Biodiversität ist wichtiges Thema beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau

Beim G7-Gipfel stehen drängende Themen wie Einwanderungs-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auf der Agenda. Zur breiteren Einbindung gesellschaftlich wichtiger Themen werden die Treffen von den Wissenschaftsakademien der G7 begleitet. So entstanden unter Federführung der Nationalen Akademie Leopoldina Stellungnahmen zu den Themen Antibiotikaresistenzen, Tropenkrankheiten und Zukunft der Meere. Alles Themen, bei denen die biologische Vielfalt eine entscheidende Rolle spielt. Mitautorin Prof. Antje Boetius war im NeFo-Interview erstaunt, welch weitgehende Forderungen der Wissenschaftler nicht nur akzeptiert sondern sogar in die offizielle Argumentation der Bundesregierung übernommen wurden.
Die diesjährigen G7-Themen sind ein weiterer Beleg dafür, dass Biodiversität immer stärker als relevantes Element gesellschaftlich drängender Fragen erkannt wird. So adressiert der Fortschrittsbericht der G7 für Elmau des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Biodiversitätsziele der G7. Auch die drei Schlüsselthemen, die die nationalen Wissenschaftsakademien gemeinsam mit den Regierungen priorisiert haben, hängen direkt oder indirekt mit gesunden Ökosystemen und deren Leistungen für die Gesellschaft zusammen. So sind Arten, besonders häufig Korallen oder Schwämme, die Grundlage für Entdeckungen neuer medizinischer Substanzen. Ein aktueller gemeinsamer Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UN-Biodiversitätskonvention CBD hebt den Zusammenhang erhöhter Risiken für Epidemien tropischer Infektionskrankheiten durch die Zerstörung tropischer Lebensräume hervor.

„Gesundheit ist ja unmittelbar mit dem Menschen verbunden. Deshalb fand ich diese Themenwahl relativ naheliegend", findet Prof. Antje Boetius. Dass allerdings auch die Ozeane so hoch auf der Agenda steht, wunderte die Tiefseeökologin am Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und am Max-Planck- Instituts für Marine Mikrobiologie dann doch. Boetius ist eine der Autorinnen des G7-Berichtes der Nationalen Akademien zur Zukunft der Meere. Der Grund für diese Priorität seien vor allem die aktuellen Entwicklungen durch die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, aber auch unsichere Schifffahrtsrouten durch Piraterie und zunehmende Umweltprobleme durch Rohstoffförderung in den Meeren. Biodiversität kommt hier vor allem als Lebensgrundlage an Land ins Spiel, denn die Verfügbarkeit von fruchtbaren Böden, Nahrungsressourcen wie Fisch sowie sauberem Trinkwasser hänge unmittelbar mit intakten Ökosystemen zusammen. Damit ist sie zentrales Element einer effektiven Entwicklungspolitik.

Zusammengefasst fordern die Wissenschaftsakademien bezüglich des Meeresschutzes

  1. eine Änderung des Kurses der nationalen CO2-Emissionen,
  2. die Reduktion und weitere Regulierung anthropogener Meeresverschmutzung,
  3. ein Ende der Überfischung sowie den Schutz der Biodiversität und der Ökosysteme der Meere durch forschungsbasierte verantwortliche Bewirtschaftung,
  4. die Verbesserung der internationalen Wissenschaftskooperation, um zukünftige Veränderungen der Ozeane sowie deren Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft und die Umwelt besser vorhersagen, handhaben und mildern zu können.


Besonders erstaunt zeigte sich Boetius, dass selbst hochambitionierte Forderungen, wie etwa nicht nur die Erhaltung von Fischbeständen und deren Lebensräume sondern auch die Wiederherstellung bereits überfischter Bestände, von der Bundesregierung übernommen wurde. „Hier hat ganz offensichtlich ein Wertewandel stattgefunden. Vor zehn Jahren hätte man das so nicht schreiben können", meint Boetius. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik in den vergangenen Jahren sei hier offenbar fruchtbar gewesen und erführe heute von beiden Seiten wesentlich mehr Akzeptanz.

Das vollständige Interview finden Sie hier.

Die verschiedenen G7-Berichte finden Sie hier.

Die Pressemitteilung der Leopoldina finden Sie hier.

Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland ist ein Projekt zur inter- und transdisziplinären Vernetzung und Sichtbarmachung der Biodiversitätsforschung in Deutschland über Institutionsgrenzen hinweg. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF und maßgeblich durchgeführt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig – UFZ sowie das Museum für Naturkunde Berlin (Leibniz-Gemeinschaft).