Drittmittelerfolg: ZMT leitet Forschungsprojekt ECOLOC auf der chinesischen Tropeninsel Hainan

Im Rahmen der vom Bund geförderten Deutsch-Chinesischen Kooperation in den Meereswissenschaften kann das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) erneut einen Erfolg verbuchen. Das Bremer Institut wird ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,3 Millionen Euro finanziertes Forschungsprogramm koordinieren. Acht weitere Forschungseinrichtungen aus Deutschland und China gehören dem Projekt ECOLOC* an, dessen Ziel es ist, schädigende Umwelteinflüsse in den tropischen Küstenökosystemen Chinas zu untersuchen und nachhaltige Nutzung vor Ort zu fördern.
Die Insel Hainan im südchinesischen Meer ist die einzige tropische Region Chinas und zugleich die größte Sonderwirtschaftszone des Landes. Unter den Chinesen gilt die Insel als populäres Reiseziel und erfreut sich einer ähnlichen Beliebtheit wie Mallorca bei den Deutschen.

Die Küsten Hainans säumen in weiten Teilen artenreiche Ökosysteme wie Mangrovenwälder, Korallenriffe und Seegraswiesen, die für die Fischerei und den florierenden Tourismus – zwei der zentralen Wirtschaftsfaktoren – eine wichtige Grundlage darstellen. Trotz ihrer ökologischen Bedeutung nehmen diese Ökosysteme Schaden durch die rapide zunehmende wirtschaftliche Nutzung. Ressourcen werden nicht nachhaltig genutzt, Abwässer aus Landwirtschaft, Aquakultur und Tourismusanlagen zerstören die empfindlichen Lebensräume. Unklar ist bisher auch der Einfluss eines östlich gelegenen Auftriebsgebiets. Hier steigt kaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche, das möglicherweise durch das tiefe südchinesische Meer gereistes, nährstoffreiches Wasser des Perlflusses mitbringt und so die Produktivität und die Artengemeinschaft beeinflusst.

„Die Insel Hainan ist für uns Wissenschaftler wie ein Labor, in dem wir Auswirkungen des Klimawandels und regionaler Umweltveränderungen ideal erforschen können. Wie in einem Brennglas bündeln sich hier viele der wichtigsten Umweltfaktoren, die die Meeresökosysteme in den Tropen beeinträchtigen“, so Dr. Tim Jennerjahn, Biogeochemiker am ZMT und Leiter des neuen Kooperationsprojekts von deutscher Seite.

Die Wissenschaftler wollen während des dreijährigen Projekts wesentliche Einflüsse auf die Ökosysteme wie etwa Einträge von Nähr- und Schadstoffen oder Krankheitserreger identifizieren, deren Verbreitung bestimmen und die Reaktion der Küstenhabitate auf die zunehmenden Veränderungen untersuchen.

„Die Ergebnisse sollen sowohl Beiträge zu globalen Forschungsprogrammen leisten als auch von direktem Nutzen für lokale Entscheidungsträger sein“, erklärt Dr. Tim Jennerjahn. Bei der Auftaktveranstaltung des Partnerkonsortiums Ende Juni in Haikou, der Hauptstadt Hainans, begleitete die ZMT-Forscher daher auch Dr. Bevis Fedder, Leiter des Büros für Wissensaustausch am ZMT. Erstmalig wird er ein Projekt von Beginn an bei der Vernetzung mit politischen Akteuren und Interessensgruppen vor Ort unterstützen.

Bei ECOLOC kooperieren das ZMT und acht weitere Forschungseinrichtungen aus Deutschland und China. Das Projektkonzept fußt auf den Ergebnissen des deutsch-chinesischen Forschungsvorhabens LANCET, das von 2006 bis 2011 unter Leitung des ZMT erfolgreich durchgeführt wurde.

 

*ECOLOC: Abkürzung für Environmental change affecting COastal ecosystems of tropical China during the Anthropocene: Landward vs. OCeanic influence

 

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.zmt-bremen.de/15.7.15.html