TRANC: Neues Messgerät für Luftschadstoffe

Dr. Christian Brümmer vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz (TI-AK) in Braunschweig.
Der Geograph forscht mit seinem Team an Treibhausgasen und Luftschadstoffen in der bodennahen Atmosphäre.

Portrait von Dr. Christian Brümmer (DLR-PT/Marina Rizovski-Jansen)
Dr. Christian Brümmer
Foto: DLR-PT/Marina Rizovski-Jansen

Meteorologie oder Geographie?

Christian Brümmer hatte lange überlegt, ob er Meteorologie oder Geographie stu-dieren sollte. Er entschied sich dann aber bewusst für das etwas breiter gefächerte Studium der Geographie. Der Schwerpunkt im Studium lag ganz klar auf der Klima-forschung, ließ aber auch eine Betrachtung der Auswirkungen von Klimawandel und zunehmender Luftverschmutzung zu. Brümmer fiel da schon auf, dass viele Prozesse - gerade was die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen angeht - nicht hinreichend mit Beobachtungsdaten belegt sind. Das lag weitestgehend an einge-schränkten Messmethoden.

Neue Messtechnik

Die Ausrichtung seiner Arbeit ist also die Verbesserung und geschickte Kopplung von Messverfahren für Treibhausgase und Luftschadstoffe, um robustere Datengrundlagen für Prozessabläufe zwischen Boden, Pflanze und Atmosphäre zu schaffen. „Denn was nützen Handlungsempfehlungen und Politikberatung, wenn diese auf vagen Annahmen und nicht auf gesicherten Fakten basieren?“ So warb Christian Brümmer das Forschungsprojekt NITROSPHERE ein und widmet sich mit seinem Team in der Fördermaßnahme des BMBF-Referats 724 „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel – 4+1“ Luftschadstoffen wie reaktiven Stickstoffverbindungen. „Treibhausgase und ihre Überwachung sind für die aktuelle und auch zukünftige Entwicklung des Klimas ein sehr wichtiges Thema.“ Brümmer arbeitet am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und beschäftigt sich von daher auch mit Gasen wie Ammoniak, die besonders in der Landwirtschaft entstehen. Ammoniak ist eine Vorläufersubstanz von Feinstaub „und die Messtechnik dafür war bisher noch nicht besonders gut entwickelt“, so Brümmer. Um robuste Messungen zu bekommen, und um den Austausch von reaktiven Stickstoffen zwischen Atmosphäre und Ökosystemen besser zu verstehen, hat Christian Brümmer mit seiner Nachwuchsgruppe den TRANC (Total Reactive Atmospheric Nitrogen Converter) entwickelt. In dieser Konverter-Box wird sämtlicher luftgetragener reaktiver Stickstoff zu einer einzigen Substanz umgewandelt, dem Stickstoffmonoxid. Und dieses NO kann dann relativ einfach gemessen werden. Brümmer hat so mit seiner Nachwuchsgruppe einen Durchbruch geschafft. Mit TRANC erhalten sie eine verbesserte Datenbasis, um das System gekoppelter Kohlenstoff- und Stickstoffkreisläufe zwischen Ökosystemen und Atmosphäre besser zu verstehen. Ein Ansatz, der nicht nur Klimaforscher interessiert – der Kreislauf dieser gasförmigen Verbindungen beeinflusst auch die Produktivität von Agrarflächen.

Arbeit in der Forschung

Seine Tätigkeit entspricht weitestgehend dem, was er sich zu Zeiten des Studiums vorgestellt hat. Technische und ökologische Aspekte im Kontext des Klimawandels zu untersuchen, kommt seinen Interessen sehr nahe. „Gerade die Vielseitigkeit des Ortes, also technische Arbeiten in Labor und Feld sowie Datenanalysen im Büro sagen mir wirklich zu.“ Allerdings würde durch die Leitung einer Nachwuchsgruppe der Anteil der Büroarbeit immer größer.

Umweltbewusst leben

Christian Brümmer besitzt bewusst kein Auto und erledigt alle seine Wege mit dem Rad, mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit der Bahn. Er ist sich sicher, dass sich die Arbeit auf die Lebenseinstellung auswirkt und umgekehrt. Durch seinen Job sieht er jeden Tag, wie viele Luftschadstoffe der Mensch in die Atmosphäre schickt und welche Auswirkungen das auf natürliche Umweltprozesse hat. „Auf Dauer geht das nicht gut und bestärkt mich in meinen ohnehin vorhandenen Nach-haltigkeitsgedanken.“ Durch die Agrarausrichtung seines Institutes wird Brümmer die Auswirkung der Massentierhaltung und der intensiven Landwirtschaft ständig bewusst, gerade hinsichtlich des Ausstoßes von klimawirksamen Gasen wie Methan und Lachgas. Da müsse er sich auch noch bezüglich des Fleischkonsums an die eigene Nase fassen, denn manchmal schmeckt es einfach zu gut. Aber auch da wirkt sich der Job auf die Lebenseinstellung aus.

Familie

Zuhause reden sie viel mit den Kindern über Umweltschutz, nachhaltige Nutzung von Ressourcen und umweltverträglicher Mobilität. Es ist Brümmer sehr wichtig, dass dafür ein Bewusstsein geschaffen wird. Was die Begeisterung fürs Radfahren angeht, müsse er allerdings noch etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Dr. Christian Brümmer im Interview

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