„Neue Netze braucht das Land“: Forschung und Entwicklung für zukunftsfähige Stromnetze

Die Stromnetze fit für die Energiewende machen – daran arbeiten seit 2014 Forscherinnen und Forscher in der Initiative „Zukunftsfähige Stromnetze“ vom Bundesforschungsministerium und Bundeswirtschaftsministerium. Zum Abschluss fand nun in Berlin die zweite Statuskonferenz statt, bei der die einzelnen Vorhaben ihre Ergebnisse präsentieren konnten. Fazit: Gerade digitale Lösungen für die intelligente Netzsteuerung und eine computergestützte Ausbauplanung bieten große Chancen für die Weiterentwicklung der Netzstrukturen.
Volker Rieke (links) mit Moderatorin Ursula Heller. (Grit Erlebach)
„Fortschritt ist nie allein eine Frage des technisch Machbaren“: BMBF-Abteilungsleiter Volker Rieke mit Moderatorin Ursula Heller.
Foto: Grit Erlebach

Die Energieversorgungsnetze sind die zentrale Schaltstelle des Energieversorgungssystems. Daher müssen die bestehenden Stromnetze auf die neuen Anforderungen vorbereitet sein, die aus dem Ausbau der Erneuerbaren, der Sektorkopplung, Mobilität- und Verkehrswende resultieren. Welche Beiträge die Forschung dazu leisten kann  – darüber diskutierten am 20. und 21. November in Berlin 250 Wissenschaftler, Industrievertreter und Gäste aus Politik und Gesellschaft. Thematisiert wurden dabei die volle Bandbreite der relevanten Themengebiete, etwa Fragen (digitaler) Netzregelung, die Versorgungssicherheit, Planung zukünftiger Netze sowie Marktaspekte. 

„Fortschritt ist nie allein eine Frage des technisch Machbaren“, betonte BMBF-Abteilungsleiter Volker Rieke zum Auftakt. Er sehe jede Menge Gestaltungsspielraum, wie man die Netze als Bindeglied zwischen den Energieträgern optimieren könnte. Für Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär des BMWi, ist wichtig, dass Deutschland bei der Stromqualität Spitze bleibt. Der Aktionsplan Stromnetz befinde sich im Feinschliff.

Achim Zerres von der Bundesnetzagentur sprach in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Paul-Georg Garmer vom Stromnetzbetreiber TenneT, Ulf Brommelmeier vom Versorgungsunternehmen EWE AG, Professor Jutta Hanson von der TU Darmstadt und Philipp Strauß vom Fraunhofer IEE über die Chancen der Digitalisierung, der Sektorenkopplung sowie der länderübergreifenden Zusammenarbeit in Europa. Klar ist: Nicht nur die Netze müssen umgebaut werden, auch bei der Regulierung besteht Innovationsbedarf. 

Die Förderinitiative hat zahlreiche Handlungsoptionen aufgezeigt, die Umsetzung muss für verschiedene Technologien offen bleiben – damit das Energiesystem in 10 oder 15 Jahren nicht von heutigen Rahmenbedingungen bestimmt wird. Der Umbau ist gleichzeitig eine Chance für neue Marktakteure und Geschäftsmodelle. 

Professor Ronnie Belmans von der KU Leuven hob hervor: „Energie ist der Grundbaustein unserer Gesellschaft. Der Komfort der Menschen wird zentral sein für ein zukünftiges Energiesystem.“ In einem System mit unflexiblen und nicht vorhersagbaren erneuerbaren Energien bräuchten wir einen Paradigmenwechsel, so Belmans, denn die Nachfrage werde nun durch das Angebot gesteuert: „Es gibt viel zu tun, packen wir es an!“

Dies haben die Beteiligten der Förderinitiative bereits getan. Im Verlauf der Konferenz stellten sie zahlreiche Lösungen dafür vor, wie vor allem durch Digitalisierung mehr Elektrizität aus erneuerbare Energien eingebunden, der Netzbetrieb sicherer, die Netze leistungsfähiger und neue Geschäftsmodelle erschlossen werden.