01.06.2015
17.10.2018


Früherkennung von Naturgefahren in Deutschland

Verglichen mit vielen anderen Regionen der Welt scheinen Deutschland und andere mitteleuropäische Länder von Naturgefahren nicht außerordentlich bedroht zu sein. Die Intensitäten und Häufigkeiten der Naturereignisse erreichen in der Regel nicht die Dimensionen, über die aus anderen Teilen der Welt berichtet wird. Allerdings können kaskadierende Effekte eine Verkettung von Einzelereignissen bewirken, die auch in Deutschland zu Extremereignissen führen können, die bisherige Vorfälle übertreffen.

Tsunami-Frühwarnsystem beim Meteorologischen, Klimatologischen und Geophysikalischen Dienst (BMKG) in Jakarta (Meteorologischer, Klimatologischer und Geophysikalischer Dienst (BMKG), Jakarta)
Tsunami-Frühwarnsystem beim Meteorologischen, Klimatologischen und Geophysikalischen Dienst (BMKG) in Jakarta
Foto: Meteorologischer, Klimatologischer und Geophysikalischer Dienst (BMKG), Jakarta

Schon die Erfahrungen der letzten Dekaden zeigen, dass in Deutschland Milliardenschäden durch Naturereignisse wie z. B. Sturm, Hagel und Überschwemmungen nicht außergewöhnlich sind. Allein in den 1990er Jahren betrugen die Schäden durch Naturereignisse rund zehn Millarden Euro. Neben den hydro-meteorologischen Ereignissen gibt es eine Reihe von Gefahren, deren Schadenspotential lokal begrenzt ist (Hangrutschungen, Erdfälle, Felsstürze) sowie technisch induzierte Gefährdungen (z. B. Erdbeben durch Bergbau oder Ober- und Untertage-Energiespeicher, Gewinnung von Erdwärme). Auch hier können kaskadierende Effekte zu einer enormen Steigerung des Gefahrenpotentials führen. Die hohe Besiedlungsdichte in Deutschland und die Wertekonzentration sind Ursache dafür, dass größere Naturereignisse zu immensen Schäden führen oder sich zu einer Naturkatastrophe ausweiten können. Allerdings können Gefahren für Menschen und Infrastrukturen durch Schutzmaßnahmen, Vorhersagen und Frühwarnung bereits im Vorfeld deutlich reduziert werden. Hierfür besteht ein Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Voraussetzung für eine Risikominimierung ist die Information über den Zeitverlauf der Gefährdung und das Ausmaß einzelner Risiken.

Hier kommt es insbesondere darauf an

  • geeignete Technologien und Sensoren zu entwickeln oder zu kombinieren und verschiedene Datenströme unterschiedlicher Skalen und Quellen zu verknüpfen,
  • empirische oder modellbasierte Prognosen zu verbessern, in die vorhandene Daten aber auch insbesondere Echtzeitinformationen integriert werden,
  • und in einzelnen Fällen (z. B. im Fall der technisch induzierten Gefahren) empirische wie modellbasierte Prognosen in Handlungsanweisungen zur Schadensvermeidung zu transformieren.

Zusammenfassend sollen vor dem Hintergrund der für Deutschland relevanten Naturgefahren integrierte Monitoring- bzw. Frühwarntechnologien auf Basis einer Kopplung moderner Sensor- und Informationstechnologien mit Auswertemethodik (weiter)entwickelt werden. Hierzu sind integrierte Ansätze zur Datenerfassung, -modellierung, -assimilation und -prognose erforderlich. Dabei sollen für Deutschland entwickelte und erprobte Systeme auch auf den internationalen Katastrophenschutz übertragbar und anwendbar sein.

Zuletzt geändert: 27.08.2018