Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des Klimakompetenzzentrums SASSCAL
2012 riefen Länder des südlichen Afrikas gemeinsam mit dem deutschen Bundesforschungsministerium das Klimakompetenzzentrum SASSCAL ins Leben. Heute zählt das Zentrum zu den wichtigsten wissenschaftlichen Einrichtungen für Klimaforschung in der Region.
Im südlichen Afrika zeigen sich die Folgen des Klimawandels besonders deutlich: wiederkehrende Dürren, schwindende Wasserressourcen und häufigere Überschwemmungen durch Starkregen prägen die Region. Um diesen Herausforderungen mit wissenschaftlichen Lösungen und regionaler Expertise zu begegnen, gründete das damalige Bundesforschungsministerium gemeinsam mit fünf Ländern des südlichen Afrikas 2012 das „Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management“ (SASSCAL). Zeitgleich wurde ein zweites Zentrum mit gleichem Auftrag im westlichen Afrika aufgebaut (WASCAL). Die Zentren wurden geschaffen, um wissenschaftliche Grundlagen zu stärken, Daten verfügbar zu machen und praxisnahe Lösungen für eine klimaresiliente Entwicklung zu erarbeiten.
2012: Der Startschuss für SASSCAL
Das Klimakompetenzzentrum SASSCAL wurde im Jahr 2012 offiziell ins Leben gerufen. Die Gründungsstaaten – Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Südafrika – schlossen sich mit dem deutschen Bundesforschungsministerium zusammen, um eine langfristige Forschungsstruktur aufzubauen, die die regionalen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt.
Der Hauptsitz wurde in Windhoek, Namibia, eingerichtet. Von dort aus begann der Aufbau eines Netzwerks, das Forschungseinrichtungen, Universitäten und Behörden miteinander verbindet.
2012–2016: Aufbauphase
Nach seiner Gründung begann SASSCAL mit dem systematischen Aufbau seiner organisatorischen und wissenschaftlichen Strukturen. In allen Partnerländern wurden erste Forschungs- und Monitoring-Kapazitäten geschaffen – darunter Wetterstationen, Umweltmessnetze, Labore und digitale Datenplattformen. In dieser Phase entstand auch eines der wichtigsten technischen Fundamente des Zentrums: das SASSCAL WeatherNet und das ObservationNet, die als umfassende Messnetze für Klima , Umwelt und Hydrologiedaten aufgebaut wurden. Beide Netze liefern bis heute kontinuierlich hochwertige Daten, die über das Open Access Data Centre (OADC) kostenfrei bereitgestellt werden.
Parallel dazu wurden Kooperationen mit Universitäten, Forschungsinstituten und Behörden aufgebaut, um eine gemeinsame wissenschaftliche Basis zu schaffen. Diese Aufbauphase legte das Fundament für weiterführende Forschungsarbeiten, die Verankerung des Zentrums durch regionale Forschungs-Hubs und die Etablierung von SASSCAL als zentraler Akteur der Klimaforschung im südlichen Afrika.
2017–2020: Konsolidierung und regionale Verankerung
Zwischen 2017 und 2020 entwickelte sich SASSCAL zu einem anerkannten Akteur in der Klimaforschung im südlichen Afrika. Die Forschungsnetzwerke wurden erweitert, die Datenplattformen professionalisiert und die Zusammenarbeit mit nationalen Ministerien intensiviert. Gleichzeitig entstanden praxisnahe Lösungen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz, die direkt in lokale und nationale Entscheidungsprozesse einflossen. SASSCAL wurde somit zunehmend zu einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis – ein Ziel, das das Bundesforschungsministerium von Beginn an verfolgt.
2020: SASSCAL 2.0 und H2Atlas Africa – Forschung für die Zukunft
Mit dem Forschungsprogramm SASSCAL 2.0 (2020–2026) begann eine neue Phase, in der Forschung, Innovation und regionale Verantwortung weiter gestärkt wurden. Die Projekte konzentrierten sich auf folgende Bereiche: Nahrungsmittelsicherheit, Wassersicherheit, Bewahrung der Biodiversität, nachhaltige Forstwirtschaft und Waldnutzung sowie Klimadienstleistungen.
Mit dem Start des vom deutschen Bundesforschungsministerium initiierten Projekts „H2Atlas Africa“ (2020–2024) setzte SASSCAL einen weiteren strategischen Meilenstein. Das Zentrum übernahm die regionale Umsetzung für das südliche Afrika und entwickelte gemeinsam mit Forschungspartnern die erste umfassende Analyse des Potenzials für die Produktion von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Dadurch wurde die Rolle von SASSCAL im Bereich nachhaltiger Energiesysteme gestärkt und es wurden neue Perspektiven für Forschung, Innovation und wirtschaftliche Entwicklung in der Region eröffnet.
2022 bis heute: Start des Graduiertenschulprogramms
Ein bedeutender Meilenstein war der Start des ersten Doktorandenprogramms im Rahmen des SASSCAL Graduiertenschulprogramms im Bereich Wasserressourcenmanagement im Jahr 2022 in Zusammenarbeit mit der Namibia University of Science and Technology (NUST). Das Programm stärkt die wissenschaftliche Ausbildung in einem für die Region zentralen Themenfeld. Die Doktoranden des ersten Jahrgangs haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen. 2026 startete ein zweiter Jahrgang mit weiteren Forschungsarbeiten in das namibische Doktorandenprogramm.
Mit der Einrichtung des Graduiertenschulprogramms begann eine Phase, in der SASSCAL nicht nur Forschungsergebnisse bereitstellt, sondern auch aktiv zur Ausbildung einer neuen Generation von Fachkräften im südlichen Afrika beiträgt – ein Kernanliegen des Bundesforschungsministeriums. Ein weiteres Doktorandenprogramm zu Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und nachhaltigem Landmanagement ist 2026 gemeinsam mit der José Eduardo dos Santos University (UJES) in Angola gestartet.
Bedeutung heute: Ein zentraler Pfeiler der Klimaforschung im südlichen Afrika
Durch den Aufbau seiner regionalen Forschungs-Hubs in den Partnerländern entwickelt sich SASSCAL heute zu einem regional verankerten Kompetenzzentrum weiter: SASSCAL stellt wissenschaftliche Daten bereit, bildet Fachkräfte aus, unterstützt politische Entscheidungsprozesse und bringt Innovationen in die Region. Damit erfüllt SASSCAL das Ziel, welches das Bundesforschungsministerium mit seiner Mitinitiierung erreichen wollte: eine langfristig angelegte, afrikanisch geführte Struktur, die den Ländern dabei hilft, den Klimawandel mit eigener Expertise zu bewältigen.
Klimakompetenzzentren in Afrika
Das „West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use“ (WASCAL) in Westafrika und das „Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management“ (SASSCAL) im südlichen Afrika sind regionale Klimakompetenzzentren, die das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gemeinsam mit afrikanischen Partnerländern aufgebaut und etabliert hat. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 unterstützt das BMFTR beide Einrichtungen, um wissenschaftliche Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen und die afrikanischen Partnerländer im Umgang mit den Folgen des Klimawandels zu stärken.
Die Zentren verbinden Kapazitätsaufbau, Forschung und moderne Dateninfrastruktur. Zu den Schwerpunkten zählen Klima, Landwirtschaft, Biodiversität, Ernährung, Wasser und Landnutzung, erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff.
Die Aus- und Weiterbildung ist ein zentraler Bestandteil: Durch Graduiertenschul- und Trainingsprogramme sowie Forschungskooperationen wird vor Ort das Fachwissen aufgebaut, das für langfristige, eigenständige Lösungen im Klimaschutz und in der nachhaltigen Entwicklung in den Regionen erforderlich ist.
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