Interkulturelle Kompetenz ist gefragt!

Dr. Nils Moosdorf vom Leibniz-Institut für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.

Der Hydrogeologe sitzt forschungstechnisch „zwischen allen Stühlen“ und findet genau das so spannend an seinem jetzigen Themengebiet.

Dr. Nils Moosdorf im Vordergrund und im Hintergrund ein Computerbildschirm mit einer Landkarte (Thorben Amann)
Dr. Nils Moosdorf
Foto: Thorben Amann

Inspiration durch Grenzübertritte

2017 hat Nils Moosdorf den Hermann-Credner-Preis der Deutschen Geologischen Gesellschaft erhalten. Damit wurde er für seine Forschung an submarinen Grundwasserabflüssen mit der Nachwuchsgruppe SGD-NUT ausgezeichnet. In seiner Arbeitsgruppe, die im Rahmen des Förderprogramms „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel - 4 + 1“ des BMBF Referats 724 gefördert wird, arbeiten neben Geologen und Hydrologen auch Biologen und Mineralogen. Mit ihnen gemeinsam interdisziplinär zu arbeiten, ist für Moosdorf eine Chance auf neue Erkenntnisse in Grenzübertritten. Dafür hatte er sich besonders bei seinen KollegInnen bedankt, „dieser wissenschaftliche Austausch ist für mich immer wieder spannend und inspirierend“.

Von Einheimischen lernen

Submarine Grundwasserquellen sind ein Naturphänomen, das in der Wissenschaft bisher kaum Beachtung fand. „Frischwasser, das einfach so im Meer sprudelt, hat etwas Magisches und beflügelt die Phantasie der Menschen“, sagt Moosdorf. Mit Hilfe von historischen Schriften, Reiseführern und Zeitungsartikeln machte sich das Team um Moosdorf besonders auf der indonesischen Insel Java auf die Suche nach den unterseeischen Quellen und untersucht deren Bedeutung für Mensch und Küstenökosysteme. Eindringlich erzählt er, wie sie Satellitenbilder interpretierten und schauten, wo die Temperatur im Ozean unterschiedlich war. Dort hatten sie submarine Grundwasserabflüsse vermutet. Dann am Ort, den das Satellitenbild anzeigte, war nichts zu finden. Dafür hatten sie sich drei Tage durch den Dschungel geschlagen, nur um dann eben nichts zu finden. Das sei extrem frustrierend. „Wenn man dann mit den lokalen Bewohnern, mit den Fischern spricht, dann sagen die »ja, da hinten ist das doch«. Das heißt, die wissen das und wissen auch, was das verursacht, was das macht im Ozean.“ Das sei ein Beispiel für ihn, wo Wissenschaftler erst noch von Einheimischen lernen müssen. „Diese Erkenntnis war total spannend.“ Doch trotz ihrer wichtigen Rolle sind auch submarine Quellen inzwischen bedroht – häufig führt Brunnenbau an Land zu deren Versiegen. Andernorts verschmutzen ungeklärte Abwässer und Rückstände aus der Landwirtschaft das Quellwasser. Darunter leiden nicht nur die Menschen, die aus diesen Quellen ihr Trinkwasser beziehen, sondern auch Küstenökosysteme wie Korallenriffe.

Interkulturelle Kompetenz

Internationale Zusammenarbeit ist für Moosdorf immer spannend. Dazu gehört aber auch eine gehörige Portion an interkultureller Kompetenz. In tropischen Ländern müsse man sich zunächst einmal der Geschwindigkeit vor Ort anpassen und erstmal lernen, wie dort alles funktioniert. Dazu kommt die Erkenntnis, dass man mit amerikanischen und britischen ForscherInnen eine gemeinsame Verständigung finden müsse, auch wenn alle Englisch sprechen.

Karriere und Familie

Für Moosdorf ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders herausfordernd, wenn er zu Forschungszwecken wieder ins Ausland muss. Aber auch zuhause sei das nicht immer leicht mit zwei Kindern, da auch seine Frau berufstätig ist. „Das heißt, wir sitzen jeden Sonntag zusammen und planen die kommende Woche Tag für Tag durch: wer bringt welches Kind zur Schule, zum Kindergarten, wer holt sie ab, etc. Wo müssen wir Babysitter einsetzen, wo haben wir Terminkonflikte?“ Da passiere es auch, dass ausgehandelt wird, wer den wichtigeren Termin hat und seinen dann auch absagen muss. Deshalb versucht er, seine Auslandsreisen so kurz wie möglich zu planen und ansonsten sehr kompromissbereit zu sein.

Dr. Nils Moosdorf im Interview