Kompetenzzentren für Klimawandel und angepasstes Landmanagement in Afrika – Regional Science Service Centres (RSSC)

Wie kann Afrika die Folgen des Klimawandels bewältigen? Durch Dürren und Extremwetterereignisse werden Böden und Wälder stärker belastet. Zwei Klimakompetenzzentren im westlichen und südlichen Afrika erforschen und testen gemeinsam mit deutschen Forschungseinrichtungen Lösungen für die Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel und bilden wissenschaftlichen Nachwuchs aus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt sie dabei.

Im Übereinkommen von Paris haben sich die Staaten das Ziel gesetzt, weltweit die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu erhöhen. Insbesondere Entwicklungsländer sollen bei der Klimaanpassung unterstützt werden. Afrika ist vom Klimawandel bereits jetzt besonders betroffen, obwohl es der Kontinent mit den geringsten Schadstoffemissionen ist. Viele Länder des Kontinents brauchen daher eine starke Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Dafür übernimmt Deutschland Verantwortung und leistet damit auch einen Beitrag zu den Zielen der Vereinten Nationen für die nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG).

Der Sektor Landnutzung spielt eine zentrale Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel, denn die Ökosystemleistungen der Natur wie die Bereitstellung von Sauerstoff, Nahrungsmitteln, Nährstoffen, etc. sichern die existenziellen Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Daher stellen sich Fragen immer dringlicher, wie beispielsweise die Länder Afrikas konsequent gegen die aktuellen Klimaänderungen vor Ort vorgehen können und mit welchen Maßnahmen die Situation der Länder verbessert werden kann. Um diese Fragen wissenschaftlich fundiert zu beantworten, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit elf Partnerländern des westlichen und fünf des südlichen Afrikas zwei regionale Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement in Afrika aufgebaut. In den Aufbau der beiden Zentren WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use) und SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) hat das BMBF von 2010 bis 2020 bereits mehr als 150 Millionen Euro investiert.

SASSCAL und WASCAL stehen in ihren Regionen für exzellente akademische Ausbildung, innovative und praxisorientierte Forschung in internationaler Kooperation und den Aufbau und Betrieb von Forschungsinfrastruktur. Das übergeordnete Ziel dieser Initiative des BMBF ist es, die vom Klimawandel betroffenen afrikanischen Länder beim Aufbau von wissenschaftlichen Strukturen zu unterstützen, damit sie vor Ort selbst valide Entscheidungen zum Beispiel für nachhaltige Landnutzung, Wasserversorgung und Ernährungssicherung treffen können. Das BMBF leistet auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer afrikanischen Wissensgesellschaft leisten und zur Stärkung der Potenziale für die Anpassung an den Klimawandel in Afrika.

Das BMBF ist entschlossen, die Bemühungen der afrikanischen Partnerländer im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels auch weiterhin finanziell und politisch zu unterstützen. Deshalb stellt das BMBF weitere 10 Millionen Euro je Zentrum für die zweite Forschungsphase von 2020 bis 2024 bereit. Damit strebt das BMBF an, regionale und international anerkannte wissenschaftsbasierte Zentren für Klima- und Umweltdienstleistungen (Climate and Environmental Services Centre – CESC) in den jeweiligen Regionen zu etablieren.

Neben der Forschung betreiben beide Zentren ein Graduiertenschulprogramm in enger Zusammenarbeit mit renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen aus der Region und aus Deutschland. Hierfür werden allein für WASCAL von 2021 an weitere ca. 11 Millionen Euro für den fünften Studienjahrgang und für SASSCAL weitere 3 Millionen Euro zur Etablierung einer ersten Graduiertenschule zum Thema „Integriertes Wasserressourcenmanagement" in Partnerschaft mit der Namibia University of Science and Technology (NUST) in Windhoek, Namibia, und dem Internationalen Zentrum für Wasserressourcen und Globalen Wandel (ICWRGC) in Koblenz investiert. Zusätzlich ist bereits 2019 das SASSCAL/WASCAL-Alumni-Programm „climapAfrica" mit ca. 4,5 Millionen Euro Unterstützung eingerichtet worden.

SASSCAL und WASCAL spielen auch eine wichtige Rolle in der internationalen Kooperation des BMBF bei grünen Wasserstofftechnologien und für den Aufbau strategischer Partnerschaften als Türöffner für den Aufbau einer globalen grünen Wasserstoffwirtschaft. Darin liegen enorme Chancen, denn durch den Aufbau eines nachhaltigen Energiesystems mit neuen Wertschöpfungsketten kann positive Entwicklungsdynamik entfaltet werden. Dazu werden Wissenschaft, Politik, Unternehmen und Investoren von vornherein eingebunden. Fachpersonal wird vor Ort ausgebildet und nachhaltige internationale Wissensnetzwerke werden aufgebaut.

Mit der Initiative WASCAL (West African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) wurde ein regionales Kompetenzzentrum für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement im westlichen Afrika aufgebaut. Dazu arbeitet Deutschland mit den Staaten Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Togo und den Kapverden zusammen. Das Klimakompetenzzentrum wurde 2012 durch einen Kooperationsvertrag zwischen den Mitgliedsländern gegründet und als internationale Organisation in der Verantwortung der afrikanischen Partnerländer etabliert. Das Zentrum hat seinen Verwaltungssitz in Accra, Ghana, und einen zweiten Sitz am Standort des WASCAL Forschungs- und Datenzentrums in Ougadougou, Burkina Faso. Das BMBF beteiligt sich an der Entwicklung der Institution vor allem über programmorientierte Förderung für Forschung und Kapazitätsentwicklung sowie durch Investitionen in die Forschungsinfrastruktur. WASCAL steht dabei in engem Austausch mit der Schwesterorganisation SASSCAL im südlichen Afrika.

Regionale Bildungs- und Forschungskapazitäten aufbauen

Ein Schwerpunkt der internationalen Institution WASCAL ist das international renommierte regionale Graduiertenschulprogramm mit thematischen Schwerpunkten zu Klimaschutz und Klimaanpassung. Seit 2012 haben in bereits vier abgeschlossenen Studienjahrgängen insgesamt mehr als 300 Masterstudierende und Promovierende erfolgreich ihr Aufbaustudium und ihre Promotion abgeschlossen. WASCAL rekrutiert aktuell den fünften Studierendenjahrgang für zwei Master- und zehn Doktorandenprogramme in elf Mitgliedsländern aus der ECOWAS-Region. Die Programme sind langfristig ausgerichtet und werden kontinuierlich angeboten, um die notwendigen Kompetenzen vor Ort nachhaltig zu stärken und Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in ihren Heimatländern zu schaffen.

2021 starten die Projekte der jüngsten Förderbekanntmachung. Sie dient dem Ausbau der Forschungsfelder von WASCAL durch Stärkung und Konsolidierung der bereits bestehenden Partnerschaften der westafrikanischen und deutschen Wissenschaftsgemeinschaft.

Hier geht es zu den WASCAL-Forschungsverbünden

Mit der Initiative SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) wurde ein regionales Kompetenzzentrum für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement im südlichen Afrika aufgebaut. Teilnehmerstaaten sind Namibia, Südafrika, Botswana, Sambia und Angola sowie Deutschland. Das Klimakompetenzzentrum wurde 2012 durch einen Kooperationsvertrag zwischen den Mitgliedsländern gegründet. Das Zentrum hat seinen Verwaltungssitz in Windhoek, Namibia. Seit der Umwandlung der Institution SASSCAL in eine internationale Organisation Ende 2019 ist SASSCAL – wie geplant – in die Verantwortung der afrikanischen Partnerländer übergeben worden. BMBF beteiligt sich jedoch weiterhin an der Entwicklung der Institution, vor allem über programmorientierte Förderung für Forschung und Kapazitätsentwicklung sowie durch Investitionen in die Forschungsinfrastruktur. SASSCAL steht dabei in engem Austausch mit der Schwesterorganisation WASCAL im westlichen Afrika.

Freier Zugang zu aktuellen Wetter- und Klimadaten

Das SASSCAL-WeatherNet und das ObservationNet sind das Herzstück des Umweltdienstleistungszentrums und werden vom Open Access Data Centre (OADC) betrieben. Es besteht aus 154 automatisierten Wetterstationen, zahlreichen Biodiversitätsobservatorien sowie der zugehörigen IT-Infrastruktur für den Datenaustausch und den freien Zugang aller bereits nach internationalem Standard erhobenen Wetter- und Klimadaten aus der Region. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Klimaforschung und erlaubt unter anderem die Entwicklung besserer Managementstrategien für nachhaltiges Land- und Wassermanagement, Risikoanalysen und Vorhersagen für Dürren und Fluten sowie Abschätzungen weiterer Einflüsse des Klimawandels. Alle bereits erhobenen Daten der afrikanisch-deutschen Forschungskonsortien stehen im Datenzentrum des Klima-Servicecenters kostenfrei für die weitere Nutzung durch interessierte Institutionen, internationale Forschende oder auch für die Politikberatung vor Ort zur Verfügung.

Neue Graduiertenschule zur Stärkung der regionalen Bildungs- und Forschungskapazitäten

Eine weitere Säule von SASSCAL ist die Stärkung der regionalen, menschlichen und institutionellen Kapazitäten in der Region durch die Etablierung des Graduiertenstudienprogramms (SGSP), des Alumni-Netzwerks und der nicht-akademischen Ausbildung. Diese Aktivitäten zeigen bereits erste Erfolge: Ende 2020 ist eine regionale Graduiertenschule zum Management von Wasserressourcen (Integrated Water Ressource Management – IWRM) gemeinsam mit und an der Namibian University of Science and Technology (NUST) und dem deutschen Partner „International Centre for Water Resources and Global Change" (ICWRGC) eingerichtet worden.

Zusätzlich zu der geplanten zweiten Forschungsphase hat das BMBF einen neuen Forschungsbereich „Wasserstoff" zur Erstellung eines Potenzial-Atlas für die Region gefördert, der bereits von der Bundesforschungsministerin vorgestellt wurde. Das Thema „Erneuerbare Energien" ist hierzu vom WASCAL-Governing Board zu einem prioritären Thema erklärt worden.

Seit Juni 2019 läuft das Alumni-Programm „climapAfrica – Climate Research for Alumni and Postdocs in Africa". Dieses Programm zur Förderung zukünftiger Führungskräfte in Klimaforschung und Klimaschutz wird vom BMBF gefördert und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wissenschaftlich und operativ umgesetzt. Es umfasst sowohl ein Exzellenz-Postdoc-Stipendienprogramm als auch ein vielfältiges Angebot für Alumni für weiterführende Forschungsarbeiten. Bei der Umsetzung kooperiert der DAAD eng mit WASCAL und SASSCAL. Das BMBF fördert „climapAfrica" mit insgesamt 4,5 Millionen Euro im Zeitraum von 2019 bis 2023.

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