Monatsthema „Biodiversität“: Forschungsförderung zur marinen Biodiversität durch das BMBF

Das Leben entstand im Meer. Die Anzahl der Baupläne, also die biologische Vielfalt, ist im Meer noch deutlich größer als an Land. Mehr als eine Million Arten sind während der vergangenen zwei Jahrhunderte in den Weltmeeren erfasst worden, eine womöglich weitaus höhere Anzahl, vor allem im Bereich der mikrobiellen Vielfalt, ist noch nicht beschrieben. Biodiversität wirkt zudem bereits unterhalb der Artenebene auf molekularem und genetischem Niveau. Darüber hinaus haben die Organismen im Lebensraum Meer im Lauf der Evolution eine immense funktionelle Diversität entwickelt.

Einsiedlerkrebs (Projektträger Jülich / Dirk Schories)
Einsiedlerkrebse, wie Pagurus comptus, müssen während ihres Wachstums wiederholt ihr Schneckenhaus wechseln. Häufig sind diese von zahlreichen anderen Organismen bewachsen.
Foto: Projektträger Jülich / Dirk Schories

Die Änderungen im Erdsystem haben einen starken Einfluss auf das Leben in unseren Ozeanen. Schon heute kann die Wissenschaft einen rapiden Wandel der marinen Biodiversität sowohl auf lokaler, regionaler als auch auf globaler Ebene feststellen. Zum einen erweitern Arten ihre räumliche Ausbreitung mit sich verändernden Wassertemperaturen und Strömungen, zum anderen werden gebietsfremde Organismen durch das Ballastwasser von Schiffen in Lebensräume eingebracht, die ihnen vorher versperrt waren. Die Konsequenzen sind weitreichend: Räuber-Beute-Beziehungen verändern sich, strukturbildende und langlebige heimische Arten verschwinden. Temperaturzunahme, Versauerung, Schadstoffeintrag, Entnahme und Einbringung biotischer und abiotischer Stoffe, die Einschleppung gebietsfremder Arten, Bautätigkeiten und Schiffsverkehr sind nur einige von zahlreichen weiteren Stressfaktoren. Das Bundesforschungsministerium fördert daher Forschungsprojekte, die untersuchen, wie sich die Lebensgemeinschaften vor dem Hintergrund des Klimawandels und der steigenden Nutzung verändern und wie hoch ihre Anpassungsfähigkeit ist.

Aktuell fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung folgende Projekte zur Artenvielfalt im Meer und zu marinen Umweltbedingungen:

BONUS BLUE BALTIC - BaltHealth: Mehrstufige gesundheitliche Auswirkungen von anthropogenen Gefahrstoffen auf Schlüsselarten der Ostsee
BONUS BLUE BALTIC - BASMATI: Nachhaltige Ökosystemdienstleistungen durch Meeresraumordnung in der Ostsee
BONUS BLUE BALTIC - BLUEWEBS: Grenzen des Blauen Wachstums in sich ändernden Nahrungsnetzen der Ostsee
BONUS BLUE BALTIC - ECOMAP: Küstennahe Schlüsselhabitate der Ostsee
BONUS BLUE BALTIC - OPTIMUS: Optimierung von Muschelfarmen in der Ostsee
Ocean Plastics Lab (G7 Plastik Initiative)
REEBUS: Rolle von Wirbeln für die Kohlenstoffpumpe in Küstenauftriebsgebieten
SO 258 - BIOLUMINISZENZ IV: Adaption der visuellen Systeme mesopelagischer Tiere
SO 268/3 - MICRO-FATE: Charakterisierung des Verbleibs von Mikroplastikartikeln im Pazifik
Küstennahe Auftriebsgebiete - CUSCO: Küstenauftrieb in einem sich verändernden Ozean
Küstennahe Auftriebsgebiete - EVAR: Das Benguela Auftriebssystem im Klimawandel
Küstennahe Auftriebsgebiete - REEBUS: Rolle von Wirbeln für die Kohlenstoffpumpe

Deutsch-Chinesische Zusammenarbeit in der Meeresforschung
MEGAPOL: Fingerabdruck einer Megastadt in chinesischen Randmeeren
SO-TRACE: Der Einfluss von Dimethylsulfid und Isopren im Südpolarmeer

Arktis im Wandel: Deutsch-britische Zusammenarbeit in der Arktisforschung
CHASE: Chronobiologische Untersuchungen in einem sich verändernden arktischen Ökosystem
Coldfish: Verdrängung polarer Fischbestände durch subarktische Arten
Diatom-ARCTIC: Primärproduktion unter Berücksichtigung verschiedener Klimaszenarien
EcoLight: Ökosystemfunktionen und ihre Kontrolle durch Meereis und Licht in der Arktis
LOMVIA: Verknüpfung von Ozeanographie und Interaktionen von Seevögeln in der Arktis
MicroARC: Untersuchungen zum pelagischen mikrobiellen Ökosystem in der Arktis
MiMeMo: Mikroben bis Megafauna Modellierung im arktischen Ozean

Deutsch-Israelische Zusammenarbeit in der Meeresforschung
Foralnva: Lessepssche Foraminiferen-Migration als Modell einer marinen Invasion
SEANARIOS: Seegrasszenarien unter Temperatur- und Nährstoffstress
BIOMOD: Einfluss von Klimawandel, Bioinvasionen und Parasiten auf benthische Gemeinschaften

Deutsch-russische Zusammenarbeit in der Polar- und Meeresforschung
BENEFICIAL: Biogeographie der nordwest-pazifischen Fauna
QUARCCS: Quantifizierung schneller Klimaänderungen in der Arktis

Zusammenarbeit mit dem südlichen Afrika in der Meeresforschung (SPACES)
SPACES II - CASISAC: Changes in the Agulhas System and its Impact on Southern African Coasts
SPACES II - TRAFFIC: Trophische Transfereffizienz im Benguelastrom