Der 11. Baltic Sea Science Congress startet: 350 Ostseeforscher diskutieren ihre Forschungsergebnisse

Es ist die größte „Börse" für den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet der Ostseeforschung: Alle zwei Jahren treffen sich Ostseeforscher aus allen Anrainerstaaten und darüber hinaus im Rahmen des Baltic Sea Science Congress (BSSC), um ihre Forschungsergebnisse vorzustellen. In diesem Jahr findet der BSSC in Rostock statt. Gastgeber sind das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und die Universität Rostock.

Fünf junge Leute stehen vor Stellwänden, an die wissenschaftliche Poster gepinnt sind, die Graphen, Formeln und Text zeigen. (Marie Heidenreich/Projektträger Jülich)
Wissenschaftler diskutieren ihre Ergebnisse bei der BSSC-Postersession
Foto: Marie Heidenreich/Projektträger Jülich

Überdüngung, Blaualgen-Blüten, Sauerstoffmangel, Invasive Arten, Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebewelt, Eisbedeckung und Salzgehalt der Ostsee, Schadstoffeinleitungen ins Meer und Lösungsansätze für konkurrierende Nutzungsansprüche in der Ostsee: Der 11. Baltic Sea Science Congress umfasst ein breites Themenspektrum rund um die Ostsee. Die Veranstaltung, die vom 12. bis 16. Juni 2017 in der HanseMesse Rostock stattfindet, bietet rund 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 18 Staaten eine Plattform für insgesamt 107 Vorträge und über 200 Posterpräsentationen.

Elinor Andrén spricht beim Baltic Sea Science Congress in Rostock-Warnemünde. (Marie Heidenreich/Projektträger Jülich)
Elinor Andrén spricht beim Baltic Sea Science Congress in Rostock-Warnemünde.
Foto: Marie Heidenreich/Projektträger Jülich

Ziel des BSSC ist der internationale, interdisziplinäre Austausch zu aktuellen meereswissenschaftlichen Forschungsfragen und -ergebnissen aus dem Ostseeraum. Dabei werden Ergebnisse aus den Bereichen Biologie, Geologie, Hydrografie, Ozeanografie und Chemie vorgestellt. Der BSSC ist seit 2009 gleichzeitig die Plattform zur Präsentation der BONUS-Ergebnisse und wird deshalb vom Forschungs- und Entwicklungsprogramm für den Ostseeraum BONUS mitfinanziert. Damit stellt der Kongress eine bedeutende Plattform zur Darstellung internationaler Projekte im Ostseeraum und zur Entwicklung neuer gemeinsamer Forschungsideen dar.

Zahlreiche der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten FONA-Projekte stellten ihre Ergebnisse auf dem BSSC vor. So waren alle BONUS-Vorhaben mit deutscher Beteiligung mit eigenen Beiträgen vertreten. Darüber hinaus waren die Forschungsschwerpunkte KüNO (Ostsee) und Mikroplastik mit einer Vielzahl von Postern und Beiträgen vertreten. 

Der Rektor der Uni Rostock Prof. Dr. Wolfgang Schareck sowie IOW-Direktor Prof. Dr. Ulrich Bathmann begrüßten die Teilnehmer des BSSC. Als Eröffnungs-Keynote-Speaker war Prof. Dr. Martin Visbeck vom Geomar Kiel geladen. Visbeck berichtete in seiner Rede von der UN-Ozeankonferenz, die er in der vorangegangenen Woche in New York besucht hatte. Seinen Bericht verband er mit dem Appell an die Ostseeforscher, ihre Forschung mehr in die Öffentlichkeit zu tragen, damit ihre Erkenntnisse in gesellschaftliche Diskurse und in nationale und internationale politische Entscheidungsprozesse einfließen könnten. Dies wurde am zweiten Tag vom Keynote-Sprecher Prof. Dr. Hans-Otto-Pörtner nochmals aufgegriffen und bestärkt.

Drei Satelliten-Veranstaltungen sind im Programm untergebracht, die durch das Sekretariat der Förderorganisation BONUS in Helsinki finanziell unterstützt werden:

  • Nachwuchs für die Wissenschaft: Während des BONUS Young Scientist Day am 12. Juni konnten junge Ostseeforscher sich durch den australischen Experten Hugh Kearns hinsichtlich der Verbesserung ihrer Präsentationstechniken trainieren lassen. Anschließend laden die Jung-Forscher aus Rostock und Warnemünde ihre Gäste aus allen Ostseeanrainerstaaten zum Geocaching im IGA-Park ein, bei dem die Teilnehmer Kenntnisse zur Ostsee auch jenseits ihrer Fachdisziplin beweisen müssen.
  • Innovative Technologien: Auf dem Workshop „Technology for Science" am 14. Juni sollen der Wissenschaft neue Messgeräte und -methoden und den vertretenen meerestechnischen Unternehmen die Bedarfe der Wissenschaft nahe gebracht werden. Wie können wir am effektivsten Schadstoffe im Meer erfassen? Sind autonome Unterwasserfahrzeuge auch in der stark befahrenen Ostsee die Messegräte der Zukunft?
  • Wissenschaft für die Politik: Als drittes „side event" steht am 15. Juni ein „Science meets Policy" Block auf dem Programm. Angestoßen durch die Debatten um „fake news" geht es um die Frage, wie Politik sich die beste Wissenschaft sichert, um ihre Umweltpolitik mit evidenz-basierten Maßnahmen umzusetzen. Frau Sif Johansson, Direktorin des Rates der Mistra für evidenz-basiertes Umweltmanagement in Stockholm, und Frau Carola Veit, Präsidentin der Hamburger Bürgerschaft und derzeit Vorsitzende der Ostseeparlamentarier-Konferenz, werden zu Beginn einer Podiumsdiskussion ihre Sichtweisen auf das Thema darlegen.

Der Baltic Sea Science Congress findet alle zwei Jahre an wechselnden Veranstaltungsorten in Ostseenähe statt. Nach 1998 und 2007 ist Rostock nun das dritte Mal Gastgeber für diese Veranstaltung.