Partizipationsnutzen - Mehrwert durch Partizipation? Der Einfluss von Bürgerbeteiligung auf Qualität und Legitimität politischer Entscheidungen zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Gesellschaftliches Handeln, zum Beispiel zur Bekämpfung des Klimawandels, erfordert einen tragfähigen gesellschaftlichen Konsens über die Ziele und Wege dieses Handelns. Allerdings steht die Herstellung kollektiver Zustimmung zu solchem Handeln großen Herausforderungen gegenüber: So erzeugt die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft eine hohe individuelle Betroffenheit, denn die notwendigen Veränderungsprozesse machen nicht selten Verhaltensänderungen nötig, zum Beispiel in der persönlichen Mobilität, im Ressourcenverbrauch oder im Konsum. In der Folge treffen die notwendigen Transformationsprozesse, die eines gemeinsamen Handelns bedürfen, auf individuelle Widerstände. Es ist die Aufgabe von Politik, dieser Herausforderung zu begegnen und kollektives Handeln auch gegen Widerstände zu organisieren. Eine Möglichkeit ist die stärkere Beteiligung von Betroffenen an den Verfahren der Entscheidungsfindung, die durch digitale Medien erleichtert wird.

Ziel des Projekts ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie und unter welchen Bedingungen Bürgerbeteiligung einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten kann. Dazu werden zwei zentrale Argumente für verstärktes Teilhaben von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Entscheidungen untersucht: a) dass partizipative Prozesse zu einer besseren Qualität der Entscheidungen sowie b) zu mehr Legitimität dieser Entscheidungen führen. Hierzu werden partizipative Verfahren, die von öffentlichen Institutionen im Rahmen der Stadtentwicklung im Zusammenhang mit nachhaltiger Mobilität initiiert werden, vergleichend untersucht. Die Sozialwissenschaften bündeln ihre Kräfte mit der Stadt- und Raumplanung und der Informatik, um die Veränderung individueller Einstellungen zu untersuchen, die inhaltliche Relevanz der durch Beteiligung gewonnenen Erkenntnisse zu bewerten, sowie diese Prozesse durch automatisierte Auswertungs- und Visualisierungsmethoden gezielt zu unterstützen. Neben der prozessbegleitenden Untersuchung von Beteiligungsverfahren vor Ort soll eine Fallstudiendatenbank von Beteiligungsverfahren und deren Ergebnissen aufgebaut und öffentlich zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus wird eine Open-Source Software zur (teil-)automatisierten Auswertung und Visualisierung der Beteiligungsbeiträge auf einer Partizipationsplattform sowie Leitlinien für Beteiligungsverfahren entwickelt und verbreitet.

 

Projektleitung
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Prof. Dr. Tobias Escher
Tel.: 0211 / 81-11635
E-Mail: escher@diid.hhu.de

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