Monatsthema „Biodiversität“: Auftakt von 21 internationalen Forschungsprojekten zu Zukunftsszenarien der Artenvielfalt und Ökosystemleistungen

Auf den weltweit besorgniserregenden Zustand der biologischen Vielfalt hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES Anfang Mai eindringlich hingewiesen. Es bestehen große Wissenslücken im Hinblick auf Ausmaß, Ursachen, Dynamik und Folgen der Biodiversitätsveränderungen sowie hinsichtlich effektiver Gegenmaßnahmen. Einen Teil dieser Forschungsfragen geht das BMBF nun in einer gemeinsamen Initiative mit internationalen Partnern an.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des dramatischen Berichts des Weltbiodiversitätsrates IPBES zum weltweiten Zustand der biologischen Vielfalt fand am 14. und 15. Mai 2019 in Helsinki ein Auftakttreffen von 21 internationalen Forschungsprojekten zur biologischen Vielfalt statt. Für die Projektförderung stellen die europäische Partnerschaft BiodivERsA, das Belmont Forum sowie die EU-Kommission über 28 Mio. Euro zur Verfügung. Das BMBF finanziert deutsche Partner in neun Projekten mit über 4 Mio. Euro.
Die Projekte entwickeln Szenarien der biologischen Vielfalt und ihrer Leistungen für den Menschen auf verschiedenen räumlichen Skalen von der lokalen bis zur globalen Ebene. Ziel ist es, Entscheidungsträgern auf unterschiedlichen Ebenen wissensbasierte Projektionen der Artenvielfalt zur Verfügung zu stellen und sie in die internationalen wissenschaftlichen und umweltpolitischen Verhandlungsprozesse einzuspeisen (IPBES, CBD, SDG, EU-Biodiversitätsziele usw.).

Beim Kick-off-Treffen trafen Vertreter der insgesamt 22 beteiligten Forschungsfördereinrichtungen mit den Koordinatoren der Verbundprojekte zusammen. Im Mittelpunkt standen vor allem die dramatischen Veränderungen von Biodiversität und Ökosystemleistungen, der Einfluss von Nutzung und Klimawandel sowie die Auswirkungen von invasiven Arten. Begleitet wurde das Kick-off-Treffen von einem Workshop für Datenmanagement und Erkenntnisverbreitung, und einem Innovationsworkshop zur Ausarbeitung von Pfaden für den Erhalt der Artenvielfalt.

Folgende Verbundprojekte mit BMBF-Förderung sind nun gestartet:

  • AlienScenarios – Szenarien biologischer Invasionen für das 21. Jahrhundert
  • BioDiv-support – Folgen des Klimawandels für Ökosysteme, Biodiversität und Ökosystemleistungen in Gebirgsregionen auf der Iberischen Halbinsel und in Schweden
  • BIOESSHEALTH – Szenarien zur Biodiversität und zu Ökosystemleistungen unter Berücksichtigung der menschlichen Gesundheit
  • BONDS – Ausgleichs- und Entwicklungsmaßnahmen für Biodiversitätserhalt in Feuchtgebieten des Amazonas
  • ENVISION – Inklusiver, konzeptioneller Rahmen zur Bewertung von Integrierten Szenarien und Visionen für das Management von Schutzgebieten
  • FARMS4Biodiversity – Szenarien für Biodiversität, Bestäubung und biologische Schädlingskontrolle in Malawischen Agrarökosystemen
  • InvasiBES – Verständnis und Management der Auswirkungen invasiver gebietsfremder Arten auf Biodiversität und Ökosystemleistungen
  • SALBES – Szenarien für Biodiversität und Ökosystemleistungen von Agrarlandschaften
  • SECBIVIT – Szenarien für Ökosystemleistungen und Artenvielfalt in Weinbaulandschaften

22 europäische und außereuropäische Forschungsfördereinrichtungen aus 19 Ländern – darunter das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Partner aus dem europäischen Netzwerk BiodivERsA sowie argentinische, brasilianische, kanadische und US-amerikanische Einrichtungen – haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Forschung zu „Szenarien der biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen" zu fördern. Über das ERA-Net Cofund „BiodivScen" beteiligt sich auch die Europäische Kommission an der Projektförderung. Gemeinsam finanzieren die Forschungsförderer 21 internationale Verbundprojekte mit über 28 Mio. Euro Fördermitteln. Unter diesen sind 15 Projekte mit deutschen Partnern. Neun dieser Projekte erhalten Fördermittel des BMBF in Höhe von über 4 Mio. Euro.

Die Partnerschaft BiodivERsA ist ein Netzwerk von 35 nationalen Förderorganisationen aus 23 Ländern und sechs Überseeterritorien in der Biodiversitätsforschung. Seit der Gründung des Netzwerks im Jahre 2005 als ERA-Net (European Research Area Network) veröffentlichte BiodivERsA acht pan-europäische Calls und förderte über 90 internationale Verbundprojekte mit einer Fördersumme von über 115 Mio. Euro. 2016 verabschiedete BiodivERsA eine gemeinsame Strategische Forschungs- und Innovationsagenda. Diese ist die Grundlage für regelmäßige Förderbekanntmachungen, die auch gemeinsam mit anderen Förderern bzw. Netzwerken (JPIs, Belmont Forum, Europäische Kommission) umgesetzt werden.

Weitere Informationen zu den neuen Verbundprojekten sowie zu BiodivERsA sind unter http://www.biodiversa.org/1557/download abrufbar.