Meeresgrund im Fokus: Das Forschungsschiff MERIAN bricht zu seiner 50. Expedition auf

Nord- und Ostsee sind durch den Klimawandel und die menschliche Nutzung großen Umweltveränderungen ausgesetzt. Die veränderten Prozesse am Meeresgrund werden nun erstmals im Winter erforscht.
Das Forschungsschiff MARIA S. MERIAN (Broeckel/IOW)
Das Forschungsschiff MARIA S. MERIAN
Foto: Broeckel/IOW

Am 6. Januar 2016 bricht die MARIA S. MERIAN zu ihrer 50. Expedition auf. Mit an Bord sind insgesamt 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG). Fahrtleiter der Forschungsfahrt, die von Bremerhaven aus startet und am 29. Januar 2016 in Rostock endet, ist IOW-Direktor Prof. Dr. Ulrich Bathmann. „Im Rahmen der KüNO-Forschung befassen wir uns seit rund drei Jahren intensiv mit dem Meeresgrund von Nord- und Ostsee, seinen unterschiedlichen Lebensräumen und deren Ökosystemleistungen in Bezug auf die Stoffkreisläufe in den beiden Meeresgebieten. Was dort im Winter eigentlich passiert, ist bislang jedoch weitgehend unbekannt“, erläutert der Institutsleiter den Forschungsfokus der MERIAN-Expedition. Eine komplette Betrachtung aller Jahreszeiten sei jedoch unverzichtbar, um aussagekräftige Modelle und Bilanzierungen für Prozesse in dem in Bezug auf Stoffflüsse besonders aktiven Bereich der Sediment-Wasser-Grenzschicht entwickeln zu können, so Bathmann weiter. Er ergänzt: „Der Winter ist nicht die ruhigste Jahreszeit für Forschungsfahrten, aber unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind gut vorbereitet, in jeder Hinsicht.“

Geplant ist ein umfangreiches Probennahmeprogramm an insgesamt 30 Stationen in Nord- und Ostsee sowie dem sie verbindenden Gebiet Skagerrak/Kattegat. Proben aus dem Meeresboden sollen – neben einer Analyse der Sedimentbeschaffenheit – Aufschluss darüber geben, welche Organismen im Winter dort leben, wie aktiv und wie tief sie das Sediment durchmischen. Diese biologische Aktivität trägt entscheidend zum Austausch von Substanzen zwischen Wasser und Sediment bei, beispielsweise von Gasen, wie Sauerstoff, Schwefelwasserstoff und Lachgas, oder organischen und anorganischen Partikeln, die aus der Wassersäule herabsinken. Weiterhin sollen Sedimentkerne auf ihren Gehalt an Schwermetallen, Mikroplastik und organischen Schadstoffen untersucht werden.

„Letztendliches Ziel unserer KüNO-Forschung zu den Sedimenten in Nord- und Ostsee ist, einen Atlas für die untersuchten Küstengewässer zu entwickeln. Er soll unterschiedliche ‚Sedimentprovinzen‘ und Lebensräume hinsichtlich ihrer Funktion für das Küstenökosystem charakterisieren“, so Ulrich Bathmann. „Von unserer Winterfahrt versprechen wir uns einen entscheidenden Fortschritt im Verständnis der Stofffluss-relevanten Prozesse am Meeresgrund und damit auch wichtigen Input für diesen Sediment- und Habitat-Atlas“, so Fahrtleiter Bathmann abschließend zur aktuellen MERIAN-Expedition.

Der Verbund Küstenforschung Nordsee-Ostsee (KüNO) untersucht die Veränderungen, die der Klimawandel und menschliche Aktivitäten auf die Nord- und Ostsee haben. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für ein nachhaltiges Meeresmanagement zu erarbeiten. Gefördert wird der KüNO Verbund im Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) des Bundesforschungsministeriums.