Right Seeds – Wem gehört das Saatgut?

Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach stellt sich mit ihrem Team der Frage, ob wir heute das richtige Saatgut und die richtigen Sorten für eine zukunftsfähige Landwirtschaft produzieren.
Privat bewirtschaftet die Umweltwissenschaftlerin mit ihrer Familie eine Streuobstwiese.

Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach (Universität Oldenburg)
Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach
Foto: Universität Oldenburg

Exzellente Forschung

Schon in ihrer Jugend war Stefanie Sievers-Glotzbach an Umweltfragen und am Klimaschutz interessiert. Eine Mitgliedschaft bei der Naturschutzorganisation BUND und das Studium der Umweltwissenschaften an der Uni Lüneburg waren da nur folgerichtig. Ihr Studium hatte sie an der Universität Lüneburg begonnen und beendete es an der Högskolan Kristianstad in Schweden, wo sie 2009 ihr Diplom bekam. Zurück in Lüneburg beschäftigte sie sich in ihrer Doktorarbeit damit, wie sich in der Landwirtschaft Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit verankern lassen. 2013 wurde sie von der Universität Lüneburg für ihre exzellente Forschungsleistung ausgezeichnet. Dafür wurde sie mit dem Leuphana Nachwuchspreis Forschung gewürdigt. Und mit 33 Jahren wurde Sievers-Glotzbach 2016 zur Juniorprofessorin an der Uni Oldenburg ernannt. Die Konflikte zwischen intragenerationeller und intergenerationeller Gerechtigkeit in der Nutzung von Ökosystemleistungen, Gerechtigkeitsfragen und damit einhergehender gesellschaftlicher Wandel interessieren sie immer noch brennend.

Wem gehört das Saatgut?

In ihrer Nachwuchsgruppe Right Seeds beschäftigt sich Sievers-Glotzbach auch mit der Frage, wem das Saatgut gehört. Noch bis vor gut hundert Jahren war Saatgut ein Gemeingut, das zwischen Bauern getauscht wurde. „Heute konzentriert sich der kommerzielle Markt für Saatgut und Pestizide immer mehr und gerät auch immer mehr in eine Hand, was man derzeit an großen Fusionen sehen kann.“ Man spürt, wie sehr sie für ihre Forschung brennt, wenn sie erklärt, dass das zukünftig besonders ein Problem für Kleinbauern wird, die oft auf marginalen Standorten wirtschaften müssen. „Eine sozialökologische Transformation im Pflanzenbau steht für einen tiefgehenden gesellschaftlichen Wandel, der nicht nur an kleinen Schnittstellen ansetzt, also beispielsweise einzelne neue Sorten für den Öko-Landbau züchtet, sondern der wirklich tiefgehende gesellschaftliche Paradigmen hinterfragt.“

Forschung in Nachwuchsgruppen

Die Juniorprofessorin schätzt am Nachwuchsförderungsprogramm der Sozial-ökologischen Forschung, „dass einem ermöglicht wird und es auch erforderlich ist, inter- und transdisziplinär zu arbeiten“. Das bedeute, dass junge WissenschaftlerInnen mit einem interdisziplinären Ausbildungsweg, eine explizite Chance eröffnet bekämen, dort ihre wissenschaftliche Laufbahn weiter auszugestalten. „Ich finde es sehr schön, dass es eine Förderlinie ist, die themenoffen gestaltet ist, sodass man wirklich seine eigenen Inhalte einbringen kann und auch Themen wie in RightSeeds verfolgen kann, die in anderen Förderlinien vielleicht nicht im Fokus stehen.“

Karriere und Familie

Auch als Juniorprofessorin und Leiterin einer Nachwuchsgruppe findet sie genug Zeit für ihre Familie. Arbeit und Familie ließen sich gut vereinbaren, „da es eine unglaubliche Flexibilität gibt, wie man seinen Arbeitstag gestaltet, wo man arbeitet, auch wie man intensive Phasen plant und Phasen, in denen weniger intensive Arbeit ansteht.“

Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach im Interview