Aus Alt mach Neu!

Dr.-Ing. Alexandra Pehlken von der Universität Oldenburg will Ressourcen bewahren.

Die Expertin in Abfallfragestellungen ist auch Sicherheitsingenieurin und Qualitätsmanagerin. An der Uni Oldenburg forscht sie zum Automobilrecycling.

Alexandra Pehlken mit dem FONA-N (Universität Oldenburg)
Seit 2010 ist Alexandra Pehlken regelmäßig als Dozentin bei der Ingenieurinnen-Sommeruni der Universität Bremen dabei.
Foto: Universität Oldenburg

Umgang mit Ressourcen macht viel Spaß

Schon während ihres Bergbaustudiums widmete sie sich der Aufbereitung und dem Recycling fester Abfallstoffe. Dieses selbstgewählte Credo begleitet sie bis heute. So führte Pehlkens Weg von der RWTH Aachen über das „Natural Resources Canada“ in Ottawa, dem IFF (Internationale Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik) in Braunschweig und der Uni Bremen nach Oldenburg, wo sie seit 2014 die Nachwuchsforschergruppe CASCADE USE an der Universität Oldenburg leitet. Die Nachwuchsgruppe wird im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel - 4+1“ des Referats 724 gefördert.

Altes wieder nutzen ohne Qualitätsverluste

Die Begrenztheit von Rohstoffen ist für Pehlken nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern auch von großer ökologischer und gesellschaftlicher Relevanz. „Ich möchte aufzeigen, dass man Ressourcen einsparen und auch länger nutzen kann, dass man nicht unbedingt alles neu kaufen muss.“ Dieses Prinzip „Aus Alt mach Neu!“ war die Hauptmotivation Pehlkens am Automobilrecycling bei CASCADE USE zu forschen. Sie möchte Ressourcen möglichst lange einer Nutzungsphase zuführen können, damit keine neuen Primärrohstoffe eingesetzt werden müssen. Dazu forscht ihre Nachwuchsgruppe zur sogenannten Kaskadennutzung. „Unter einer Kaskade wird eine stufenartige Nutzung von Materialien bzw. Bauteilen in einer oder mehreren Lebenszyklen verstanden. So schauen wir in unserem Forschungsprojekt besonders auf die Wiederverwendung von Autos oder Autoteilen.“

Das orange FONA-N steht mit einem kleinen Modellauto auf einem Autodach. (Universität Oldenburg)
Das FONA-N mit dem Markenzeichen der Nachwuchsgruppe CASCADE USE, einem kleinen Forschungsauto.
Foto: Universität Oldenburg

Ein Tool zur Entscheidungsfindung

Mit ihrer Nachwuchsgruppe entwickelt sie Entscheidungsinstrumente, sogenannte Tools, die es Behörden und Regierungsvertretern ermöglichen, Technologien weiter zu fördern, bzw. zu untersagen. Aber auch Anwendern soll das Tool als Hilfsmittel dienen, um eigens für sich definierte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Der Fokus von CASCADE USE liegt auf der Wiederverwendung bzw. -verwertung von Altautoteilen in Deutschland und China, um zukünftig CO2-Emissionen einzusparen.

„Unser Motto: Spielend lernen!“

Pehlken freut sich über den fünfjährigen Förderzeitraum des vom BMBF geförderten Nachwuchsprojektes. „In dem üblichen Förderzeitraum von drei Jahren hätten wir nicht so viele Ergebnisse produziert.“ Als ein Resultat wurde in CASCADE USE eine SpieleApp entwickelt, die sich „Scrappy Bird“ nennt. Dabei müssen Städte sauber gehalten und Wertstoffe recycelt werden. Das macht Jugendlichen großen Spaß und so können sie an Tablets und Smartphones spielend lernen, was Wiederverwertung bedeutet. Die Mutter von drei Kindern ist auch in der sogenannten Forschungsbörse aktiv. Über diese Plattform kann sie von Lehrern gebucht werden, in die Schule zu kommen und mit Schülern beispielsweise über das Thema Elektromobilität zu arbeiten. Das ist eine Arbeit, die ihr und den Schülern sehr viel Spaß macht.

Highlights

In diesem Förderprogramm gibt es für Pehlken etliche Höhepunkte. Am wichtigsten war für sie die Unabhängigkeit innerhalb der Fragestellung des Themas Automobilrecycling. Aber über ein Highlight der Nachwuchsgruppe freut sie sich besonders: Eine ihrer Studentinnen wurde vom Verein Deutscher Ingenieure mit einem Preis für ihre Masterarbeit ausgezeichnet. Rikka Wittstock hatte das Thema der Rohstoffsicherung in Brennstoffzellen sehr technisch dargestellt, obwohl sie keine Ingenieurin ist.
Auch die internationale Zusammenarbeit mit chinesischen und kanadischen Forschern war für Alexandra Pehlken innerhalb von CASCADE USE von besonderer Bedeutung. Dabei war eine Konferenz zur Kaskadennutzung von Autos in Shanghai 2017 ebenfalls ein Highlight. „Ein weiterer Höhepunkt ist ja dann die Abschlusskonferenz ICCCE 2018 in Oldenburg, wo diesmal die Chinesen zu uns kommen.“

Dr.-Ing. Alexandra Pehlken im Interview