01.11.2011
30.06.2019


German Barcode of Life (GBOL)

Eine genetische Bibliothek der Fauna und Flora Deutschlands

Zwei Wissenschaftlerinnen im Labor vor einem Computerbildschirm. (ZFMK, Bonn)
Artbestimmung im Reagenzglas in Sekundenschnelle
Foto: ZFMK, Bonn

Ziel des GBOL-Projektes ist es, jedes Tier, jede Pflanze und jeden Pilz in Deutschland anhand einer artspezifischen DNA-Barcode-Sequenz zu erfassen. Professionelle Taxonomen und Molekularbiologen aus ganz Deutschland arbeiten hierzu gemeinsam und mit modernsten molekularen Methoden an einer Referenzbibliothek des Lebens. GBOL sieht dabei eine umfassende Dokumentation aller Lebewesen Deutschlands vor: mit genetischem Fingerabdruck, Gewebeprobe und Belegexemplar. Der entschlüsselte DNA-Barcode jeder so erfassten Art wird über eine Referenz-Datenbank öffentlich verfügbar gemacht.
 
GBOL ist ein deutschlandweites Netzwerk aus verschiedenen Naturkundemuseen und weiteren Forschungsinstituten, in dem alle Partner ihre taxonomische Expertise und existierende Infrastruktur zur Verfügung stellen. Unterstützt werden die professionellen GBOL-Taxonomen durch eine Vielzahl ehrenamtlicher Taxonomen aus ganz Deutschland, um eine flächendeckende Erfassung der Tier- und Pflanzenarten zu gewährleisten (siehe auch https://www.bolgermany.de).
 
Mit der digitalen Verfügbarkeit des artspezifischen Barcodes wird es möglich sein, automatisierte und kostengünstige Werkzeuge zu entwickeln, unter deren Einsatz die Identifikation von Tier- und Pflanzenarten nicht nur deutlich schneller, sondern auch zuverlässiger erfolgen kann. Diese Form der Artbestimmung könnte die Biodiversitätsforschung einen deutlichen Schritt voranbringen. Die möglichen Anwendungsgebiete dieser innovativen Methodik sind dabei sehr vielfältig. Hierzu zählen z. B. das Biodiversitätsmonitoring  (Bewertung von Naturschutzmaßnahmen, Überwachung invasiver Arten, Analyse von Mischproben, usw.), Lebensmittelüberwachung (Aufdeckung von Etikettenschwindel) und Zollkontrolle (Identifikation illegaler Organismeneinfuhr), Forensik (Spurenanalyse), das Entdecken neuer Arten oder die Identifikation schwer bestimmbarer Lebensstadien (z. B. Larven, Eier). Erste Anwendungsbeispiele werden bereits im Rahmen des laufenden GBOL-Projektes bearbeitet.   
 
Mit dem im Jahre 2011 gestarteten GBOL-Projekt übernimmt Deutschland als Wissenschaftsnation eine führende Rolle in einem internationalen Konsortium aus Naturkundemuseen, Zoos, Herbarien, Botanischen Gärten, Forschungseinrichtungen und staatlichen Institutionen (iBOL und CBOL). Gemeinsames Ziel ist der Aufbau einer DNA-Barcode-Bibliothek des Lebens. Am Ende der aktuellen Förderphase wird der GBOL-Verbund für über 20 000 der aus Deutschland bekannten 48 000 Tierarten DNA-Barcodes erstellt haben, welche zusammen mit etwa 300 000 Belegexemplaren in den beteiligten Sammlungen als Referenzen verfügbar sein werden. Hinzu kommen noch Barcodes und Belege etwa der Hälfte der höheren Pflanzen, zahlreicher für die Beurteilung der Gewässerqualität wichtiger Kieselalgen sowie in der Landwirtschaft relevanter Schadpilze. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das GBOL-Projekt mit ca. 11,6 Millionen Euro.
 
Im Auftrag des BMBF (Referat 724 „Globaler Wandel - Klima, Biodiversität“) betreut der Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit des DLR Projektträgers die Fördermaßnahme German Barcode of Life fachlich und administrativ.

Zuletzt geändert: 25.02.2019