am 1. April 2015 gestartete Projekt „HyMoBioStrategie“ untersucht die Auswirkungen der durch den Menschen verursachten Veränderungen in der Uferzone des Bodensees. Koordiniert wird der interdisziplinäre Forschungsverbund von dem Konstanzer Limnologen Dr. Hilmar Hofmann. Das Projekt soll einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und zum Management von Ufer- und insbesondere Flachwasserzonen von Seen liefern.

In einer dreijährigen Förderphase werden intensive Untersuchungen in der Flachwasserzone des Bodensees durchgeführt und Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger bei Behörden und Gemeinden für Nutzungs- und Entwicklungsstrategien der Uferzone von Seen entwickelt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 1,2 Millionen Euro geförderte Verbundprojekt umfasst als Projektpartner die Universität Konstanz, das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, das Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik, die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg und das Consulting-Büro Lana Plan GbR. Verschiedene Landesbehörden, Bodenseegemeinden und der Kanton Thurgau begleiten zudem das Projekt aus Praxissicht.
 
Die Universität Konstanz ist mit zwei Teilprojekten am Verbund beteiligt. Neben dem Teilprojekt der Arbeitsgruppe Umweltphysik, der Hilmar Hofmann angehört und das die Bedeutung von Uferverbauungen, Starkwindereignissen und saisonalen Wasserspiegelschwankungen für den Sedimenttransport erforscht, untersucht das Teilprojekt der Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie die Eignung wirbelloser Bodentiere zur Charakterisierung der vom Menschen verursachten Veränderungen an ausgewählten Uferabschnitten. Während sich das Landesamt für Denkmalpflege auf den Aspekt der Unterwasserarchäologie mit dem Ziel der Sicherung von Unterwasserdenkmälern des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten“ konzentriert, wird das Fraunhofer Institut ein sich autonom fortbewegendes Messfahrzeug entwickeln, welches die Beschaffenheit des Seegrundes in der Flachwasserzone mit hoher räumlicher Auflösung vermessen kann. Das Seenforschungsinstitut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) führt komplementäre Untersuchungen zur Struktur der Sedimente durch und liefert außerdem Informationen zu den Sedimenteigenschaften und zur Nährstoffkonzentration im Porenwasser. Letztere spielt für die Unterwasserpflanzen eine wichtige Rolle, deren Verteilung und Zusammensetzung vom Büro Lana Plan GbR gemessen wird.
 
Beteiligt sind außerdem die Gemeinde Hagnau mit ihrer bereits durchgeführten Renaturierungsmaßnahme und die Gemeinde Kressbronn mit ihrem durch Ufermauern veränderten Uferabschnitt, der künftig renaturiert werden soll. Der Uferabschnitt der Gemeinde Kressbronn bietet die Möglichkeit, Zustände vor und nach einer Renaturierungsmaßnahme zu vergleichen und damit nachzuweisen, wie sich Renaturierungsmaßnahmen auf die Wellen, Strömungen und den Sedimenttransport sowie auf die Lebensgemeinschaften in der Flachwasserzone auswirken.
 
Ufermauern etwa, mit denen das Land gegen Wellenschlag geschützt werden soll, werfen die Wellen zurück, lenken Strömungen ab und sorgen so an natürlichen Ufern dafür, dass Material abgetragen wird. „Wenn bestimmte Sedimente verloren gehen, gehen Eigenschaften des Lebensraums verloren, die für bestimmte Organismen wichtig sind. In Extremfällen kommt es zur Veränderung der gesamten Uferstruktur“, führt Hilmar Hofmann aus. Die Veränderungen können auch eingewanderte Arten befördern und einheimische Arten zurückdrängen. Sedimentabtragungen können unter anderem zum Verlust von stein- und bronzezeitlichen Kulturschichten führen. Ein Untersuchungsgebiet stellen die Pfahlbauten in Unteruhldingen dar, eine Weltkulturerbe-Stätte der UNESCO, an der in den vergangenen Jahrzehnten Sedimentabtragungen in der Größenordnung von bis zu einem Meter stattgefunden haben. Dies hat zur Freilegung und nachfolgenden Zerstörung der Bauhölzer der Siedlung geführt.
 
Das Projekt möchte Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Ufergestaltung unter Berücksichtigung der vorhandenen Nutzungsansprüche und Nachhaltigkeitskonflikte entwickeln und damit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und zum Management von Flachwasserzonen in Seen leisten.
 
„HyMoBioStrategie“ wird im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Regionales Wasserressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland (ReWaM)“ gefördert, die zum Förderschwerpunkt Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM) als Teil von FONA (Forschung für nachhaltige Entwicklungen) gehört.

Weitere Informationen finden Sie hier.