Tsu­na­mi-Vor­her­sa­ge: Team un­ter­sucht Dy­na­mik von Vul­kanf­lan­ken­kol­lap­sen

Ein in­ter­na­tio­na­les Team von For­schen­den un­ter­sucht ak­tu­ell an Bord des For­schungs­schiffs ME­TE­OR Kol­laps­er­eig­nis­se und de­ren Tsu­na­mi-Po­ten­zi­al vor der Küs­te der Ka­ri­bik­in­sel Mont­s­er­rat. Vul­ka­ne stel­len nicht nur durch ihre vul­ka­ni­sche Ak­ti­vi­tät eine Na­tur­ge­fahr dar, son­dern es kön­nen manch­mal auch Tei­le des Vul­kan­ge­rüs­tes zu­sam­men­bre­chen. Ziel des zwei­ten, von Kat­rin Huhn vom MARUM ge­lei­te­ten Fahrt­ab­schnit­tes ist es, ma­ri­ne Ab­la­ge­run­gen von kol­la­bier­ten Vul­kanf­lan­ken auf de­ren Al­ter und die zu­grund­lie­gen­den Dy­na­mi­ken zu er­boh­ren. Mit an Bord ist da­für das Mee­res­bo­den­bohr­ge­rät MARUM-Me­Bo70.

Die Vul­kan­in­sel Mont­s­er­rat be­steht aus ei­ni­gen Vul­kan­ke­geln, wel­che in ih­rer Ge­schich­te im­mer wie­der de­sta­bi­li­siert sind. Die­se Er­eig­nis­se sind zwar sel­ten, aber sie kön­nen enor­me Schä­den an­rich­ten – etwa in­dem sie das Vul­k­an­ge­bil­de mit sich rei­ßen und Tsu­na­mis aus­lö­sen. Seit 1995 kommt es wie­der­keh­rend zu Vul­kan­aus­brü­chen, die ver­bun­den wa­ren mit grö­ße­ren De­sta­bi­li­sie­run­gen des Vul­kan­ge­rüs­tes. In­fol­ge des­sen wur­den gro­ße Tei­le der In­fra­struk­tur Mont­s­er­rats in­klu­si­ve der frü­he­ren grö­ße­ren An­sied­lung Ply­mouth zu­min­dest teil­wei­se zer­stört. Ein wei­te­res ak­tu­el­les Bei­spiel ist der Kol­laps des Kra­ka­tau-Vul­kans in In­do­ne­si­en im De­zem­ber 2018.

Da es na­he­zu un­mög­lich ist vor­her­zu­sa­gen, wann und wo der nächs­te Vul­kan­aus­bruch as­so­zi­iert mit ei­nem Flan­ken­kol­laps statt­fin­det, un­ter­su­chen die For­schen­den frü­he­re In­sel­kol­lap­se. Hier­bei las­sen sich ver­schie­de­ne Pa­ra­me­ter zum zeit­li­chen Ab­lauf des Kol­lap­ses ab­lei­ten, wie zum Bei­spiel wel­che Be­rei­che des Vul­kan­ke­gels in wel­cher Ab­fol­ge ab­ge­rutscht sind und mit wel­cher Ge­schwin­dig­keit sich die Mas­sen han­g­ab­wärts und wei­ter ins Meer be­wegt ha­ben. Die­se Er­kennt­nis­se kön­nen ge­nutzt wer­den, um die Be­dro­hung durch mög­li­che Tsu­na­mi­wel­len zu be­stim­men. Die Er­geb­nis­se der M154 wer­den auch hel­fen, das Ge­fähr­dungs­po­ten­ti­al von lang­sam kol­la­bie­ren­de Vul­ka­ne– wie dem Ätna auf Si­zi­li­en und dem Ki­lauea auf Big Is­land, Ha­waii, ein­zu­schät­zen.

Wäh­rend des ers­ten Fahrt­ab­schnitts im April hat das Team um Chris­ti­an Berndt vom GEO­MAR hoch­auf­lö­sen­de seis­mi­sche Da­ten in 2D und 3D ge­sam­melt. Die­se Mes­sun­gen lie­fern In­for­ma­tio­nen über die Struk­tur und Di­men­si­on der Ab­la­ge­run­gen, wel­che wie­der­um als Grund­la­ge die­nen, um in die Rut­schungs­ab­la­ge­run­gen zu boh­ren. Da­bei wird Kern­ma­te­ri­al des kol­la­bier­ten Vul­kan­ge­rüsts ge­sam­melt – so­wohl mit dem MARUM-Me­Bo70 als auch mit dem Schwe­re­lot.

Am Fahrt­ab­schnitt M 154-2 sind For­schen­de des MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men, des GEO­MAR Helm­holtz-Zen­trum für Oze­an­for­schung Kiel, der Uni­ver­si­ty of Bir­ming­ham (UK) und der Sou­thern Me­tho­dist Uni­ver­si­ty Dal­las (USA) be­tei­ligt.