MARE:N - Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit

Meere sind der größte Lebensraum auf der Erde: Sie bedecken über zwei Drittel der Erdoberfläche. Daher hat der Schutz der Ozeane eine ganz besondere Bedeutung. Die Zukunft unseres Planeten hängt davon ab, wie verantwortungsvoll wir mit unserer Umwelt und den Meeren umgehen - Forschung ist dabei grundlegend. Deutschland verfügt über eine der modernsten Forschungsflotten weltweit. Gefördert wird die Forschung zum Schutz unserer Meere, Küsten und Pole vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Forschungsprogramms "MARE:N - Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit".
Meeresgeologisches Probenahmegerät zur Beprobung von Sedimenten auf dem Forschungsschiff SONNE (Thomas Walter)
Einsatz des Multicorers zur Beprobung von Sedimenten auf dem Forschungsschiff SONNE
Foto: Thomas Walter

Welche Rolle spielen die Ozeane als Wärme- und Kohlendioxid-Speicher und wie wirken sich steigende Meeresspiegel und verändertes Klima auf die Küstenregionen aus?  Welche Folgen haben Vermüllung und Versauerung der Meere für die biologische Vielfalt und die Versorgung der Menschen? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Meeresforschung. Die Herausforderung besteht darin, das ökologische Gleichgewicht der marinen und polaren Regionen zu erhalten und die Nutzung natürlicher Ressour­cen und Ökosystemleistungen langfristig für heutige und zukünftige Ge­neratio­nen zu sichern.

Die Küsten-, Meeres- und Polarforschung soll diesen Herausforderungen in den nächsten Jahrzehnten begegnen und präventiv Lösungen finden. Sie stellt in diesem Sinne eine umfassende „Vorsorgeforschung“ dar, die zukunftsorientiert und innovativ ausgerichtet ist. Orientiert an den globalen Herausforderungen sind interdisziplinäre Forschungsansätze nötig. Sie liefern Erkenntnisse, die es ermöglichen, Veränderungen zu bewerten und Prognosen für die Zukunft unseres Planeten zu formulieren.

Im Juni 2016 stellte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka das neue Forschungsprogramm der Bundesregierung "MARE:N - Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit" vor. MARE:N formuliert unter dem Dach des Rahmenprogramms Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) neue gemeinsame Ziele für eine zukünftige Forschungsförderung in den Küsten-, Meeres- und Polarregionen. Gleichzeitig setzt MARE:N einen forschungspolitischen Dialog mit Expertinnen und Experten aus Forschung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik in Gang, damit auf Basis gesicherter Erkenntnisse Lösungswege für die Zukunft der Meere und Ozeane entwickelt werden.

Die Weltmeere verstehen

70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Doch über diesen größten aller Lebensräume wissen wir nach wie vor vergleichsweise wenig. Dabei spielen die Ozeane – neben der Atmosphäre – die treibende Rolle im Klimageschehen und im Stoffhaushalt der Erde. Die Klimaforschung ist ohne eine leistungsfähige Meeres- und Polarforschung undenkbar. So kann die Klimageschichte anhand von Eiskernen aus den großen Eisschilden unseres Planeten mit Hilfe der Polarforschung rekonstruiert werden.  Wenn wir uns an unseren Küsten vor Sturmfluten und den Gefahren durch den Anstieg des Meeresspiegels schützen wollen, müssen wir die Physik, Chemie und Biologie in unseren Weltmeeren verstehen.

Deutschland verfügt über eine der modernsten Forschungsflotten weltweit und nimmt damit seine Verantwortung für die Zukunftsvorsorge wahr. Die deutschen Forschungsschiffe sind auf den Ozeanen und in den Polargebieten im Dienst der Forschung unterwegs und wichtiger Bestandteil internationaler Wissenschaftskooperationen. Als Plattformen für die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit liefert die Forschungsflotte für den Ausbau der internationalen Beziehungen einen wichtigen Beitrag.

Verletzliche Küstenregionen schützen

Die Küstenräume haben eine große Bedeutung als Lebens-, Natur- und Wirtschaftsraum. Sie bilden, mit ihren Einzugsgebieten die Schnittstelle an von Land, Meer und Gesellschaft. 70 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe. Der Klimawandel verursacht eine zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen wie Sturmfluten, die die verletzlichen Küstenregionen gefährden. Hinzu kommt der Meeresspiegelanstieg in Folge der Erwärmung des Meerwassers und des Abschmelzens der Eismassen. Die Entwicklung und Verbesserung von Frühwarnsystemen vor Naturgefahren für die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels sind hier unerlässlich.

Weltweit werden Küstengebiete immer stärker besiedelt: So sind die Küstenräume beispielsweise stark durch den Bau von regenerativen Energieanlagen, den Schiffsverkehr, den Trassenbau und den Tourismus geprägt. Gleichzeitig sind sie aber auch ein einzigartiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und wichtiges Kultur- und Naturerbe der Menschheit.  Bei der nachhaltigen Entwicklung der Küstenregionen steht die Gesellschaft vor der Herausforderung, die natürlichen Ressourcen unter den Bedingungen des globalen Wandels zu nutzen und sie gleichzeitig für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die Forschung ermittelt hierzu Daten und mögliche Lösungswege auf deren Grundlagen eine erfolgreiche Umwelt- und Wirtschaftspolitik gestaltet werden kann.

Rohstoffe nachhaltig nutzen

Im Hinblick auf den zukünftigen Rohstoff- und Energiebedarf kommt der Geoforschung eine entscheidende Rolle zu. So gewinnt der geologische Untergrund in seiner Rolle als Lagerstätte, Speicher, Energieträger oder Endlager zunehmende Bedeutung. Für eine nachhaltige Nutzung des Untergrundes besteht Forschungsbedarf in vielen Bereichen, wie der geologischen Erkundung oder der Entwicklung von Monitoring-Methoden. Auch die Ansprüche in den sensiblen Tiefsee- und Polarregionen zur Nutzung der Meeresressourcen werden weiter zunehmen. Hier müssen internationale Standards so gesetzt werden, dass eine verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung möglich wird, die den Schutz dieser Ökosysteme nicht aus dem Blick verliert.

Geowissenschaftliche Erkenntnisse liefern die Grundlage für ein Verständnis der komplexen dynamischen Prozesse unserer Erde.  Die hierdurch verursachten Naturkatastrophen gehen meist mit einem hohen Verlust an Menschenleben und an materiellen Werten einher. Während  die von Erdbeben an Land verursachten Schäden meist regional begrenzt sind, können Seebeben Schäden auch an weit entfernten Küsten verursachen. Dafür liefert die Geoforschung mit der Entwicklung von Vorhersageinstrumenten und Frühwarnsystemen, wichtige Beiträge zum Schutz der Bevölkerung vor Naturkatastrophen.

Wissenschaftsjahr "Meere und Ozeane"

Im Juni 2016 eröffnete Bundesforschungsministerin Wanka das Wissenschaftsjahr 2016*2017 "Meere und Ozeane" unter dem Motto "Entdecken. Nutzen. Schützen". Das Wissenschaftsjahr 2016*17 gibt nicht nur Küstenbewohnern, Konsumenten von maritimen Produkten oder Meeresforschern die Gelegenheit, zu den Chancen und Herausforderungen im Kontext der Meeres- und Ozeanforschung ins Gespräch zu kommen. Eingeladen sind alle, die sich für das Thema begeistern und mehr erfahren möchten.

Die Publikationen des Bundesforschungsministeriums können Sie hier kostenfrei bestellen.

Zuletzt geändert: 29.08.2017