Hintergründe zu Erdbeben in Japan und Ecuador

Am 14. und 15. April 2016 wurde die japanische Insel Kyushu von zwei schweren Erdbeben der Stärke 6,1 und 7,0 erschüttert. Am 16. April kam es an der Küste Ecuadors zu einem Erdbeben der Stärke 7,7. Alle drei Erdbeben traten in Regionen auf, in denen eine hohe seismische Gefährdung besteht.
Erdbeben zerstören jährlich Infrastruktur im Wert von vielen Millionen US-Dollar. Allein in Japan verursachten Erdbeben im Zeitraum von 1900 bis 2015 ökonomische Schäden in Höhe von rund 360 Milliarden US-Dollar. (<p>ollirg/iStock/Thinkstock</p>)

Erdbeben zerstören jährlich Infrastruktur im Wert von vielen Millionen US-Dollar. Allein in Japan verursachten Erdbeben im Zeitraum von 1900 bis 2015 ökonomische Schäden in Höhe von rund 360 Milliarden US-Dollar.


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Jedes Jahr führen Erdbeben zu mehreren Tausend Todesopfern. Laut aktuellen Meldungen sind bei den Beben in Japan 41 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Todesopfer in Ecuador ist inzwischen auf 262 gestiegen, viele Menschen werden noch vermisst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Forschung zur Früherkennung von Naturgefahren im Rahmen des Programms Forschung für Nachhaltige Entwicklung. Mit dem neuen Tiefseeforschungsschiff SONNE führt das Bundesforschungsministerium regelmäßig Untersuchungen zur Plattentektonik im pazifischen Raum durch. Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ Potsdam erforscht Naturereignisse wie Erdbeben, um deren Ursachen und Auswirkungen besser zu verstehen und damit die Risikoanalyse und Katastrophenvorsorge zu unterstützen.

Erdbeben in Japan

Nach Angaben des GFZ bestand die Erdbebensequenz bei Kumamoto auf Kyushu im Süden Japans aus mehr als 14 Erdbeben mit einer Stärke von über 5 auf der Momenten-Magnituden-Skala (neuere Version der Richterskala). Das bisher stärkste Beben am Freitag erreichte einen Wert von 7,0. Das Bebenzentrum lag in relativ geringen Tiefen zwischen 10 und 21 Kilometern.

Auslöser der Erdbeben ist laut GFZ eine „horizontale Relativbewegung der Krustenschollen im Inland von Kyushu, die aufgrund schräger auftreffender Subduktion in der kontinentalen Kruste entstanden ist". Japan liegt in einer Zone hoher seismischer Gefährdung, die Erde bebt hier rund 5.000 Mal im Jahr: Vier Kontinentalplatten treffen in dieser Region aufeinander und schieben sich unter- und übereinander. „Im Nordwesten subduziert die Pazifische Platte unter die Okhotsk-Platte. Im östlichen Südjapan subduziert die Philippinische Platte unter die Eurasische Platte mit den Inseln Shikoku und Kyushu“, berichtet das GFZ. Erdbeben auf Kyushu seien vergleichsweise selten, so das GFZ weiter: „Im Umkreis von 100 Kilometer vom Epizentrum des Bebens vom 14. April 2016 wurden in den letzten 100 Jahren nur etwa 13 flache Erdbeben mit einer Magnitude von über 5 dokumentiert.“ In diesem Umfeld leben rund 5,7 Millionen Menschen, die Großstadt Kumamoto liegt nur wenige Kilometer von den Epizentren entfernt.

Erdbeben in Ecuador

Das Erdbeben in Ecuador 160 Kilometer westlich der Millionenstadt Quito ereignete sich in einer Tiefe von etwa 25 Kilometern und erreichte eine Momenten-Magnitude von 7,7. An der Küste vor Ecuador und entlang der Anden besteht eine hohe seismische Gefährdung: In den vergangenen rund 100 Jahren sind sieben weitere Beben mit einer Magnitude von über 7 in dieser Region aufgetreten, die stärksten in den Jahren 1906 und 1942.

Das GFZ beschreibt die gefährliche tektonische Situation in Ecuador: „Infolge der Subduktion der Nazca Platte unter Südamerika haben sich vor der Küste Tiefseegräben (Ecuador- und Peru-Chile-Graben) gebildet und im Hinterland hat sich die Gebirgskette der Anden über eine Länge von 9000 Kilometern mit den Hochebenen Altiplano und Puna aufgetürmt. Ketten von aktiven Vulkanen in den Anden sind überall dort entstanden, wo der Abtauchwinkel der Nazca Platte etwa 30 Grad beträgt.“ Der Bereich, in dem zwei Platten aufeinanderstoßen, wird als Plattengrenzfläche bezeichnet. Dort werden durch die Bewegung Spannungen aufgebaut, die sich durch einen plötzlichen Bruch dieser Grenzfläche abbauen. Der Mechanismus des Erdbebens deute laut GFZ darauf hin, dass es die Hauptplattengrenzfläche zwischen der ozeanischen Nazca-Platte und der Südamerikanischen Platte gebrochen hat. Durch das Beben wurde ein Tsunamialarm ausgelöst.

Erdbebenmonitor

Eine Übersicht über das aktuelle Erdbebengeschehen auf der Erde bietet das GeoForschungsZentrum mit seinem Erdbebenmonitor. Das in Potsdam ansässige Deutsche GeoForschungsZentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium und zu 10 Prozent vom Land Brandenburg finanziert.