MiningImpact3: Forschende diskutieren zu Folgen des Tiefseebergbaus
Wie reagieren Tiefseeökosysteme im Laufe der Zeit auf Störungen durch einen möglichen Abbau von Rohstoffen am Meeresboden? Wie kann dieses Wissen in das künftige Management der Tiefsee und die Gesetzgebung einfließen? Diese Fragen brachten die Partner des Verbundprojekts MiningImpact3 im polnischen Łódź zusammen. Das dreitägige Treffen intensivierte den wissenschaftlichen Austausch der Forschergruppen aus sechs europäischen Ländern und förderte den Dialog mit Stakeholdern. Das Projekt wird auf deutsdher Seite vom Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) noch bis Juni 2029 im Rahmen der Initiative JPI Oceans gefördert.
Einen Schwerpunkt des Jahrestreffens vom 08. bis 10. September 2026 bildeten die Ergebnisse verschiedener Forschungsfahrten im Rahmen von MiningImpact3. Die Projektpartner diskutierten vorläufige Daten aus der BGR-Erkundungskampagne MANGAN2026 Anfang dieses Jahres mit dem Forschungsschiffs SONNE sowie Beobachtungen aus früheren Expeditionen. Mit diesen Daten kann dargestellt werden, wie die Ökosysteme auf industrielle Tests mit Manganknollen-Kollektoren in der Clarion-Clipperton-Zone im Jahr 2021 reagieren. Wiederholte Beobachtungen zeigen zudem erhebliche natürliche Schwankungen in Tiefseegemeinschaften. Das Verständnis dieser Veränderungen ist unerlässlich, um die Auswirkungen von Störungen durch den Tiefseebergbau von Umweltschwankungen zu unterscheiden und die Erholung des Ökosystems zu bewerten.
Die Teilnehmer diskutierten zudem die Vorbereitungen für die bevorstehende Expedition SO322 (NoduleMonitor3) ebenfalls mit dem Forschungsschiff Sonne. Diese Expedition wird fünf Jahre nach dem Sammlerversuch die betroffenen Gebiete und Referenzstandorte erneut besuchen und so die Erkenntnisse über längerfristige Reaktionen des Ökosystems erweitern. Zu den geplanten Forschungsarbeiten an Bord gehören auch Untersuchungen, die das begrenzte Wissen über die mesopelagische, also den in der mittleren Wassersäule liegenden Umweltbereich, erweitern sollen.
Im Zentrum des Projekts MiningImpact3 stehen räumliche und zeitliche Veränderungen der Tiefseeumwelt und die genetischen Bezüge einzelne Populationen auch über Entfernungen von tausenden Kilometern hinweg. Darüber hinaus untersuchen die Forschenden, welche Folgen für Lebensgemeinschaften am Meeresboden und in der Wassersäule freigesetzte toxische Substanzen und die Zerstörung des Habitats durch Tiefseebergbau haben. Auf dieser Grundlage sollen Indikatoren entwickelt werden, die Aufschluss über die Gesundheit der Ökosysteme geben, und Grenzwerte für Umweltschäden definiert werden.
Ergänzend entwickelt das Projekt digitale Zwillinge als neue Werkzeuge zur Überwachung und Regulierung von Abbauaktivitäten. Schließlich sollen auch Fragen zur Einordnung in die internationalen Meeresabkommen sowie den gesellschaftlichen Folgen beleuchtet werden. MiningImpact3 verfügt über ein Gesamtbudget von rund 9 Millionen Euro, davon werden etwa 5,7 Millionen Euro durch Das BMFTR zur Verfügung gestellt. Es schließt an zwei erfolgreiche Vorgängerprojekte an und will zentrale Wissenslücken zu den Folgen potenzieller Abbauaktivitäten von Tiefseeerzen für die Ozeanökosysteme schließen.
Neben polymetallischen Knollen, die hauptsächlich Mangan und Eisen, aber auch begehrte Technologiemetalle wie Nickel, Kupfer, Kobalt und Lithium enthalten, untersucht das Verbundprojekt sogenannte Massivsulfide am Meeresboden entlang des arktischen mittelozeanischen Rückens und des nördlichen mittelatlantischen Rückens. Diese vulkanischen Formationen gelten als Oasen des Lebens in der Tiefsee. Beobachtungen mit Tauchrobotern, Laborexperimente und die Modellierung von Sedimentwolken werden durch die Ausarbeitung von Handlungsoptionen ergänzt, die künftig als Basis für international anerkannte Umweltgrenzwerte und für ein Tiefsee-Management dienen sollen.
Am letzten Tag der Konferenz standen gesellschaftliche Bezüge und zukünftige Forschungsschwerpunkte im Mittelpunkt. Bei einer Diskussionsrunde mit verschiedenen Interessengruppen wurden Wissenslücken thematisiert und die Forschungsagenda dahingehend weiter geschärft, um Fragen von Behörden, Industrie, NGOs und Akteuren der Zivilgesellschaft in das wissenschaftliche Programm aufzunehmen.
Anschließend wurde im „International Engagement Hub“ mit Vertreterinnen und Vertretern des Forschungskonsortiums, der Fördermittelgeber und der internationalen Beratergruppe über den zielgerichteten Transfer von Forschungsergebnissen in die Politik diskutiert. Der Hub unterstützt die praxisbezogene Nutzung der Projektergebnisse, während die Verantwortung für Forschungsmethoden beim Konsortium verbleibt. Zukünftig sollen fachliche Beiträge für technische Arbeitsgruppen der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA, der Austausch mit nationalen Delegationen sowie Policy Briefings verstärkt platziert werden.