Neue Studie belegt bisher unbekannte Aerosolbildung im Amazonas-Regenwald
Vom BMFTR geförderte Langzeitmessungen am Atmosphären-Messturm ATTO im Amazonas-Regenwald zeigen, dass der Regenwald selbst kontinuierlich winzige Aerosolpartikel bildet. Diese Erkenntnis liefert neue Erklärungen zur Bildung von Wolken und Entstehung von Niederschlägen im Amazonas-Regenwald.
Über dem Amazonasgebiet zirkuliert eine der saubersten Luftmassen der Erde. Da in dieser abgelegenen Region nur wenige Emissionen aus Industrie, Verkehr oder anderen menschlichen Aktivitäten auftreten, galt die Bildung neuer Aerosolpartikel dort lange als eher unwahrscheinlich. Diese winzigen Schwebeteilchen sind als Kondensationskeime entscheidend für die Wolkenbildung, die Entstehung von Niederschlägen und damit für den Wasserkreislauf und das Klimasystem.
Nun haben Forschende umfangreiche Langzeitmessungen am Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) ausgewertet – einer 325 Meter hohen Messstation mitten im Regenwald, die regelmäßig Daten aus der Atmosphäre liefert. Die Analysen zeigen erstmals, dass der Regenwald selbst kontinuierlich neue Aerosolpartikel bildet – direkt in der unteren Atmosphäre. Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Partikel überwiegend in höheren Atmosphärenschichten über weite Distanzen in das Amazonasgebiet transportiert werden.
Daten des Atmosphären-Messturms ATTO als Grundlage für neue Erkenntnisse
Für die Studie analysierte das Forschungsteam zehn Jahre Messdaten zur Atmosphärenzusammensetzung, die am ATTO-Turm gesammelt werden. Der Aufbau der Forschungsinfrastruktur ATTO geht zurück auf eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und dem brasilianischen Forschungsministerium MCTI im Jahr 2009.
Das BMFTR investierte nicht nur in den Bau des Turms sowie in die zahlreichen Messinstrumente, sondern fördert seitdem auch die deutsch-brasilianische Forschungsarbeit. Denn für die globale Klimaforschung stellt der Amazonas-Regenwald eine der bedeutendsten Regionen dar: Das Gebiet ist der größte Wasser- und CO2-Speicher der Erde. Durch die gigantische Verdunstung über den Baumwipfeln des Regenwalds entstehen Wolken und Strömungen, die das weltweite Klima kühlen und beeinflussen. Veränderungen an diesem System haben also globale Auswirkungen. Aktuell fördert das BMFTR bis 2028 das Projekt ATTOsynthesis, um diese Dynamiken zu erforschen.
Die jetzt gewonnenen Ergebnisse über die Bildung von Aerosolpartikeln direkt im Amazonas-Regenwald bedeuten für die Klimaforschung, dass bestehende Klimamodelle entsprechend angepasst werden müssen. Dies ist wichtig, um das Zusammenspiel zwischen Aerosolen, Wolken und dem Ökosystem noch genauer abbilden zu können.