Leuchtturm der Tropenforschung: Bremer Meeresforschungsinstitut ZMT feiert 35-jähriges Jubiläum
Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen widmet sich tropischen und subtropischen Küstenökosystemen. Im Fokus der Forschung stehen wichtige Lebensräume wie Korallenriffe und Mangroven, um Handlungsempfehlungen für deren Schutz und nachhaltige Nutzung zu entwickeln. Jetzt feierte das ZMT im Beisein von rund 200 internationalen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein 35-jähriges Jubiläum.
Zwei hochkarätig und international besetzte Diskussionsrunden thematisierten die Veränderungen der Ozeane und deren Wechselwirkungen mit den globalen Gesellschaften. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Relevanz kooperativer tropischer Meeresforschung, die das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung seit seiner Gründung erfolgreich ausbaut.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär unterstreicht die besondere Bedeutung der Forschungseinrichtung: „Die marine Tropenforschung rückt immer stärker ins öffentliche Interesse, sowohl wissenschaftlich und ökologisch als auch sicherheitspolitisch und ökonomisch. Das macht die Expertise des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung so wertvoll." Das ZMT erforsche nicht nur die produktivsten Küstenökosystem der Erde, die zugleich die Lebensgrundlage für mehr als 400 Millionen Menschen sind, sondern besetze auch Zukunftsfelder der Klima- und Meeresforschung. Diese könnten ein Schlüssel für wichtige Innovationen sein: etwa bei der Gewinnung von Nahrungsmitteln auf Algenbasis oder der CO₂-Speicherung im Meer. "All das zahlt ein in die Hightech-Agenda Deutschland, mit der wir die Technologieführerschaft in ausgewählten Schlüsseltechnologien übernehmen wollen. Gemeinsame Projekte mit Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Malaysia oder mit den Inseln des Südpazifiks zeugen davon, dass die Projekte des ZMT international hoch anerkannt sind."
Die Gründung des Bremer Forschungsinstituts durch den engagierten Meeresforscher und Politikberater Prof. em. Dr. Dr. h.c. Gotthilf Hempel im Jahr 1991 wurde von Beginn an vom Bremer Senat unterstützt. Seit 2009 gehört das ZMT zur Leibniz-Gemeinschaft – ein Meilenstein in der Institutsgeschichte, der einen neuen organisatorischen Ausbau zur Folge hatte. Das ZMT wird seitdem gemeinsam vom Bund und dem Land Bremen gefördert. Karolina Kumar, Staatsrätin bei der Bremer Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: „Die Entscheidung, Anfang der 1990er-Jahre das ZMT zu gründen und tropische Küstenforschung in Bremen zu etablieren, war alles andere als selbstverständlich. Heute ist der Gründungsgedanke aktueller denn je: Klimawandel, menschliche Eingriffe in Ökosysteme und der Verlust biologischer Vielfalt lassen sich nur global verstehen – und nur gemeinsam bewältigen. Inzwischen hat sich das Institut zu einem international sichtbaren Leuchtturm der Tropenforschung entwickelt.“
Exzellenz, Relevanz und Wirksamkeit kooperativer Forschung
Mit den „Bremer Kriterien“ verpflichtete sich das ZMT seit den Anfangsjahren auf hohe Standards an die eigene Forschungszusammenarbeit mit Ländern im globalen Süden. Dieses Regelwerk wurde weiterentwickelt für eine weiterführende Kooperation auf Augenhöhe mit Partnerinstitutionen in tropischen Ländern. Exzellenz, Relevanz und Wirksamkeit der kooperativen Forschung in tropischen Küstengebieten sind heute wichtiger denn je, wenn es um die Bewältigung aktueller Herausforderungen von Klimarisiken und Nahrungsmittelsicherheit geht. Wichtiges Element dabei ist die integrierte Nachwuchsförderung. Über drei Jahrzehnte hinweg sind daraus nicht zuletzt wissenschaftliche Netzwerke mit Forschungseinrichtungen in mehr als 50 tropischen Ländern erwachsen.
Das Bremer Leibniz-Institut ist somit längst ein zentraler und wichtiger Forschungspartner im In- und Ausland, wie zwei Videobotschaften von langjährigen Partnern der Hasanuddin Universität aus Indonesien und des Instituto de Ciencias del Mar y Limnología (INCIMAR) der Universität del Valle in Kolumbien auf der Festveranstaltung eindrücklich zum Ausdruck brachten. Die tropischen Küsten beider Länder sind besonders vom Klimawandel betroffen. Lokale Forschungseinrichtungen kooperieren mit dem ZMT bereits seit Jahren, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen besser zu verstehen.
Erdsystemmodelle für tropische Küstenregionen
Aber das interdisziplinär ausgerichtete Institut erweitert sich angesichts der Klimaveränderungen auch strategisch – etwa in der Modellierung. Da tropische Küstenökosysteme bisher wenig in globale Klimamodelle integriert sind, baut das ZMT nun die neue interdisziplinäre Forschungsplattform TropECS (Modeling socio-economic dimensions across Tropical Coastal Ecosystems and the Earth System) auf. Dieser hochdifferenzierte Modellierungsansatz soll naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Dynamiken miteinander verknüpfen.
Für Prof. Dr. Raimund Bleischwitz, seit 2022 wissenschaftlicher Geschäftsführer des ZMT, ist das ein Weg, der notwendiges Handlungswissen für die Zukunft schafft und weitere Kooperationen ermöglicht, auch mit Akteuren aus Wirtschaft und Politik. „Mit Ergebnissen aus TropECS können Gesellschaften in den Tropenländern den Klimawandel mit Veränderungen im Ozean und in den Küstenökosystemen verstehen und kommende Risiken besser einschätzen. Wir brauchen den Methodenmix aus Feldforschung, Laborarbeiten, Modellierung und nachhaltigen Lösungsansätzen mit und für die Menschen vor Ort. Letztlich steht das ZMT für ein neues Wissenschaftsverständnis, das Exzellenz mit Relevanz und gesellschaftlichen Wirkungen verbindet.“
35 Jahre besteht das ZMT – ein Forschungsinstitut mit Aufgabengebieten im gesamten Tropengürtel. Als international anerkannter Partner in der Tropenforschung erweitert es unablässig seine Forschungsaufgaben und Arbeitsgebiete und schafft Expertise für mehr Wissenschaft und nachhaltiges Management tropischer Küstengebiete. Ein neues modernes und nachhaltiges Gebäude für all das ist in Bremen bereits in Planung.