Tauchroboter MARUM-QUEST erstmals in antarktischen Gewässern

MARUM-Wissenschaftler erkunden heiße und kalte Quellen im Südpolarmeer

Wo Erdplatten aufeinandertreffen, ist die Erde in Bewegung. Eine Expedition mit dem Forschungsschiff POLARSTERN will diese Aktivitäten im Südpolarmeer näher untersuchen. Im Fokus der MARUM-Fahrt stehen dabei vor allem kalte und heiße Quellen. Zum ersten Mal wird der Tauchroboter MARUM-QUEST im Südpolarmeer eingesetzt. Der Expeditionsbeginn ist für den 13. April 2019 geplant.
Forschungschiff POLARSTERN in der Cumberland Bucht Süd-Georgiens. (vdl)
Forschungschiff POLARSTERN in der Cumberland Bucht Süd-Georgiens.
Foto: vdl

Es ist nicht die erste Expedition von Fahrtleiter Gerhard Bohrmann und seinem Team ins Südpolarmeer. Bereits seit 2012 beschäftigen sich die Forschenden mit der Frage, wie Fluide und Gase an heißen und kalten Quellen entlang der Sandwich Platte zirkulieren. Die Sandwich Platte ist mit 350 Kilometern West-Ost- und circa 550 Kilometern Nord-Süd-Erstreckung zwar eine relative kleine Platte, aber sie ist zwischen der Südamerikanischen und der Antarktischen Großplatte der aktivste Erdkrustenbereich. Die Sandwich Platte entsteht durch Spreizung und Vulkanismus am Ost-Scotia Rücken. Sie wandert nach Osten, wo sie mit der Südamerikanischen Platte kollidiert. Ein Tiefseegraben von acht Kilometern Wassertiefe und eine Kette von aktiven, teilweise Insel-bildenden Vulkanen sind die Folge.

In diesem Gebiet liegen einzigartige chemosynthetisch-lebende Ökosysteme an den heißen Quellen sowohl am Rücken als auch an Unterwasservulkanen des Süd-Sandwich Inselbogens. Zudem vermuten die Forschenden hier kalte Quellen. Sowohl an heißen wie an kalten Quellen treten Fluide und Gase aus – Ziel der Fahrt ist es, beide Systeme genauer zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Dafür wird jetzt zum ersten Mal in der Südpolarregion der ferngesteuerte Tauchroboter MARUM-QUEST eingesetzt.

Organismen der heißen und kalten Quellen bekommen ihre Energie aus chemischen Verbindungen der Fluide an den Austrittsstellen. Gerade die geografische Nähe eines Spreizungsückens zu einer Subduktionszone macht das Zielgebiet besonders interessant für das Expeditionsteam. Dabei wird ein multidisziplinärer Ansatz verfolgt, beteiligt sind Expertinnen und Experten aus Geologie, Geochemie, Biologie, Mikrobiologie und mariner Biogeographie. Während der Reise werden außerdem zum ersten Mal Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit eingebunden, die statt an Bord am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen die Tauchgänge verfolgen und so ihre Expertise mit einbringen.

Die Expedition PS119 wird in den kommenden Jahren auch in Ausstellungen thematisiert, dazu laufen Kooperationen mit dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg, dem Humboldt Labor im Humboldt Forum und dem Lokschuppen Rosenheim.