„Berliner Stadtwildtiere“ als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Das Projekt „Berliner Stadtwildtiere“ des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) wird am 7. November 2018 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Es gibt BürgerInnen die Möglichkeit, online Tierbeobachtungen zu sammeln und sich über heimische Wildtiere zu informieren. Es erhöht die Aufmerksamkeit für die Biodiversität in der Stadt, schließt Wissenslücken und stellt eine Datenbasis für weitere Forschungen zur Verfügung. Damit erfüllt es die Kriterien für die Auszeichnung, die an Projekte verliehen wird, welche sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.
Gruppenbild zur Preisverleihung der UN-Dekade Biologische Vielfalt des Projekt „Berliner Stadtwildtiere“ (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung / Kathleen Röllig)
Preisverleihung: „Berliner Stadtwildtiere“ als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet
Foto: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung / Kathleen Röllig

Die Auszeichnung wird am 7. November 2018 um 14 Uhr von Annie Mark, Director Strategic Relations der Wildlife Conservation Society Europe, am Leibniz-IZW verliehen. Damit wird eines von mehreren Umweltbildungs- und Bürgerwissenschaften-Projekten des Leibniz-IZW geehrt, in denen BürgerInnen sich auf verschiedenen Ebenen mit Biodiversität beschäftigen. Diese rückt immer mehr in den Fokus der Wissenschaft. Neben dem Erhalt von Arten und wertvollen Lebensräumen spielen dabei auch der Mensch und seine Beziehung zur Natur eine entscheidende Rolle. „Biologische Vielfalt ist nichts Abstraktes, das wir nur an exotischen Orten finden, sie ist direkt vor unserer Haustür und auch in der Stadt erlebbar“, sagt Sophia Kimmig, Doktorandin am Leibniz-IZW und maßgeblich beteiligt am Projekt „Berliner Stadtwildtiere“.

Das Erlebbarmachen dieser heimischen Vielfalt ist Ziel des Projektes. Das Onlineportal berlin.stadtwildtiere.de bündelt Informationen zu allen Wildtieren, die in der Hauptstadt heimisch sind. Interessierte können Tiersichtungen, Spuren oder Nester melden, Fotos hochladen und sich ihre und die Meldungen anderer anzeigen lassen. Sie können sich über Forschung zur Stadtökologie informieren und sogar Forschungsprojekte zum Mitmachen finden. „In diesen „Citizen Science“-Projekten bereichern BürgerwissenschaftlerInnen mit ihrem persönlichen Wissen die Forschung, sammeln Daten, übernehmen Aufgaben oder helfen bei der Entwicklung von neuen Fragestellungen. So bekommen sie auch einen Eindruck, wie Forschung funktioniert.

Die Plattform wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) betreut und vom BMBF-geförderten Projekt „Bridging in Biodiversity Research“ (BIBS) unterstützt. Sie ist Teil eines internationalen Verbundprojektes zu Stadtnatur, das vom Züricher Verein „StadtNatur“ ins Leben gerufen wurde. Das Projekt StadtWildTiere gibt es aktuell in den Städten Berlin, Bern, Chur, Luzern, St.Gallen, Wien, Winterthur und Zürich. In Baden-Württemberg startete zudem das Projekt „Wilde Nachbarn Baden-Württemberg“, welches sich auf den ländlichen Raum fokussiert.

Über die UN-Dekade Biologische Vielfalt
Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt (Biodiversität) aufzuhalten. Sie wurde von den Vereinten Nationen für den Zeitraum 2011 bis 2020 ausgerufen. In Deutschland wird die UN-Dekade im Auftrag von und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) umgesetzt. Zentrales Instrument ist der Wettbewerb für UN-Dekade-Projekte und -Beiträge. Gute Beispiele sollen als Vorbild dienen. Aus diesem Grund zeichnet die UN-Dekade Projekte und Beiträge aus, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen, und stellt diese auf den Webseiten und im Newsletter der UN-Dekade vor.

Über Wildtiere im Siedlungsraum
Die zunehmende Verstädterung führt zur Besiedlung urbaner Räume durch viele Wildtierarten. Die Artenvielfalt ist dort zum Teil höher als im ländlichen Raum, wo insbesondere die Landwirtschaft viele Arten verdrängt. Städte versammeln auf kleinem Raum oft sehr viele unterschiedliche Lebensräume. Sie bieten Versteckmöglichkeiten und ein großes Nahrungsangebot, daher erreichen einige Arten dort besonders hohe Dichten. Wildtiere in der Stadt sind ein wichtiger Teil der biologischen Vielfalt, und ihre Erforschung schafft die Grundlage für das Erarbeiten von Empfehlungen für ein gelungenes Wildtiermanagement. „Dabei ist es besonders wichtig, die Bevölkerung mit einzubeziehen“, schließt Sarah Kiefer, Citizen Science-Koordinatorin am Leibniz-IZW. „Durch das Bewusst- und Erlebbarmachen von Natur vor der Haustür können Neugierde und Interesse geweckt und Akzeptanz gefördert werden, um langfristig ein gutes Miteinander zu ermöglichen.“