Neues aus der Ostsee-Zusammenarbeit: BONUS und HELCOM organisieren gemeinsame Konferenz zum Thema „Forschung und Innovation für Nachhaltigkeit

Die 120 Teilnehmer dieser Konferenz könnten verschiedener nicht sein: Wissenschaftler, Politiker, Repräsentanten zwischenstaatlicher Organisationen und NGO-Vertreter begegnen sich auf dem 7. BONUS Forum. Die Helsinki-Kommission (HELCOM), die für den Schutz der Ostsee arbeitet, nutzte die Veranstaltung, um die Akteure des Ostsee-Aktionsplans und Entscheidungsträger aus Politik und Wissenschaft zusammenzubringen. Sie alle verbindet die gleiche Motivation: wissenschaftliche Grundlagen für umweltpolitische Entscheidungen zu schaffen, die einen effektiven Schutz und eine nachhaltige Nutzung der Ostsee ermöglichen. Neben Ostsee-relevanten Akteuren haben die Gastgeber zudem Vertreter von OSPAR, ICES und JPI Oceans eingeladen, die Schlüsselrollen in der nachhaltigen Erforschung der Meere auf europäischer und globaler Ebene einnehmen und somit den Blickwinkel der Ostseeanrainer entscheidend erweitern.

Die Ostsee aus dem All (NASA Worldview)
Gemeinsames Ziel von HELCOM und BONUS: Der effektive Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ostsee
Foto: NASA Worldview

Das regelmäßig stattfindende BONUS Forum bot am 6. November 2018 in Kopenhagen den Ostsee-Forschern bereits zum siebten Mal die Möglichkeit, ihre Projektergebnisse den politischen Entscheidungsträgern der verschiedenen Anrainerstaaten vorzustellen. Die Themen reichen von Überdüngung und Verschmutzung zu Biodiversität und Nahrungsnetzen bis hin zur marinen Raumplanung und maritimen Wirtschaft. Das Forum dient traditionell dem Dialog zwischen Forschung und Politik und ermöglicht es den Teilnehmern, entstehende Forschungsbedarfe aus der Perspektive der politischen Entscheidungsträger zu diskutieren. So bot die Veranstaltung Gelegenheit, bestehende Synergien im Ostseeraum zu verfestigen und durch die Einbindung weiterer Akteure wie die zwischenstaatlichen und transnationalen Organisationen OSPAR, ICES und JPI Oceans den regionalen Fokus auf andere Meeresregionen auszuweiten. Gleichzeitig diente das Treffen der HELCOM als Gelegenheit, Feedback zur aktuellen Version des Ostsee-Aktionsplanes zu sammeln und die verschiedenen Sichtweisen der Akteure zu diskutieren.

Der November 2018 ist für BONUS in mehrfacher Hinsicht ein bedeutender Monat. Mit dem Start der Synthese-Projekte geht die aktuelle BONUS Ausschreibung in die Umsetzung: Die acht Synthese-Projekte mit einer Laufzeit von 18 Monaten adressieren ökologische, raumplanerische bzw. maritime Themen und werden nun Zusammenfassungen und Evaluierungen bisheriger Projekte angehen. Der zielgerichtete Transfer der Ergebnisse an die richtigen Nutzergruppen dient der optimalen Ausschöpfung aller eingesetzten Ressourcen.

Gleichzeitig fand am 7. November in Kopenhagen auch das Kick-off Meeting des EU-geförderten Projektes BANOS CSA (Baltic and North Sea Coordination and Support Action) statt, das den Rahmen für ein Nachfolgeprogramm von BONUS Artikel 185 erarbeiten soll. Ziel ist unter anderem, eine gemeinsame Forschungs- und Innovationsagenda für Nord- und Ostsee zu erarbeiten. Weiterhin steht die Entwicklung von Mechanismen und Instrumentarien für eine künftige Implementierung des Forschungsprogramms im Fokus. Räumlich, strukturell und thematisch könnte BONUS dann ab 2021 eine bedeutende Erweiterung erfahren. Das Konsortium setzt sich aus Forschungs- und Innovationsagenturen aus zwölf verschiedenen Ländern zusammen, die von HELCOM, ICES, JPI Oceans und OSPAR flankiert werden. „Die Europa umgebenden Meere sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, stellen bei genauerem Hinsehen aber vergleichbare Ökosystemdienstleistungen zur Verfügung“, sagt Andris Andrusaitis, geschäftsführender Direktor des BONUS Sekretariats und Koordinator der BANOS CSA-Maßnahme und betont damit den Bedarf nach mehr regionaler Kooperation, um den Nutzungsdruck auf Meere und Ozeane zu adressieren.

Die Ostsee als Modellregion für Küstenmeere im Wandel – dieser Aspekt stand auch im Vortrag „The Baltic as a Time Machine for Future Global Coastal Oceans“ im Mittelpunkt. Die zugehörige Publikation, an der 26 Autorinnen und Autoren aus 21 wissenschaftlichen Einrichtungen in sieben Ländern beteiligt waren, ist im Rahmen von zwei BONUS-Workshops entstanden. Die Kernaussage lautet, dass die Ostsee von vielen der aktuell ablaufenden Veränderungen wie Erwärmung, Versauerung, Überdüngung und dem Verlust von Sauerstoff heute bereits in einem Ausmaß betroffen ist, das für andere Küstenmeere erst für die Zukunft prognostiziert wird, und somit einen Blick in die Zukunft anderer Ökosysteme erlaubt. Gleichzeitig gehört die Ostsee zu den am besten erforschten Meeren der Erde mit Datenreihen, die oftmals einen Zeitraum von 100 und mehr Jahren abdecken. Dies bildet die Grundlage für fundiertes Ressourcenmanagement, und tatsächlich, trotz der eigentlich denkbar ungünstigen Ausgangslage der Ostsee, für eine Reihe von Management-Erfolgsgeschichten, so wie die Trend-Umkehr bei der Eutrophierung und der Bestandserholung vieler großer Räuber. „So zeigt die Zeitmaschine Ostsee trotz aller Probleme auch mögliche Lösungsansätze für Küstenmeere unter dem Einfluss von globalem Wandel an“, betont einer der beiden Erst-Autoren der Studie, Dr. Jan Dierking vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Originalpublikation
Reusch, T. H. B., J. Dierking, H. Andersson, E. Bonsdorff, J. Carstensen, M. Casini, M. Czajkowski, B. Hasler, K. Hinsby, K. Hyytiäinen, K. Johannesson, S. Jomaa, V. Jormalainen, H. Kuosa, S. Kurland, L. Laikre, B. R. MacKenzie, P. Margonski, F. Melzner, D. Oesterwind, H. Ojaveer, J. C. Refsgaard, A. Sandström, G. Schwarz, K. Tonderski, M. Winder, M. Zandersen (2018): The Baltic Sea as a time machine for the future coastal ocean. Science Advances 2018;4: eaar8195, http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aar8195

HELCOM
Die Helsinki-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseeraums (HELCOM) ist eine zwischenstaatliche Kommission, die für den Schutz der Meeresumwelt der Ostsee arbeitet. Die Kommission wurde von den Ostsee-Anrainern gegründet. Grundlage ist die Helsinki-Konvention von 1992, die am 17. Januar 2000 in Kraft trat. Dieses Abkommen löste die Helsinki-Konvention von 1974 ab. HELCOM kann nur Empfehlungen aussprechen, aber keine Beschlüsse oder Richtlinien verabschieden. HELCOM-Mitglieder sind die Europäische Union, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Russland und Schweden. Darüber hinaus unterzeichneten auch Norwegen und die Tschechische Republik die Helsinki-Konvention.
http://www.helcom.fi/

BONUS
Das Ostseeforschungsprogramm BONUS wird im Zeitraum 2011-2020 mit 100 Millionen Euro von den acht Anrainerstaaten und der EU gefördert. Im Zentrum von BONUS steht dabei der Gedanke, durch eine langfristige Zusammenarbeit die nachhaltige Entwicklung in der Region zu fördern. Damit beteiligt sich BONUS entscheidend an der Implementierung des Ostsee-Aktionsplans der HELCOM, der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, der EU Blue Growth Agenda sowie diverser nationaler, regionaler und europäischer Forschungsagenden.
www.bonusportal.org

ICES
Der International Council for the Exploration of the Sea (ICES, deutsch Internationaler Rat für Meeresforschung) wurde am 22. Juli 1902 in Kopenhagen von acht europäischen Ländern gegründet: Dänemark, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Russland und Großbritannien. Erster Präsident des Rates war 1902–1908 der Deutsche Walther Herwig.

Heute zählt der ICES 20 Mitgliedstaaten. Nach den acht Gründungsstaaten sind das Belgien, Kanada, Estland, Frankreich, Island, Irland, Lettland, Polen, Portugal, Russland, Spanien und die USA. Außerdem besitzen sechs Länder einen Beobachterstatus: Australien, Chile, Griechenland, Neuseeland, Peru und Südafrika. Ziel des ICES in den Anfangsjahren war die wissenschaftliche Arbeit an allen praktischen Problemen der Fischerei. Heute werden 110 Fischarten wissenschaftlich überwacht und deren Bestandsentwicklung erforscht. Außerdem soll der Rat als interdisziplinäres Forum für alle Fragestellungen der Meeresforschung dienen.
http://www.ices.dk/Pages/default.aspx

OSPAR
OSPAR steht für „Oslo“ und „Paris“ und ist ein völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks. OSPAR (oder OSPARCOM) ist nach den beiden Vorläufern Oslo-Konvention und Paris-Konvention benannt. OSCOM (1972) betraf die Verklappung, PARCOM (1974) die Einleitung umweltgefährlicher Stoffe aus Festlandquellen.[1] Nach dem Vertragsabschluss am 22. September 1992 in Paris wurden beide Konventionen durch OSPAR ersetzt. Der Begriff wird sowohl für den Vertrag als auch für die exekutive OSPAR-Kommission verwendet. Amtssitz des Sekretariats ist London.

Signatarstaaten sind Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Island, Luxemburg, Norwegen, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Europäische Union. Finnland, Luxemburg und die Schweiz haben über die Ostsee, die Mosel und den Rhein nur indirekten Kontakt mit den betreffenden Gewässern.

Die OSPAR ist zuständig für alles, was in die Nordsee oder den Nordatlantik eingeleitet, versenkt oder auf andere Weise eingebracht wird. Dazu gehören auch Windenergieanlagen und Bohrinseln.
https://www.ospar.org/